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14.02.2012

Umfrage: Wie gläubig sind die Briten?

Die meisten Briten sind dem Namen nach Christen ohne persönlichen Glauben.

London (idea) – Wie gläubig sind die Briten? Dieser Frage ist das Meinungsforschungsinstitut Ipsos Mori (London) nachgegangen.

Dabei stellte sich heraus, dass unter den 61,8 Millionen Einwohnern der Anteil jener Bürger, die sich als Christen bezeichnen, in den vergangenen zehn Jahren stark gesunken ist – von 74 Prozent (2001) auf 54 Prozent (2011). Die meisten sind sogenannte Namenschristen: Nur 28 Prozent haben einen persönlichen Glauben. 72 Prozent führen ihre Identität als Christen darauf zurück, dass sie als Kind getauft wurden; zusätzlich gaben 38 Prozent an, dass ihre Eltern Christen waren oder sind. Dies spiegelt sich auch in der Glaubenspraxis wider: Ungefähr die Hälfte (49 Prozent) derer, die sich Christen nennen, haben in den vergangenen zwölf Monaten keinen Gottesdienst besucht. 16 Prozent sind sogar in den letzten zehn Jahren ohne Gottesdienst ausgekommen, und 12 Prozent sind noch nie zur Kirche gegangen. 17 Prozent nehmen mindestens einmal pro Woche an einem Gottesdienst teil. 60 Prozent haben seit mindestens einem Jahr keinen Blick in die Bibel geworfen. Mehr als ein Drittel (37 Prozent) haben in diesem Zeitraum kaum außerhalb einer Kirche gebetet. Etwas mehr als ein Viertel (26 Prozent) glaubt an die Kraft des Gebets.

Jeder zweite glaubt nicht an Jesus als Sohn Gottes

Viele, die sich Christen nennen, können das Apostolische Glaubensbekenntnis nicht aus Überzeugung sprechen. Knapp die Hälfte (49 Prozent) glaubt nicht, dass Jesus Christus Gottes Sohn ist. Vier Prozent bezweifeln, dass er überhaupt jemals existiert hat. Ein knappes Drittel ist überzeugt, dass Jesus körperlich vom Tode auferstanden ist; 18 Prozent bezweifeln auch eine Auferstehung im geistlichen Sinne.

Drei Viertel: Keine Religion im Staat

Die Umfrage wurde von der Richard-Dawkins-Stiftung in Auftrag gegeben. Sie ist nach dem Oxforder Atheisten und Evolutionsbiologen Dawkins benannt, der den Bestseller „Der Gotteswahn“ geschrieben hat. Er kämpft unter anderem für einen strikt säkularen Staat und kann sich darin durch die Ergebnisse der Umfrage bestätigt fühlen. 74 Prozent der 2.100 Befragten vertreten die Ansicht, dass Religion keinen besonderen Einfluss auf die Politik haben sollte; 12 Prozent sind der gegenteiligen Meinung. Nach Angaben des Instituts hält die überwiegende Mehrheit der Briten Religion für eine reine Privatsache.

Muslimische Ministerin gegen „intolerante Säkularisierung“

Völlig anderer Ansicht ist die einzige Muslimin im Kabinett des britischen Premierministers David Cameron, Baronin Sayeeda Warsi. Die Ministerin ohne Geschäftsbereich warnt vor einer „intoleranten Säkularisierung“ Europas. Der Kontinent dürfe sein christliches Erbe nicht verleugnen, sagt sie am 14. Februar in einer Rede an der Päpstlichen Universität in Rom. Wie die Londoner Zeitung „The Times“ weiter berichtet, warnt sie laut Manuskript vor einer Unterdrückung der Spiritualität und verteidigt das Recht der Religionsführer, sich in gesellschaftlichen Fragen zu Wort zu melden.

Kein Gebet im Gemeindeparlament

Der Times zufolge kritisiert die aus Pakistan stammende konservative Politikerin die Entscheidung eines Londoner Gerichts vom 9. Februar, wonach in Stadtparlamenten keine formellen Gebete mehr gesprochen werden dürfen. Ein atheistischer Ratsherr aus Bideford im Südwesten Englands hatte mit Unterstützung der Nationalen Säkularen Gesellschaft gegen solche Gebete geklagt und Recht bekommen. Das Urteil könnte Auswirkungen nicht nur auf andere Parlamente, sondern etwa auch auf Schulen haben.

Erzbischof: Christliche Stimme zum Schweigen gebracht

Der frühere Erzbischof von Canterbury und damit geistliches Oberhaupt der Anglikaner, Lord Carey of Clifton, zeigte sich entsetzt. Offensichtlich solle „die christliche Stimme zum Schweigen gebracht“ werden. Eine Verdrängung des Christentums werde aber auch das Wertesystem aushöhlen. Keith Porteous Wood, Sprecher der Nationalen Säkularen Gesellschaft, begrüßte hingegen das Urteil. Nur in England und Wales würden noch im Parlament Gebete gesprochen. Auch beteilige Großbritannien als einziges Land Bischöfe an der Gesetzgebung. Im House of Lords – dem britischen Oberhaus – haben neben den Adligen zwei Erzbischöfe und 24 Bischöfe Sitz und Stimme.

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