Göring-Eckardt: Missionarische Chancen stärker nutzen

Die Präses der EKD-Synode, Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen). Foto: Evangelische Akademie im Rheinland
Bonn (idea) – Zu einem stärkeren missionarischen Engagement der Volkskirche hat die Präses der EKD-Synode, Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen), aufgerufen. „Jeder, der noch nicht dabei ist, ist eine missionarische Gelegenheit. Und ich glaube, wir verpassen viele Gelegenheiten“, sagte die Politikerin am 5. Februar in Bonn.
Sie äußerte sich bei den „Bonner Gesprächen der EKD“, einer neuen Veranstaltungsreihe, die die EKD und die Evangelische Akademie im Rheinland ins Leben gerufen haben. An dem Treffen, das einmal jährlich einen Austausch über Fragen des Verhältnisses von Kirche und Politik ermöglichen soll, nahmen rund 60 Personen teil, vorwiegend Mitarbeiter von Bundesbehörden. Göring-Eckardt verteidigte die Verwendung des Begriffs „Mission“ in Veröffentlichungen wie dem EKD-Impulspapier „Kirche der Freiheit“. Nötig sei eine „tiefe leidenschaftliche Neugier auf die, die noch nicht oder nicht mehr“ zur Kirche gehörten. Zudem warb die Präses darum, mehr Theologie zu wagen, die eng mit den Fragen des Lebens verbunden ist. „Unsere Welt braucht Christen, die ehrlich sagen, was dran ist.“
Zahl der Traditionschristen hat abgenommen
Der Politikerin zufolge steht die Kirche vor der Herausforderung, dass die Kirchenmitgliedschaft nicht mehr – wie früher – „sozial vererbt“ wird. Die Frage, ob man zur Kirche dazugehören will, habe heute weniger etwas mit Tradition, sondern mit einer persönlichen Entscheidung zu tun. Auch wenn dies zu sinkenden Kirchenmitgliederzahlen führt, kann Göring-Eckardt dieser Entwicklung auch etwas Positives abgewinnen: So seien heute mehr bewusst evangelische Christen und weniger Traditionschristen in der Kirche.
Religionsfreiheit in der Türkei noch nicht verwirklicht
Der Bevollmächtigte des Rates der EKD bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union, Prälat Bernhard Felmberg (Berlin), ging bei dem Treffen auf politische Themen ein, die für die Kirche bedeutsam sind. Im Hinblick auf das von der FDP geforderte Drei-Stufenmodell im Steuersystem sagte er, dies würde für die beiden großen Kirchen einen Verlust von rund 500 Millionen Euro an Kirchensteuern bedeuten. Hinsichtlich der Beitrittsverhandlungen der Europäischen Union mit der Türkei verwies Felmberg auf das Aufnahmekriterium der Religionsfreiheit. Sie sei dort momentan nicht verwirklicht. In den vergangenen 80 Jahren sei der Bevölkerungsanteil der Christen in der Türkei von 20 Prozent auf 0,5 Prozent gesunken. 99 Prozent der Einwohner sind Muslime. Wenn sich die Einstellung in der Türkei zu anderen religiösen Gruppen nicht verändere, werde dies beispielsweise dazu führen, „dass die 3.000 griechisch-orthodoxen Christen nicht mehr lange existieren“.
Beim Verhältnis zu Orthodoxen „nicht in die Tasche lügen“
Felmberg äußerte sich auch zu den angespannten Beziehungen zwischen der EKD und der Russisch-Orthodoxen Kirche (ROK). Nach der Wahl von Landesbischöfin Margot Käßmann (Hannover) zur EKD-Ratsvorsitzenden hatte die ROK die Beziehungen zur EKD nahezu eingefroren. Patriarch Kirill (Moskau), Oberhaupt der ROK, könne sich nicht mit einer Bischöfin treffen, so der „Außenminister“ der Kirche, Erzbischof Ilarion, gegenüber dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Felmberg sagte dazu, Orthodoxe und Katholiken teilten nicht das Amtsverständnis der evangelischen Kirche. Man solle sich „nicht in die Tasche lügen“, dass dies bei einem Mann an der EKD-Spitze anders wäre. „Wer die Frauenordination zulässt, darf sich nicht wundern, wenn irgendwann eine Frau Bischöfin wird und irgendwann auch Ratsvorsitzende.“ Die Vertreter von EKD und ROK kennten sich schon lange und hätten schon früh festgestellt, „was sie nicht aneinander haben“.
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