Finanzskandal: Wollte die rheinische Kirche die riskante Geldanlage?

Eine leitende Mitarbeiterin der Evangelischen Kirche im Rheinland soll sich für die riskante Geldanlage ausgesprochen haben.
Düsseldorf/Ludwigshafen (idea) – Im Skandal um den Millionenverlust eines Tochterunternehmens der Evangelischen Kirche im Rheinland soll eine leitende Mitarbeiterin der Kirche für eine riskante Geldanlage in der Karibik gestimmt haben.
Das sagte der Rechtsanwalt Markus Koch (Mannheim), der einen wegen dieser Vorgänge gekündigten Mitarbeiters des bbz Beihilfe- und Bezügezentrums in Bad Dürkheim bei Mannheim vertritt, gegenüber idea. Das auf Personalabrechnung und Softwareentwicklung spezialisierte Unternehmen musste Ende 2011 von der Landeskirche mit 20 Millionen Euro vor der Zahlungsunfähigkeit gerettet werden. Es hatte 2006 über einen Finanzmakler 8,5 Millionen Euro an einen nicht-börsennotierten Fonds auf den Britischen Jungferninseln (Karibik) gezahlt und ist dabei mutmaßlich Betrügern aufgesessen. Zinsen sind nie geflossen. In der Bilanz des kirchlichen Tochterunternehmens soll das durch Manipulationen verdeckt worden sein. Wie Koch weiter sagte, sei die Entscheidung für das Investment in der Karibik „nicht im stillen Kämmerlein“ getroffen worden. Vielmehr habe die Mitarbeiterin der Landeskirche in ihrer Funktion als Vorsitzende der Gesellschafterversammlung an einer Vorstellung dieser Finanzanlage teilgenommen und sich dafür ausgesprochen. Dies soll in dem arbeitsrechtlichen Verfahren durch Protokolle der Gesellschafterversammlung belegt werden.
bbz-Mitarbeiter klagen vor Arbeitsgericht
Zwei ehemalige bbz-Mitarbeiter haben vor dem Arbeitsgericht Ludwigshafen Klage gegen ihre Kündigung eingereicht. Die Entscheidung für die riskante Anlage sei bereits gefallen, bevor sie mit deren Durchführung betraut wurden, hieß es zur Begründung. Das bbz fordert in einer Gegenklage jeweils 500.000 Euro Schadensersatz von ihnen. Am 18. Januar scheiterte ein Gütetermin. Die Sache soll nun am 18. April verhandelt werden. In der Angelegenheit ermittelt die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern gegen neun Personen, darunter fünf Mitarbeiter von Kirche und bbz. Die rheinische Kirche will sich zu den Vorgängen aufgrund der laufenden Verfahren nicht äußern.
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