Jugendkirchen dürfen „stören“

Landesbischof Friedrich Weber: In Braunschweig bleiben missionarische Impulse aus. Foto: idea/Polzer
Braunschweig/Hannover (idea) – Von einer Jugendkirche können auch befremdende und störende Impulse ausgehen. Das könne belebend wirken, sagte der braunschweigische Landesbischof Friedrich Weber in einem Vortrag bei der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland (aej) am 25. Januar in Hannover.
Insgesamt gibt es rund 130 Jugendkirchen in Deutschland. Weber zog ein Fazit der Arbeit der Jugendkirche in Braunschweig. Diese habe in den bisherigen zwei Jahren ihres Bestehens „ihre Tore geöffnet und grundsätzlich Weite signalisiert“, heißt es in Webers Manuskript. Aber eine missionarische Ausrichtung habe sich eher noch nicht entwickelt. Aktuell entstehe der Eindruck, als ob die Kirche vor allem von bereits kirchlich engagierten Jugendlichen in Besitz genommen werde. Weber: „Dies ist natürlich nicht schlecht, erfüllt aber das Ziel einer missionarischen Ausrichtung einer solchen Jugendkirche nicht.“ In den Zielvorgaben sei beschrieben worden, dass sie sich vor allem auch an Jugendliche richten solle, die keine nennenswerten Kontakte zu Kirche und Glauben haben.
Jugendkirche als Schülerkirche
Die Braunschweiger Jugendkirche sei tendenziell eher eine Schülerkirche. Sie habe daher mit einer hohen Fluktuation zu rechnen, mit der die gesamte Landeskirche kämpfe. Jugendliche verließen in aller Regel die Region und wanderten aus ihren Heimatgemeinden aus. Nach Webers Einschätzung ist die Identifikation der braunschweigischen Landeskirche – vor allem Kirchenleitung und Landessynodale – mit der Jugendkirche wahrscheinlich erheblich größer als umgekehrt. Weber fragt ferner, ob es ratsam gewesen sei, die Jugendkirche in Braunschweig zu etablieren. Möglicherweise wäre ein Standort in einer Stadt wie Goslar oder Salzgitter erfolgversprechender für die Erwartung gewesen, dass die Jugendkirche überregionale Strahlkraft entfalten sollte. Sie ist in der Braunschweiger Matthäuskirche untergebracht und richtet sich an Heranwachsende von zwölf bis 27 Jahren. Ihr Leitziel: „Jugendliche eignen sich die Jugendkirche als Raum an, in dem sie ihre Erfahrungen einbringen und christlichen Glauben spannend erfahren können.“ Drei Hauptamtliche sind an der Jugendkirche beschäftigt: Pfarrerin Stefanie Stubbendiek, Diakonin Stefanie Stross und die Popularmusikerin Ruth Hannemann.
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