Seelsorge-Kongress: Veranstalter erleichtert
Marburg (idea) – Die Veranstalter des Kongresses für Psychotherapie und Seelsorge in Marburg sind erleichtert über den Verlauf der ersten drei Konferenztage. Das Sicherheitskonzept der veranstaltenden Akademie für Psychotherapie und Seelsorge (APS) und Polizei sei aufgegangen und der Kongress – er endet am Sonntag – weitgehend störungsfrei verlaufen.
Alle Seminare hätten am Donnerstag wie geplant stattgefunden, einschließlich des Workshops des angegriffenen Referenten Markus Hoffmann, sagte der Vorsitzende der Akademie, Martin Grabe (Oberursel), bei einer Pressekonferenz am 22. Mai. Auch das Seminar der zweiten attackierten Referentin, Christl Vonholdt, werde wie geplant stattfinden. Grabe verteidigte die kurzfristige Verlegung der Seminare vom Hörsaalzentrum der Universität in ein Schulgebäude neben der Stadthalle. Damit sei die Strategie der Deeskalation aufgegangen. Hätten die Seminare wie ursprünglich geplant in der Universität stattgefunden, wären die Kongressteilnehmer direkt auf die 1.000 Demonstranten gestoßen, die zwischen Uni und Stadthalle ihre Abschlusskundgebung abhielten. Wichtiger sei es gewesen, bei der Auswahl der Referenten dem Druck nicht nachzugeben, sagte Grabe. Von dem Kongress sei ein Signal für die Freiheit der Wissenschaft und für ein freies Rederecht ausgegangen. Bestürzt zeigte sich die Akademie über gotteslästerliche Schmierereien. In Marburg war an zahlreichen Häuserwänden ein gekreuzigtes Schwein mit der Aufschrift „Jesus du Opfer“ angesprüht. Dies könne nicht hingenommen werden. Kongress-Pressesprecher Wolfgang Baake: „Man muss sich einmal vorstellen, was in unserem Land los gewesen wäre, wenn eine andere Religion derart herabgewürdigt worden wäre.“
Kongress-Gegner werten
Das Bündnis „Kein Raum für Sexismus, Homophobie und religiösen Fundamentalismus“, das aus 60 linksradikalen Splittergruppen sowie der linksextremen Partei „Die Linke“ und dem Deutschen Gewerkschaftsbund Mittelhessen besteht, wertete die Demonstration am Himmelfahrtstag als Erfolg. Es sei erfreulich, dass die angekündigten Kongress-Seminare nicht im Hörsaalgebäude stattgefunden hätten. Man habe sich „diskriminierenden Veranstaltungen wirksam in den Weg gestellt“.
CSU-Politiker diffamiert
Unterdessen sind in Marburg Plakate von Gegnern des Kongresses geklebt worden, die den CSU-Bundestagsabgeordneten Norbert Geis diffamieren. Unter einem Foto von Geis findet sich die Aufschrift „Ich finde Schwule pervers. Ich bin für den APS-Kongress“. Tatsächlich hatte Geis in einem Interview der Zeitung „Die Tagespost“ anlässlich des Kongresses erklärt, Homosexuelle dürften in keiner Weise diskriminiert werden: „Natürlich können auch homosexuelle Menschen so leben, wie sie das wollen. Diese Freiheit wird aber keineswegs eingeschränkt, wenn Wissenschaftler ein wissenschaftlich fundiertes und therapeutisch motiviertes Gespräch über Homosexualität führen wollen. Diskussion ist nicht Diskriminierung.“ Geis gehört zu den Unterzeichnern des „Appells für Freiheit und Selbstbestimmung“, der sich gegen eine Einschränkung der Meinungsfreiheit für den Kongress für Psychotherapie und Seelsorge wendet. Der Appell ist nach Angaben der Initiatoren inzwischen von mehreren tausend Personen unterschrieben worden.
Wenn Sie diesen Beitrag im Forum kommentieren möchten, dann schicken Sie eine E-Mail mit der Überschrift an: bernhard.limberg@idea.de.



