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18.01.2012

Prozess gegen mutmaßlichen Kindesentführer beginnt

Der ehemalige Axel Hüls Freikirchler muss sich vor dem Landgericht Lüneburg verantworten. Foto: PR

Celle (idea) – Vor dem Landgericht Lüneburg beginnt am 24. Januar der Prozess gegen Axel Hüls (Hermannsburg bei Celle), der im vergangenen Jahr seine vier minderjährigen Kinder nach Nordafrika gebracht hatte. Dies teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Celle auf idea-Anfrage mit.

Hüls befindet sich wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft. Die Anklage wirft ihm vor, am Ostermontag die Buben Jonas (damals 8 Jahre alt) und Benjamin (7) sowie die Mädchen Miriam (5) und Lisa (4) nach Ägypten und den Sudan verschleppt zu haben. Dazu habe er die Pässe der Kinder aus der Wohnung seiner getrennt lebenden Ehefrau Katja gestohlen. Am 7. September wurde er in Kairo festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert. Die Staatsanwaltschaft rechnet mit mehreren Verhandlungstagen. Über die Motive des Mannes wurden in den Medien verschiedene Theorien angestellt. Weil Hüls fünf Jahre zuvor aus der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche mit der Begründung ausgetreten war, die theologisch konservative Freikirche sei ihm zu liberal, wurden immer extremer werdende religiöse Überzeugungen als möglicher Grund genannt. An dieser Entwicklung sei auch die Ehe zerbrochen; die Mutter habe daraufhin das alleinige Sorgerecht für die Kinder erhalten. Andere Beobachter äußerten aufgrund eines Gutachtens Zweifel an der psychischen Gesundheit von Hüls.

Der Vater sagt: Die Buben haben mir geholfen

Hüls selbst schilderte in einem vom Internetportal „Zeltmacher“ veröffentlichten Brief seine Sicht. Darin beruft er sich auf zahlreiche Bibelstellen zur Verantwortung von Vätern. Danach habe er es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren können, die Kinder länger in der Obhut der Mutter zu lassen, die seit zwei Jahren einen anderen Partner habe und folglich Ehebruch begehe. Hüls habe nach eigenen Angaben ein engeres Verhältnis zu den Kindern als die Mutter. Bei der „Entfernung“ der Kinder aus dem Umfeld ihrer Mutter hätten ihm die Buben geholfen. Sie hätten frühzeitig von den Reiseplänen erfahren. Jonas ihm habe den Aufbewahrungsort der Pässe gezeigt. In Ägypten habe ihm die Immigrationsbehörde ein Wohnrecht erteilt, so dass er Kairo eine Wohnung mieten konnte. Seine Auslieferung nach Deutschland bezeichnete Hüls als Ergebnis eines „Deals“ der ägyptischen Justiz, die an der Auslieferung eines Ägypters interessiert gewesen sei. Hauptverantwortlicher für das Portal „Zeltmacher“ ist nach eigenen Angaben der Buchhändler und Missionar Torben Danielzik (Gelsenkirchen).

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