„Woche für das Leben“
10. April 2013

Wo bleibt der Einsatz für ungeborene Kinder?

Foto: privat
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Stuttgart/Bonn (idea) – Führende Vertreter der Evangelikalen und der Lebensrechtsbewegung kritisieren, dass der Schutz ungeborener Kinder in der „Woche für das Leben“ weithin keine Rolle mehr spielt. Die von den beiden großen Kirchen veranstaltete Woche findet in diesem Jahr vom 13. bis 20. April statt und steht unter dem Motto „Engagiert für das Leben: Zusammenhalt gestalten“. 2012 ging es um das Miteinander der Generationen und 2011 um das ehrenamtliche soziale Engagement. Das Leitthema in den Jahren 2008 bis 2010 lautete „Gesund oder krank – von Gott geliebt“. Die „Woche für das Leben“ geht auf eine Initiative der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken zurück. Sie wollten damit auf den „Schutz des ungeborenen Lebens“ – so lautete 1991 auch das erste Motto – aufmerksam machen. Seit 1994 ist die EKD Mitveranstalter.

Steeb: Abtreibung ist „größter Menschenrechtsskandal“

Der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz und Vorsitzende des Treffens Christlicher Lebensrecht-Gruppen, Hartmut Steeb (Stuttgart), bedauerte gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea, wie sich die „Woche für das Leben“ entwickelt hat. Er hält es für den „größten Menschenrechtsskandal“, dass jährlich mehr als 100.000 Menschen in Deutschland daran gehindert werden, das Licht der Welt zu erblicken. Das geschehe nicht zuletzt als „unterlassene Hilfeleistung“, weil Schwangere nicht die nötige Unterstützung erhielten und weil ihnen stattdessen Abtreibung als Lösung angeboten werde. Da sie scheinbar erlaubt sei – in Wirklichkeit ist sie nur unter bestimmten Voraussetzungen straffrei – würden Frauen tausendfach zur Tötung ihres Kindes im Mutterleib genötigt. Steeb: „Ich kann nicht verstehen, dass die Kirchen bei so viel Ungerechtigkeit und Unbarmherzigkeit diese Menschenrechtsverletzungen erster Ordnung nicht wenigstens einmal im Jahr zum Thema machen. Es wäre so nötig, um Menschenleben zu retten“. Laut Steeb wäre es außerdem wichtig, „dass die Gefährdungen des Lebensrechts am Ende des Lebens endlich thematisiert werden“.

Lebensschutz zum eigentlichen Thema machen

Auch der Vorsitzende des Bundesverbandes Lebensrecht, Martin Lohmann (Bonn), kritisierte die Entwicklung der „Woche für das Leben“. Der ursprüngliche Gedanke, dass das Leben vom Beginn bis zu seinem natürlichen Ende unantastbar sei, scheine offenbar immer mehr in Vergessenheit zu geraten: „Jedenfalls steht er nicht mehr ganz unübersehbar im Mittelpunkt.“ Selbst innerhalb der Kirchen schwinde das Bewusstsein für das Leben: „Das ist mehr als tragisch – und höchst gefährlich.“ Deshalb lade der Bundesverband „alle Menschen guten Willens“ jährlich zum „Marsch für das Leben“ in Berlin ein. Lohmann: „Wir wünschen uns, dass in Berlin – diesmal am 21. September – so wie in anderen Hauptstädten – etwa in London, Paris, Madrid oder Washington – ganz selbstverständlich Laien und Bischöfe gemeinsam öffentlich Zeugnis für das Leben ablegen.“ Deshalb wäre es gut und notwendig, „wenn der Lebensschutz als Grundlage jeglicher Humanität wieder mehr und sichtbarer zum eigentlichen Thema der ‚Woche für das Leben‘ würde“. Der Schutz des Lebens in all seinen Phasen sei „eklatant überall bedroht“, etwa im Zusammenhang mit Pränataldiagnostik, Gentests, Stammzellforschung, Hilfe zur Selbsttötung und Euthanasie. Lohmann - Chefredakteur des katholischen Fernsehsenders K-TV - hält es für eine Pflicht aller Bürger, sich für den Lebensschutz einzusetzen: „Es wäre gut, wenn hier alle zusammenarbeiten könnten. Wir brauchen dringend das gemeinsame Zeugnis – immer wieder neu. Auch in der ‚Woche für das Leben‘, die nach wie vor eine gute Idee ist.“

6 Kommentare

PoMoNovor 1 Jahr und 248 Tagen

Mein Eindruck ist, daß auch im freikirchlichen, evangelikalen und charismatischen Bereich die Stimmen zum Schutz des ungeborenen Lebens immer leiser werden und man immer weniger dazu hört. Der gegen den biblisch-christlichen Glauben gerichtete Dauer-Kulturkampf der "Gesellschaftsveränderer" fordert offensichtlich seinen Tribut, und viele sind des Kämpfens müde geworden und wagen nicht mehr, ihre "politisch inkorrekte" Position offensiv in der Öffentlichkeit zu vertreten, sei es durch Demonstrationen, politische Eingaben oder Beratungsstellen-Arbeit. Hinzu kommt, daß die Emerging Church den Lebensschützern in den Rücken fällt, indem sie "verurteilende und anklagende Protestaktionen" ablehnt, die "unsoziale Einkommensverteilung in der Gesellschaft" für Abtreibungen verantwortlich macht und den Einsatz gegen Abtreibung von einem gleichrangigen Einsatz für mehr gesellschaftliche Gleichheit sowie die Ächtung von Kriegen und Armut abhängig macht. Daß Abtreibung unter der neuen Scheinbezeichnung "reproduktive Rechte" neuerdings als Menschenrecht verkauft wird und der Einsatz gegen Abtreibung in einer immer breiteren Öffentlichkeit als "politisch inkorrekt" und "sexistisch" gilt, führt darüber hinaus dazu, daß Lebensrechtler seit 2009 zur Zielscheibe aggressiver Antifa-Linksextremisten geworden sind, wie die Gegendemos zu den "Märschen für das Leben" zeigen. Mit der Aussicht auf Pflastersteine oder Farbbeutel dürfte die Zahl der für den Lebensschutz eintretenden Christen weiter zurückgehen.

Katharinavor 1 Jahr und 254 Tagen

Hallo, Motte! Kleine Frage: bekommen Sie Provision von all den Gemeinden, die Sie hier regelmäßig aufzählen? "Bibel-Baptisten" gibt es auch? Kurios! ...... Zu Ihrem letzten Satz: Gemeinden können meines Erachtens nicht viel tun, um die Bedrohung Ungeborener zu verhindern. Oder haben Sie einen konkreten Vorschlag? Ich meine, daß jeder (!) einzelne Christ in seinem Lebensumfeld immer und überall weitersagen sollte, dass jedes entstehende Leben von GOTT kommt! Auch zur "Unzeit".

Baerlevor 1 Jahr und 254 Tagen

Darf ich hier noch etwas ergänzen. Wie aus dem Artikel oben hervorgeht, ist die Woche für das Leben von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der Katholiken initiiert worden. Vielleicht haben Sie die Entwicklung nicht mitbekommen. 'Domnum vitae' in der Regie des Zentralkomitees der Katholiken wurde von Papst Johannes Paul II die kirchliche Erlaubnis zum Ausstellen von Abtreibungs-Berechtigungsscheinen entzogen. 'Domnum vitae' sollte aufgelöst werden, weil die Kirche in keinem Fall eine Abtreibung befürworten könne. Die Deutsche Bischofskonferenz hat an 'Domnum vitae' festgehalten und 'Domnum vitae' hat sich zu allem Überfluss auch noch Pro Familia angenähert. So soll neulich eine Dame von Domnum vitae beklagt haben, dass in einer Stadt 'nur' drei Abtreibungsärzte zur Verfügung stehen. Vielleicht sehen und erkennen Sie jetzt selbst, wohin der Ungehorsam gegenüber dem Heiligen Vater führt. In unserem Sprachgebrauch heißt das, dass auf diesem Werk kein Segen mehr liegt. Gottes Segen!

Baerlevor 1 Jahr und 255 Tagen

@Tabu - teilweise mögen Sie wohl recht haben. Sind Sie so ganz gut informiert? Sie sollten jedoch nicht übersehen, dass z.B. ein Weihbischof Andreas Laun aus Salzburg sich sehr für das ungeborene Leben einsetzt und bei nahezu jedem Marsch für das Leben dabei ist. In Berlin war - wenn Sie selbst dort waren? - im letzten Jahr, wie auch im Jahr zuvor jeweils ein Weihbischof dabei, der sogar von dem am Rande stehenden linken Mob attackiert wurde. Nicht nur während der Woche für das Leben finden katholischerseits nach dem Vorbild von Monsignore Reilly in den USA die Vigilien monatlich statt, d.h. dass eine hl. Messe gefeiert wird und dann betend zur Abtreibungsklinik bzw. -praxis gezogen wird. Zum Nachlesen: http://www.kostbare-kinder.de/ Es gibt Zahlen darüber, wieviele Kliniken in dieser Zeit schon geschlossen haben. Es wäre wunderbar, wenn Sie sich erst ein wenig kundig machen würden, bevor Sie pauschal auf die großen Kirchen einschlagen. @UlrichMotte Im übrigen ist die kath. Kirche ja die, auf die permanent eingeschlagen wird, weil sie das Evangelium nicht auf dem Altar des Zeitgeistes opfert, während, wie neulich jemand gesagt hat, 'die Protestanten jeweils im Windschatten des Zeitgeistes dahinsegeln'. Einfach nur mal so zum Nachdenken!!! Gott segne Sie!

UlrichMottevor 1 Jahr und 255 Tagen

@Tabu: Viel Richtiges schreiben Sie, meine ich. Immerhin gibt es kleinere Kirchen, die biblisch-konservativen Gemeinden etwa in der Evangelisch-Lutherischen Freikirche, der Konferenz für Gemeindegründung, dem Maleachikreis, der Kamen-Initiative, Reformierte- und Freie- und Bibel-Baptistengemeinden, Gemeinden Christi, Freie und Bundfreie Brüdergemeinden, die in sehr vielen Fragen Worte und vor allem das Wort Gottes nicht umdeuten. Aber auch diese und fast alle von uns könnten oft wohl (noch) mehr für die so sehr bedrohten Ungeborenen tun.

Tabuvor 1 Jahr und 256 Tagen

Wie sonst auch, sollte man auch hier nicht nur auf die Verpackung sehen. Die "Woche für das Leben" suggeriert dem unvoreingenommenen Betrachter die Vorstellung, hier würde es sich um eine Woche handeln, in der die Kirche sich des Themas "Lebensschutz" im eigentlichen Sinne annehmen würde. Lautete 1991 noch das Motto „Schutz des ungeborenen Lebens“, so haben es die beiden großen Kirchen geschafft, sich in allgemeine Lebensfragen zu flüchten. Wenn die beiden großen Kirchen nicht mehr öffentlich mit den eigentlichen Themen Abtreibung, Pille danach, etc. umgehen wollen, dann sollen sie doch auch so ehrlich sein und die Überschrift den neuen selbstgewählten Schwerpunkten anpassen. Passend wäre hier etwa "Diakonische Woche" oder ähnliches. Beim Thema "Umwelt" und "allgemeine soziale Fragen" positionieren sich die Kirchen lautstark bis in die Talkshows hinein. Zu Gottes Schöpfung gehören aber auch ungeborene Kinder. Es wäre schön, wenn ungeborene Kinder von den Kirchen auch als Teil der "Umwelt" gesehen würden, weil auch sie Teil der zu bewahrenden Schöpfung sind. Das vorgeburtliches menschliches Leben nicht wirklich Thema in den Chefetagen der Kirchen ist, zeigt sich jedes Jahr am Fernbleiben von namhaften Vertretern der Kirchen beim "Marsch für das Leben".    

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