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13.02.2012

Theologen kämpfen weiter gegen Stuttgart 21

Die Gruppe „Christen sagen nein“ erkennt das Ergebnis des Volksentscheids nicht an. Foto: The weaver

Stuttgart (idea) – Im Konflikt um das Bahnprojekt „Stuttgart 21“ erkennen mehrere evangelische Pfarrer den Volksentscheid zugunsten eines neuen Hauptbahnhofs nicht an.

Die Pläne der Deutschen Bahn sehen vor, den Kopfbahnhof in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof umzubauen. Dazu müssen mehr als 100 große Bäume im Schlossgarten gefällt oder versetzt werden. Bei einem von den Projektgegnern angestrebten Volksentscheid im November hatte die Mehrheit der Baden-Württemberger für den Neubau gestimmt. In einem Offenen Brief an Ministerpräsident Wilfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen), der den Volksentscheid respektiert, bekräftigen die Theologen ihr Nein. Auch den im Schlichtungsverfahren beschlossenen Stresstest für den neuen Bahnhof erkennen sie nicht an, weil er „nur durch Betrug von der Bahn“ bestanden worden sei. Den Brief haben neun aktive oder im Ruhestand befindliche Pfarrer und Religionslehrer unterzeichnet. Die Gruppe nennt sich „Christen sagen nein“. Zur bevorstehenden Räumung eines illegalen Zeltlagers der „Baumschützer“ im Schlossgarten und zum anschließenden Fällen der Bäume kündigen sie an, am Tag des mutmaßlichen Großeinsatzes der Polizei eine „Anlaufstelle für DemonstrantInnen“ in der Nähe einzurichten. Sie werde mit einem Ballon mit der Aufschrift „Seelsorge“ gekennzeichnet. Allerdings hat das Amt für öffentliche Ordnung verboten, diesen Teil des Schlossgartens zu betreten.

Misst die Kirchenleitung mit zweierlei Maß?

Im Gegensatz zu den Bahnhofskritikern unter den Theologen muss ein Befürworter von „Stuttgart 21“, Pfarrer Johannes Bräuchle (Stuttgart), mit kirchlichen Sanktionen rechnen. Nach einem Vortrag im November wurde ihm vorgeworfen, Aktionen von „Stuttgart 21“-Gegnern mit nationalsozialistischen Machenschaften verglichen zu haben. Daraufhin suspendierte ihn der württembergische Oberkirchenrat. Zugleich wurde ein Disziplinarverfahren gegen ihn eröffnet. Nachdem die Staatsanwaltschaft Mosbach keinen Anlass für ein Strafverfahren gegen Bräuchle sah, hob die Kirche die Suspendierung auf. Das Disziplinarverfahren, in dem etwaige Verstöße gegen das Mäßigungsgebot von Pfarrern untersucht wird, ist noch nicht abgeschlossen.

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