Christen teilen Freude und Leid mit Israel
Jerusalem (idea) – In Jerusalem haben rund 6.000 Christen aus 80 Ländern ihre Solidarität mit Israel angesichts des Handels mit den Palästinensern über die Freilassung von Gefangenen zum Ausdruck gebracht.
Sie nehmen an den alljährlichen Feiern der Internationalen Christlichen Botschaft Jerusalem (ICJE) zum jüdischen Laubhüttenfest teil, das vom 13. bis 19. Oktober begangen wird. Wie ICJE-Direktor Jürgen Bühler (Jerusalem) sagte, teilen die Christen die zwiespältigen Gefühle der Israelis – einerseits Freude und Erleichterung über die Freilassung des israelischen Soldaten Gilad Schalit nach fünf Jahren und vier Monaten in palästinensischer Geiselhaft und andererseits den Abscheu über den Preis, nämlich die Entlassung von zunächst 477 palästinensischen „Mördern“ aus israelischer Haft; 550 weitere sollen folgen. In diesem Zwiespalt müsse Israel ständig leben; dessen seien sich die Konferenzteilnehmer neu bewusst geworden. Sie kehrten mit einem größeren Verständnis für die Lage Israels und seiner Bevölkerung heim. Die ICJE beteiligt sich jedes Jahr am traditionellen Marsch durch Jerusalem während des Laubhüttenfestes. Die Teilnehmer befolgen die biblische Weisung, dass dann alle Nationen nach Jerusalem ziehen sollen, um den Gott Israels anzubeten. Das Fest erinnert an die Flucht aus der ägyptischen Knechtschaft und die Wüstenwanderung, in der die Israeliten keine festen Wohnhäuser hatten. Die ICEJ mit Zweigstellen und Vertretungen in etwa 80 Ländern tritt für das Existenzrecht Israels als einem jüdischen Staat ein und unterstützt Israels Anspruch auf Jerusalem als seiner unteilbaren und ewigen Hauptstadt.
Bürgermeister: Jerusalem muss ungeteilt bleiben
Jerusalems Bürgermeister Nir Barkat sagte vor den Konferenzteilnehmern, es sei sein Anliegen, den freien Zugang zur Stadt für Anhänger aller Religionen zu erhalten. Dafür sei es nötig, dass die Stadt die „ungeteilte Hauptstadt Israels“ bleibe. Er wandte sich damit gegen Pläne, im Rahmen einer „Zwei-Staaten-Lösung“ Ost-Jerusalem zum Teil eines Palästinenserstaats zu machen. Barkat dankte für die Freundschaft und die Gebete der Christen für Jerusalem.
Israelis „in Freude und Leid geeint“
Das Abkommen zur Freilassung Schalits und 1.027 inhaftierten Palästinensern hat in Israel ein geteiltes Echo gefunden. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, alle Israelis seien „in Freude und Leid geeint“. Präsident Schimon Peres erklärte, er habe die Begnadigungsurkunden für die Palästinenser „schweren Herzens“ unterzeichnet. Er beuge sich einer politischen Entscheidung, vergebe und vergesse jedoch nicht, was diese „Mörder und Kriminellen“ getan hätten. Bundeskanzlerin Angela Merkel, der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy und US-Außenministerin Hillary Clinton äußerten sich erfreut und erleichtert. Im Gaza-Streifen und im Westjordanland feierten Tausende Palästinenser die Rückkehr der Häftlinge.
Wird Israel erpressbar?
Nach Ansicht des Israel-Korrespondenten des Christlichen Medienverbundes KEP (Konferenz Evangelikaler Publizisten), Johannes Gerloff (Jerusalem), bleibt aus israelischer Sicht ein „bitterer Nachgeschmack“. Für einen einzigen einfachen israelischen Soldaten sei die Freilassung von 1.027 Terroristen vereinbart worden. Die zunächst entlassenen 450 Männer und 27 Frauen seien für den Tod von etwa 600 Israelis verantwortlich. Verzweifelt hätten Angehörige von Terroropfern bis zum letzten Augenblick versucht, die Vereinbarung zu verhindern. Laut Gerloff schafft die Vereinbarung einen gefährlichen Präzedenzfall: „Welcher radikale Massenmörder sollte jetzt nicht hoffen dürfen?“ Mit Sorge sei ferner zu beobachten, wie der Staat Israel erpressbar werde. Die radikal-islamische Bewegung Hamas habe bereits angekündigt, auch die verbliebenen 5.000 Palästinenser in israelischer Haft freipressen zu wollen.
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