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21.12.2011

Nordkoreanische Flüchtlinge: Trauer um Kim Jong-Il ist gestellt

Wer den verstorbenen Diktator nicht beweint, muss mit dem Tod rechnen. Foto: ddp images/AP

Pjöngjang/Torrance (idea) – Die in Nordkorea zur Schau gestellte Trauer um den verstorbenen Diktator Kim Jong-Il ist nach Ansicht von Flüchtlingen nicht echt. Nach außen zeigten viele Bürger zwar Trauer, denn wenn sie es nicht täten, müssten sie mit dem Tod rechnen.

Das schreiben im Exil lebende Nordkoreaner nach Angaben der Organisation „Liberty in North Korea“ (Freiheit in Nordkorea) mit Sitz in Torrance (US-Bundesstaat Kalifornien). Das kommunistische Regime schreibe vor, dass jeder zu weinen habe. Aber in Wahrheit sehnten sich die Menschen nach Freiheit und Wohlstand. Kim Jong-Il war nach Angaben nordkoreanischer Medien am 17. Dezember während einer Inspektionsreise an Herzversagen gestorben. Die Gesundheit des 69-Jährigen galt nach einem Schlaganfall im Jahr 2008 als angeschlagen. Nachfolger ist sein jüngster Sohn Kim Jong-Un (28), der im vorigen Jahr zum General ernannt worden war. Nordkorea gilt als das Land mit der schlimmsten Christenverfolgung. Erlaubt ist nur der Kult um den „Ewigen Präsidenten“ Kim Il-Sung (1912-1994) und seinen Sohn, den jetzt verstorbenen Diktator Kim Jong-Il. Auch Kim Jong-Un wird bereits offiziell als „vom Himmel geborene Persönlichkeit“ bezeichnet. Wer sich der Verehrung verweigert, wird verfolgt. Nach Schätzungen werden bis zu 70.000 Christen als Staatsfeinde in über 30 Arbeits- und Straflagern gefangen gehalten. Von den 24 Millionen Einwohnern sind offiziellen Angaben zufolge etwa 12.000 Protestanten und 800 Katholiken, die zu vier staatlich anerkannten Kirchengemeinden gehören. Mindestens 200.000 versammeln sich im Untergrund.

Starb der Diktator im Bett und nicht im Zug?

Nach Angaben des südkoreanischen Spionagechefs Won Sei Hun (Seoul) sind die Angaben des Regimes in Pjöngjang über die Umstände des Ablebens von Kim Jong-Il unwahr. Der Zug, in dem der Diktator gestorben sein soll, habe zum Todeszeitpunkt in Pjöngjang gestanden. Die Behörden hätten ein andere Darstellung gewählt, um zu signalisieren, dass der „geliebte Führer“ im unermüdlichen Dienst für sein Volk gestorben sei und nicht etwa im Bett, berichtet die Londoner Zeitung „The Times“. Kim Jong Il liegt in einem gläsernen Sarg aufgebahrt in einem Mausoleum, in dem auch der einbalsamierte Leichnam seines Vaters ausgestellt ist.

Südkoreanische Kirchen: Chance zum Frieden nutzen

In Südkorea haben hohe Kirchenvertreter dazu gemahnt, jede Chance zu nutzen, um den Frieden in dem geteilten Land zu fördern. Der Generalsekretär des Nationalen Kirchenrats, Kim Young Ju (Seoul), brachte sein „aufrichtiges Mitgefühl“ über den Tod des nordkoreanischen Führers zum Ausdruck: „Wir beten, dass Gottes Trost bei den trauernden und leidenden Menschen in Nordkorea ist.“ Die ökumenische Dachorganisation empfahl auch, dass die südkoreanische Regierung eine Trauerdelegation in den Norden entsendet. Die wird jedoch nicht der Fall sein. Nur die Familien des früheren südkoreanischen Staatspräsidenten Kim Dae Jung (1925-2009) und des ehemaligen Chefs des Hyundai-Konzerns Chung Mong Hun (1948-2003) werden zu der Trauerfeier am 28. Dezember reisen. Die katholische Kirche Südkoreas sieht eine Chance für Entwicklungen hin zur Wiedervereinigung des Landes. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Peter Kang (Cheju), hofft auf eine Politik, in deren Mittelpunkt, Dialog, Friede und die Wiedervereinigung stehen, so der vatikanische Pressedienst Fides.

Unterschiedliche religiöse Entwicklung

Korea war nach der japanischen Besatzung im August 1945 in eine sowjetische und eine US-amerikanische Zone geteilt worden. Seit dem Koreakrieg (1950-1953) sind beide Landesteile nahezu hermetisch voneinander abgeriegelt. Politisch und religiös haben sie sich völlig unterschiedlich entwickelt. So hat sich im Süden das Christentum weit ausgebreitet. Von den 48,5 Millionen Einwohnern sind 31 Prozent Christen. Südkorea gehört zu den Ländern mit den meisten Auslandsmissionaren: 21.500 Christen sind in 175 Ländern tätig. 31 Prozent der Einwohner gehören keiner Religion an, 23,7 Prozent sind Buddhisten und sieben Prozent Anhänger von Stammesreligionen. Hinzu kommen kleine Gruppen anderer Religionen.

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