12. April 2012

Wie viele Deutsche wechseln zum Islam?

Soest/Köln/Bremen/Ulm (idea) – Die kostenlose Koranverteilung durch radikal-islamische Salafisten in deutschen Großstädten stößt bei gemäßigten Muslimen auf Kritik. Einer ihrer führenden Vertreter in Deutschland – der Leiter des Zentral-Instituts-Islam-Archiv-Deutschland, Salim Abdullah (Soest) – sagte der Evangelischen Nachrichtenagentur idea auf Anfrage, die vom Verfassungsschutz als gefährlich eingestufte Gruppierung verkünde einen „antiwestlichen Kurs“. Ihr Ziel sei es, dass der Islam überall herrsche. Abdullah: „Sie wollen den Westen missionieren. Doch das widerspricht dem Koran, denn der Koran verbietet Mission.“ Er bezweifle aber, dass durch die groß angelegte Aktion, im deutschsprachigen Europa 25 Millionen Koran-Exemplare zu verteilen, deutlich mehr Menschen zum Islam konvertieren.

Schätzungen zufolge würden in Deutschland jedes Jahr rund 4.000 Bürger durch Übertritt Muslime. Während in der Vergangenheit vor allem Frauen zum Islam gewechselt seien, nachdem sie einen Muslim geheiratet hätten, würden zunehmend geschäftliche Gründe wichtiger, erklärte Abdullah. So sei es für ein Unternehmen einfacher, große Aufträge in Saudi-Arabien zu bekommen, wenn Mitarbeiter aus der Führungsetage Muslime seien. Der Glaubenswechsel sei damit mittlerweile ein Instrument, um an lukrative Aufträge zu kommen.

Der Koran ist kein Flugblatt

Kritik an der Koranverteilaktion kommt auch vom Zentralrat der Muslime. Deren Vorsitzender Ayman Mazyek (Aachen) sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur, der Koran sei „kein PR-Flyer oder Flugblatt, den man als Massenware verteilt“. Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat (Berlin), erklärte gegenüber der Tageszeitung „Die Welt“, es sei zwar nicht verboten, Koranexemplare zu verteilen. Die Frage sei jedoch, ob die Salafisten aggressiv aufträten und die Menschen mit diesen Aktionen störten. Er halte es jetzt für wichtig, weltlich orientierte Kräfte zu stärken: „Man muss die Muslime mitnehmen, um zu vermeiden, dass sie Kontakte zu Extremisten knüpfen.“

CDU-Poitikerin: Kirchen sollen mehr für ihren Glauben werben

In Bremen stößt die Koranverteilaktion auf Kritik aus der CDU. Die kirchenpolitische Sprecherin der Bürgeschaftsfraktion und Vorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises der CDU Bremen (EAK), Elisabeth Motschmann, forderte die Kirchen auf, mehr für ihre Werte zu werben. Die Kirchen engagierten sich zu wenig für ihren Glauben. Die Bremische Evangelische Kirche verwies auf die Pflicht der Behörden, dafür zu sorgen, dass kein extremistisches Gedankengut verbreitet werde. Die Innenbehörde der Hansestadt will die Verteilaktion im Blick darauf beobachten, ob Salafisten versuchen, Interessenten zu werben.

Kritische Journalisten werden bedroht

Indes ist ein Video aufgetaucht, in dem Journalisten, die kritisch über die Koranverteilung berichtet hatten, offen bedroht werden. „Wir haben nun detaillierte Informationen über die Affen und Schweine, die verlogene Berichte über DawaFFM (eine Salafisten-Gruppe im Raum Frankfurt) und viele andere Geschwister veröffentlicht haben“, heißt es Medienberichten zufolge darin. Reporter der „Frankfurter Rundschau“ und des „Tagesspiegels“ werden namentlich genannt. Und dann sagt eine Computerstimme weiter: „Wir besitzen eine Menge Daten von dir, zum Beispiel wissen wir, wo du wohnst, wir kennen deinen Verein, wir besitzen deine Mobilfunknummer.“ Nach Informationen der „Welt“ gibt es zwischen dem Produzenten des Videos und dem Organisator der Koranverteilaktion, dem Kölner Geschäftsmann Ibrahim Abou Nagie, enge Kontakte. So habe er bereits mehrfach als Kameramann für Abou Nagie gearbeitet. Beide Journalisten werden inzwischen betreut. Sicherheitsbehörden fürchten, dass sich Islamisten aufgerufen fühlen könnten, den Worten Taten folgen zu lassen.

Druckerei will Auslieferung von Koranen einstellen

Die Ulmer Druckerei Ebner & Spiegel, in der die Korane gedruckt werden, hat inzwischen Konsequenzen aus der öffentlichen Debatte um die Koranverteilung gezogen. „Wir werden die Auslieferung stoppen und juristisch prüfen, welche Folgen sich daraus ergeben“, erklärte ein Sprecher des deutschen Mutterunternehmens CPI der „Welt“. „Wir drucken nichts, was extrem im Sinne von islamistisch ist.“ Die Strömung der Salafisten hat nach Schätzung des Verfassungsschutzes etwa 3.800 Anhänger in Deutschland. Sie treten für die absolute Geltung des islamischen Religionsgesetzes, der Scharia, ein und wollen Staat, Gesellschaft und das Leben des Einzelnen nach ihren Normen umgestalten. Ziel ist in letzter Konsequenz ein Gottesstaat.

Foto: Andreas Arnold

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