Dubiose Geschäfte mit einem Nachdruck einer wertvollen Bibel
Stuttgart/Westerland (idea) – Vor dubiosen Geschäften mit Nachdrucken eines wertvollen Neuen Testaments warnen die Württembergische Landesbibliothek und ein christlicher Bibelexperte. Nach ihren Angaben bieten redegewandte Verkäufer Faksimile-Ausgaben der Merian-Bibel von 1630 für knapp 1.700 Euro an.
„Bei Auktionen habe ich solche Exemplare bereits für 90 Euro gesehen“, sagte der Leiter einer mobilen Bibelausstellung, Alexander Schick (Westerland), gegenüber idea. Wenn Kirchengemeinden über die Zeitung die „älteste Bibel der Stadt“ suchten, komme es immer wieder vor, dass Menschen voller Stolz das vermeintlich wertvolle Faksimile der Merian-Bibel bringen. Meist werde der Wert mit dem hohen Kaufpreis begründet. Doch die nachgedruckte Bibel sei weder selten noch so wertvoll, wie ihre Besitzer annehmen. Besonders enttäuschend sei es, wenn ältere Personen das teure Stück verkaufen wollten und hören müssten, dass sie nur einen Bruchteil des früheren Kaufpreises erwarten können.
Zusätzliche Nachdrucke ohne Rücksprache
Das Original der dreibändigen Merian-Bibel von 1630 befindet sich in der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart. Weltweit gibt es vier Exemplare. Im Jahr 1985 hatte der Stuttgarter Verlag Müller und Schindler im Auftrag des Coron-Verlages Zürich ein Faksimile des dritten Bandes, des Neuen Testaments mit 77 Kupferstichen, herstellen lassen. Diese Auflage war ziemlich schnell vergriffen. Wie die Landesbibliothek auf ihrer Internetseite mitteilt, wurden in den folgenden Jahren ohne weitere Rücksprache zusätzliche Auflagen hergestellt. Dies sei für Faksimile-Ausgaben unüblich und habe den Wert des einzelnen Exemplars beträchtlich vermindert, so die Bibliothek. Vor einem Jahr seien im deutschen Antiquariatshandel mindestens 45 Exemplare zu Preisen zwischen 180 und 700 Euro erhältlich gewesen.
Kritik auch an den Vertriebswegen
Kritik übt die Landesbibliothek auch an den Vertriebswegen des Nachdrucks. Er wird vor allem von Mitarbeitern der InmediaOne-Gesellschaft, einer Tochter des Bertelsmann-Konzerns, an Haustüren verkauft. Laut Bibliothek kann es dabei vorkommen, „dass die Haustüragenten den potentiellen Käufern nicht einmal ein Exemplar zur Ansicht vorlegen, sondern nur ein farbiges Blatt, mit der Begründung, die Bibel sei zu schwer“.
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