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20.02.2012

„Kein Papst war so evangelisch wie Benedikt XVI.“

Der Theologe Werner Neuer ist der einzige Protestant im päpstlichen Schülerkreis. Foto: Privat

München (idea) – „So evangelisch wie Papst Benedikt XVI. war noch kein anderer Papst.“ Das sagte der Dozent für Dogmatik und Ethik am Theologischen Seminar St. Chrischona (Bettingen bei Basel), Werner Neuer, am 19. Februar in der Sendung „Evangelische Perspektiven“ des Bayerischen Rundfunks.

Neuer ist der einzige evangelische Theologe beim jährlichen „Schülerkreistreffen“, die der Papst vor mehr als 25 Jahren begann, als er als Josef Ratzinger Universitätsprofessor in Bonn war. Dem Kreis gehören auch die Doktoranden aus der Zeit in Münster, Tübingen und Regensburg an. Neuers Gaststatus beruht auf einer persönlichen Einladung des Papstes und des Schülerkreises. Er begründete seine Ansicht unter anderem damit, dass der Papst stark christus-zentriert argumentiere, wie es auch in dessen „Jesus-Büchern“ zum Ausdruck komme. Ferner orientiere er sich an den heilsgeschichtlichen Grundlinien der Heiligen Schrift, wozu eine besondere Wertschätzung des Alten Testaments gehöre. Sie bilde eine Basis für die Begegnung mit dem Judentum. Außerdem sei das päpstliche Denken stärker von der Kirche in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten geprägt als vom Mittelalter. Hinzu komme, dass Benedikt die Reformatoren und die reformatorische Theologie kenne.

Es bleiben Unterschiede

Als wesentlichen konfessionellen Unterschied benennt Neuer das jeweilige Kirchenverständnis. Im Gegensatz zur katholischen Kirche gelte im Protestantismus, dass die Wahrheit des Evangeliums notfalls auch gegen die verfasste Kirche und ihr Lehramt vertreten werden müsse. An den Abendmahlsfeiern bei den Schülerkreis-Treffen hat Neuer nach eigenen Angaben aus Respekt vor der römischen Kirche, die keine Nicht-Katholiken zur Eucharistie einlädt, bisher nicht teilgenommen. Man sollte „nicht Dinge vorwegnehmen, die noch nicht geistlich-theologisch gewachsen und reif sind“.

Landeskirchen sind „nur noch sehr bedingt ökumenefähig“

Neuer zufolge liegt der Stillstand in der Ökumene nicht nur an der katholischen Kirche. Gerade die evangelischen Landeskirchen in Deutschland seien gegenwärtig „nur noch sehr bedingt ökumenefähig“. Dies sei eine Folge der „Selbstsäkularisierung“ der Kirche, wie es der frühere EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber (Berlin) einmal genannt habe. Dies werde etwa daran deutlich, dass fundamentale biblische Wahrheiten, etwa die Heilsbedeutung von Kreuz und Auferstehung Jesu oder dessen Sühnetod, öffentlich infrage gestellt würden, „zum Teil sogar von kirchenleitenden Personen“. Das Gleiche gelte für Grundpositionen christlicher Ethik. Es bleibe zu hoffen, dass sich die evangelischen Kirchen auf ihre biblisch-reformatorischen Grundlagen zurückbesinnten, um wieder ein ernstzunehmender ökumenischer Partner zu werden.

Katholische Anerkennung der lutherischen Bekenntnisschrift?

In der Sendung teilte der Kirchenhistoriker und Ökumene-Fachmann Prof. Vinzenz Pfnür (Münster) Überlegungen in der katholischen Kirche mit, die lutherische Bekenntnisschrift Confessio Augustana als gemeinsames Glaubenszeugnis anzuerkennen. Das 1530 verfasste Dokument enthalte nichts, was dem Glauben der Kirchen widerspreche. Laut Pfnür bejaht Benedikt XVI. diesen Vorschlag. Auch der Organisator des Schülerkreises, Pater Stephan Horn (Pfarrkirchen/Ostbayern), berichtete, dass der Papst das geistliche Erbe des Luthertums und dessen Bekenntnisschriften als wichtige Basis für die ökumenischen Gespräche betrachte.

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