Deutschland wird „kein Gott-fernes Land“

Der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider: Kirchen bleiben ein bedeutender Faktor. Foto: EKiR/André Zelck
Essen (idea) – Deutschland wird trotz des Mitgliederrückgangs der Kirchen „kein Gott-fernes Land“. Davon ist der amtierende EKD-Ratsvorsitzende und Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider (Düsseldorf), überzeugt.
Gott werde „dieses Land und die Menschen hier nicht aufgeben“, sagte er in einem Interview mit der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ/Essen). Die Kirchen blieben auf absehbare Zeit ein bedeutender Faktor des gesellschaftlichen Lebens. Die beiden Volkskirchen in Deutschland verloren zwischen 1990 und 2008 7,7 Millionen Mitglieder. Vor zwei Jahren gehörten 25,2 Millionen Personen zur römisch-katholischen Kirche und 24,5 Millionen zu EKD-Mitgliedskirchen. Rund 900.000 Bürger sind Mitglieder von Freikirchen. In dem Interview ging Schneider scharf mit der Bundesregierung ins Gericht: Das Sparpaket der schwarz-gelben Koalition sei nicht sozial ausgewogen und verletze das Gerechtigkeitsempfinden vieler Menschen. Zwar lobte Schneider die Schwerpunktsetzung in Bildung und Entwicklung. Für die Konsolidierung des Haushalts wünsche er sich, dass die Regierung „einige ideologische Scheuklappen“ ablege und das „obere Segment der Gesellschaft“ an der Finanzierung mehr beteilige. Im Juni hatte die Bundesregierung Einsparungen von über 80 Milliarden Euro bis 2014 angekündigt. So soll das Elterngeld für Hartz-IV-Empfänger komplett gestrichen und im öffentlichen Dienst 15.000 Stellen abgebaut werden. Weitere Einsparungen betreffen die Energiepolitik, den Luftverkehr und die Bundeswehr. Schneider sprach von einer „beunruhigenden Entwicklung“. Seit Jahren warne man ohne Erfolg vor einem Auseinanderdriften der Einkommen. Von der neuen rot-grünen Minderheitsregierung in Nordrhein-Westfalen erwartet Schneider „als erstes eine soziale Politik“. Die Landesregierung solle außerdem die Schulen mit genügend Lehrern ausstatten und einen Entschuldungsplan für die in der Schuldenfalle sitzenden Kommunen aufstellen.
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