„Gemeindebund Bayern“ will Landeskirche erneuern
Nürnberg (idea) – Ein „Gemeindebund Bayern“ möchte die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern von der Basis her erneuern. Er wolle das Zusammenwirken von Kirchengemeinden fördern und koordinieren, hieß es bei der Gründungsversammlung Anfang Februar in Nürnberg.
Der Bund wende sich „gegen Tendenzen der Zentralisierung, Hierarchisierung und Stärkung des Bischofsamtes in der evangelischen Kirche“. Notwendig sei eine Stärkung der Gemeinden, die als Leib Jesu Christi und Geschöpf des Heiligen Geistes „voll und ganz Kirche“ seien. Insbesondere sollen Gemeinden über die Verwendung der in ihrem Einzugsbereich erhobenen Kirchensteuern entscheiden können, und mehr Rechte bei der Auswahl und Anstellung von Mitarbeitern erhalten. Einer Modellrechnung zufolge fließen von 100 Euro Kirchensteuern nur 27 Euro an die Basis zurück. Ein Alternativmodell des Gemeindebundes sieht vor, dass die Gemeinden fast dreimal soviel Geld bekommen könnten; etwa 20 Prozent des Kirchensteueraufkommens sollen danach für gesamtkirchliche Aufgaben bereit stehen. Dem neuen Bund sind bisher 16 Kirchengemeinden beigetreten. Vorsitzender ist der Pegnitzer Dekan Gerhard Schoenauer.
Kirchenleitung: „Nicht wirklich erforderlich“
Der Gemeindebund sei „nicht wirklich erforderlich“, sagte der Sprecher der Kirchenleitung, Kirchenrat Johannes Minkus (München), gegenüber idea. Die Kirchengemeinden seien „als Grundgestalt und Regelform gemeindlichen Lebens ganz selbstverständlich anerkannt“. Bei den jährlichen Haushaltsberatungen der Landessynode würden 80 Prozent der erwarteten ordentlichen Kirchensteuermittel für ihre Zwecke verwendet. Zugleich begrüße es die Kirchenleitung, wenn sich über die offiziellen Strukturen hinaus in dem Bund Gemeinden und Bürger für die Stärkung und Aktivierung der Ortsgemeinde engagieren. Die Kirche brauche „lebendige, attraktive und kreative Gemeinden, die ihre Eigenverantwortung nicht nur einfordern, sondern tatsächlich auch wahrnehmen“.
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