Ägypten
21. Februar 2013

Kauder beklagt Verdrängung der Christen

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Volker Kauder. Foto: PR/Laurence Chaperon
Der Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Volker Kauder. Foto: PR/Laurence Chaperon

Berlin (idea) – In Ägypten ereignet sich eine brutale Stigmatisierung und Verdrängung der Christen aus der Öffentlichkeit. Das hat der Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Volker Kauder, beklagt. Er sprach am 21. Februar bei einer Veranstaltung seiner Fraktion zum Thema „Weltweites Engagement für verfolgte Christen – aktuelle Situationsanalyse“. Kauder hatte Anfang Februar staatliche und kirchliche Vertreter in Ägypten besucht. Nach seinen Worten besteht dort derzeit keine Religionsfreiheit. Vor allem bei Übertritten zum christlichen Glauben komme es immer wieder zu gewaltsamen Übergriffen. Die koptischen Christen in Ägypten seien „total verunsichert und verängstigt“. Er habe sie aufgefordert, ihre Zurückhaltung gegenüber politischer Arbeit aufzugeben, so Kauder. Christen dürften sich nicht ins Schneckenhaus zurückziehen und warten, was über sie komme. Vor zwei Jahren war in Ägypten eine Revolution ausgebrochen, die zum Sturz des Staatschefs Husni Mubarak führte. Für 17 Monate übernahmen Generäle die Macht. 2012 wurde Mohammed Mursi zum neuen Präsidenten gewählt, der von der islamistischen Muslimbruderschaft getragen wird. Er ließ über eine neue Verfassung abstimmen, nach der das islamische Religionsgesetz, die Scharia, wichtigste Quelle der Gesetzgebung bleiben soll. Im Januar kam es zu Massenprotesten, worauf Mursi den Notstand ausrief. Voraussichtlich im März soll ein neues Parlament gewählt werden. Kauder kündigte an, dass er in den nächsten Wochen erneut nach Ägypten reisen werde. Das deutsche Engagement für Religionsfreiheit und gegen Christenverfolgung werde in Ägypten sehr genau wahrgenommen.

Fortschritte im Kampf gegen Christenverfolgung

Der Sprecher für Menschenrechte der Weltweiten Evangelischen Allianz, Prof. Thomas Schirrmacher (Bonn), erklärte, es gebe Fortschritte im Kampf gegen Christenverfolgung. So wachse die Zusammenarbeit der Kirchen. Zudem interessierten sich Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International stärker als bisher für Religionsfreiheit. Auch in Wissenschaft und Politik nehme das Interesse an dem Thema zu.

Kritik an EKD-Synode

Kritik übte Schirrmacher an der EKD-Synode. Diese hätte sich bei ihrer Tagung Anfang November 2012 in Timmendorfer Strand bei Lübeck bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) „bedanken müssen, anstatt komisch in die Luft zu gucken“. Merkel hatte vor der Synode erklärt, das Christentum sei „die am stärksten verfolgte Religion der Welt“. Diese Äußerung der Kanzlerin habe bei der Synode nur wenig Resonanz gefunden, so Schirrmacher. Es sei aber zweifelsfrei, dass die Aussage zutreffe. Die Menschenrechtsverletzungen gegen Christen hätten in den vergangenen fünf Jahren nachweislich zugenommen. Der Einsatz für Religionsfreiheit gehöre daher zu den wichtigsten Themen der Außenpolitik. Nach einer im September veröffentlichten Studie des Pew-Forschungsinstituts (Washington) werden Christen in 111 Staaten wegen ihres Glaubens diskriminiert.

Hilfswerk: Enormer Zuwachs bei christlichen Konvertiten

Der Geschäftsführer des Hilfswerks für verfolgte Christen „Open Doors“, Markus Rode (Kelkheim bei Frankfurt am Main) berichtete, dass der Exodus von Christen aus dem Irak, dem Iran, Syrien und der Türkei anhalte. Gleichzeitig gebe es jedoch in diesen Ländern einen „enormen Zuwachs“ durch Konvertiten. So seien etwa 400.000 Iraner zum Christentum übergetreten; daneben lebten im Land etwa 80.000 Mitglieder traditioneller Kirchen. Rode forderte dazu auf, verfolgte Christen durch Gebet und Anteilnahme zu unterstützen.

Nicht nur Christen werden verfolgt

Der Vorstandssprecher der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), Martin Lessenthin (Frankfurt am Main), hob unter anderem hervor, dass sich seine Organisation für alle religiös Verfolgten einsetze. Dazu zählten neben Christen etwa auch Anhänger der Baha’i, die chinesischen Gemeinschaft Falun Gong und tibetische Buddhisten. Wichtig sei, dass sich auch gemäßigte Muslime, für verfolgte Christen und andere Opfer von Menschenrechtsverletzungen einsetzen, die zum Beispiel unter den harten Strafen des Religionsgesetzes Scharia oder der Diskriminierung von Frauen zu leiden haben. Besonders wirksam für die Verfolgten wirke es sich aus, wenn sich etwa muslimische IGFM-Angehörige aus zentralasiatischen Ländern wie Usbekistan für die Opfer von Menschenrechtsverletzungen im Iran, in afrikanischen oder arabischen Staaten engagieren.

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2 Kommentare

Josuavor 1 Jahr und 238 Tagen

Mich würde mal interessieren wer in der CDU überhaupt noch Christ ist. Außerdem finde ich es einen Witz, wenn Muslime in der CDU Ministerposten haben. Wahrscheinlich haben wir dann in 10 Jahren einen türkischen Muslim als Bundespräsidenten. Ich stelle mir dann mal vor wie das in der Türkei wäre, wenn ein Christ/in Minister/in in der Türkei werden wollte...

Clairevor 1 Jahr und 251 Tagen

Danke, Herr Kauder. Aber auch bei uns in Deutschland wird christliches Gedankengut mehr und mehr massiv und diskriminierend aus der Öffentlichkeit verdrängt. Bitte, bitte: denken Sie in diesem Wahljahr auch an die vielen resignierten Christen, die sich nicht einmal in der CDU mehr zu Hause fühlen . . .

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