Pietistisches Jugendtreffen
13. Juli 2013

„Vor Gott bin ich nicht die Bundeskanzlerin“

Der Vorsitzende der Apis, Pfarrer Steffen Kern, dankt der Bundeskanzlerin. Foto: idea/Grasse
Der Vorsitzende der Apis, Pfarrer Steffen Kern, dankt der Bundeskanzlerin. Foto: idea/Grasse

Schwäbisch Gmünd (idea) – Erstmals hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eine pietistische Veranstaltung besucht. Sie eröffnete am 12. Juli mit einer Rede über die Bedeutung des christlichen Menschenbildes für die Politik das Landesjugendtreffen der „Apis“. Dazu hatten sich im Christlichen Gästezentrum Schönblick in Schwäbisch Gmünd außer den rund 600 Jugendlichen weitere 2.500 Mitglieder und Freunde des Evangelischen Gemeinschaftsverbandes „Apis“ (früher Altpietisten) eingefunden, die das Geschehen auch auf großen Leinwänden im Freien verfolgten. In ihre rund 40-minütige Ansprache streute Frau Merkel immer wieder persönliche Erfahrungen mit dem Glauben ein. Bei wichtigen Herausforderungen prüfe sie im Gebet, ob ihre Entscheidungen richtig seien. Der Glaube an Gott bewahre vor Allmachtsfantasien, Machtmissbrauch, Utopien und Selbstüberschätzung; „Vor Gott bin ich nicht die Bundeskanzlerin, sondern Angela Merkel.“ Der an Gott glaubende Mensch wisse, dass er nicht alles richtig mache und dass Fehler verziehen werden können.

Ohne Kirchen gäbe es in Deutschland soziale Kälte

Im grundsätzlichen Teil betonte sie den Beitrag der Kirchen für die Gestaltung der Gesellschaft. Sie seien Garanten dafür, dass die im Grundgesetz festgeschriebene unantastbare Würde eines jeden Menschen oberste Richtschnur für die Politik bleibe. Ohne die Kirchen und das von ihnen vertretene Menschenbild gebe es den Sozialstaat nicht. Deutschland wäre nicht nur geistig arm, sondern litte auch unter sozialer Kälte. Deshalb wäre es falsch, die Kirchen nur als Leistungserbringer für Bildung und Soziales zu verstehen. Man dürfe über sie nicht diskutieren, als ob sie eine gesellschaftliche Belastung darstellten. Das Verhältnis zwischen Kirchen und Staat müsse mit den Kirchen gemeinsam weiterentwickelt werden. Zum Arbeitsrecht der Kirchen, das diesen ein umfassendes Selbstbestimmungsrecht einräume, sagte Frau Merkel, sie habe Verständnis für die Erwartung, dass sich das christliche Bekenntnis in kirchlichen Einrichtungen widerspiegeln müsse. Das vom christlichen Menschenbild ausgehende Grundgesetz setze die Mitwirkung der Kirchen voraus.

Bibel mit verbindlichem Wertekompass

Weiter sagte die Kanzlerin, dass die Bibel kein Handbuch zur Lösung politischer Probleme sei. Sie enthalte aber einen Wertekompass, der für ihre Partei verbindlich sei. Dazu gehöre der Schutz des Lebnens von seinem Anfang bis zum Ende. Wer vorn oder hinten etwas abschneide, müsse normieren, was Leben ausmache, warnte Frau Merkel. In vielen Fällen gebe es keine einfachen Antworten. Medizinische Fortschritte könnten missbraucht werden; sie könnten aber auch Leid lindern. Beim Einsatz für Verfolgte müsse abgewogen werden, ob laute Proteste oder stille Diplomatie den Betroffenen eher helfen. Grundsätzlich gelte aber, dass die in Deutschland übliche religiöse Toleranz auch in anderen Ländern Christen gegenüber erwiesen werden müsse. Diese Forderung sei Teil der deutschen Außenpolitik und Thema bei allen Auslandsreisen. Die Kanzlerin plädierte für den besonderen Schutz der Ehe, räumte aber ein, dass auch Vertreter gleichgeschlechtlicher Partnerschaften starke Argumente hätten, etwa das Praktizieren gegenseitiger Verantwortung.

CDU: Offen für alle

Zur Situation der CDU sagte die seit 2000 als CDU-Bundesvorsitzende amtierende Politikerin, dass das „C“ im Parteinamen nicht ausgrenzend gemeint sei. Die Bezeichnung „Union“ erläutere, dass die Partei offen sei für alle, die sich in ihr engagieren wollten. Dies sei unabhängig von ihrer Religion oder sexuellen Orientierung. Nur der Respekt vor dem christlichen Menschenbild stehe nicht zur Disposition. Am Ende ihrer Ansprache ermutigte Frau Merkel ihre Zuhörer, „ein Stachel im Fleisch der Politik zu sein, damit sie nicht abhebt und sich immer wieder den Menschen stellt“. Die Politik brauche die Stimmen kritischer Christen. Anschließend beteten zwei Teilnehmer des Landesjugendtreffens für die Kanzlerin. Sie dankten für ihr Engagement und baten, dass Gott ihr immer wieder Kraft und Weisheit schenke.

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13 Kommentare

milanvor 1 Jahr und 97 Tagen

Ja, man soll Gott mehr gehorchen, als den Menschen.

HampelPumaivor 1 Jahr und 98 Tagen

Welch eine Anbiederung der Apis an die politische Machthaberin. Wie kann man einer Frau, die so betont antichristliche Politik betreibt, ein solches Forum geben, unter offenbar bekehrten Christen für ihre gottlose Politik zu werben?

Eph5,11vor 1 Jahr und 99 Tagen

@milan: Es ist nicht verboten, in Römer 13 weiterzulesen. Dann kommst Du auch zu Vers 4, wo steht "denn sie (die Obrigkeit) trägt das Schwert nicht umsonst: sie ist Gottes Dienerin und vollzieht das Strafgericht an dem, der Böses tut." Christen sind doch nicht verantwortungslos. Wenn die Obrigkeit anfängt - wie es in Deutschland bereits an einigen Stellen passiert - das Strafgericht an denen zu vollziehen, die Gutes tun, ist es Zeit für Protest. In der Demokratie ist der Protest sogar politische Ordnung, d.h. erlaubt. Das Gros der evangelikalen Führer hat im Dritten Reich viel zu spät erkannt, dass ein satanischer Führer an die Macht gekommen ist und unternahm nichts frühzeitig dagegen. So hatte das millionenfache Morden, das kam, durch sie überhaupt keine Bremsung vorher.

Jörg Frahnowvor 1 Jahr und 100 Tagen

Es ist erfreulich zu lesen, dass doch offenbar mehr und mehr auch Christen das Geheuchel dieser verlogenen Kanzlerin samt ihren sich den Banken und der Wirtschaft prostituierenden Parteivasallen durchschauen. Die menschenverachtende Politik dieses Systems steht dem Unrechtssystem der Kommunisten in nichts nach. Da ändert auch die heroisierende Berichterstattung im primitiven Propagandastil einiger naiver, frommer Journalisten nichts daran. Ja, wer so plumpe Interessenpolitik macht wie die ehemalige FDJ-Funktionärin mit Sonderstatus für ein Elitestudium in Moskau, der ist in der Tat leicht zu kritisieren und dazu sind wir als Christen auch aufgerufen, das Unrecht und die Ungerechtigkeit beim Namen zu nennen. Wir hätten es eigentlich nicht nötig, um der eigenen Interessen und des eigenen Wohlstandes willen zu schweigen. Vor 25 Jahren hatte Kirche das begriffen, rief dazu auf und lud in die Kirchen ein, dafür zu beten, dass sowas bald sein Ende findet. Ja, wir haben damals auch für die Regierung gebetet, nämlich, dass wir bald von ihr erlöst werden. Ich wünschte, die deutsche Christenheit wäre doch endlich soweit und täte das wieder. Aber dazu sind die Kontostände wahrscheinlich noch zu hoch und die Kühlschränke zu voll. Anderswo in Europa ist man da, Gott sei Dank, schon weiter.

milanvor 1 Jahr und 100 Tagen

Die Bibel sagt, dass jede Autorität von Gott eingesetzt ist. Das schließt auch Diktatoren und alle anderen ein, sollten sie uns auch noch so sehr missfallen. Das betrifft auch die unrühmlichen Kirchenfürsten. Alle sind ein Teil des Ganzen. Es trägt ein jeder seinen Teil der Verantwortung am Zustand einer Gesellschaft. Gott lässt die Dinge eben so zu, wie die geistige Welt Anspruch erworben hat. Man könnte hier von einem geistigen bzw. göttlichen Gesetzt sprechen, das wie die Erdanziehung funktioniert. Lasse ich einen Gegenstand los, so fällt er nach unten. Lasse ich einen Vogel los, fliegt er der Erdanziehung davon, weil es ihm von Gott so gegeben worden ist. Man darf bedenken, dass Frau Merkel nicht allein und gegen ihre Mitstreiter in Regierung, Parlament und Partei regieren kann, mindest nicht dauerhaft. Es ist also ein etwaiges Zeitportrait des geistigen Zustandes eines Volkes. Der ist wie er ist, z.Z. alles andere als rosig, könnte aber schlimmer sein oder werden.

Eph5,11vor 1 Jahr und 100 Tagen

@Katharina: Wie kommst Du denn darauf, dass Frau Merkel von GOTT in ihr Amt eingesetzt worden ist?

2.Tim2,15vor 1 Jahr und 100 Tagen

@75173 ("Keine Ahnung, wer die Rede für sie abgefasst hat"): -> Na, wer seit Jahren an der Spitze der BRD steht, ist ja nicht dumm. Sie hat sich vorher gut bei evangelikalen Spitzenfunktionären und auch bei den Apis abgeholt, was die hören wollen. Und dann freuen sich alle über eine so "christliche" Kanzlerin, die für Wählerstimmen notfalls auch das Blaue vom Himmel herunterlügt. Oder was haben ihre Worte mit der Politik der CDU alleine in den letzten 4 Wochen gemeinsam?

solrexvor 1 Jahr und 101 Tagen

@Talmid Es ist in der Tat nichts einfacher, als Frau Merkel zu kritisieren und abzuqualifizieren. Wir als Christen sollten nicht vergessen, dass SEIN Reich nicht von dieser Welt ist und in dieser gefallenen Welt auch nicht mit der Bergpredigt regiert werden kann. Deutschland besteht ja nicht nur aus den wenigen entschiedenen Christen und so kann auch die „C“ DU/„C“ SU nicht gegen die Mehrheit der Bevölkerung regieren. Auch Jesus selbst hat damals ebenfalls nicht die gottlose römische kritisiert. Was ER kritisiert und angemahnt hat, war die geistliche Führung Israels. Ich denke, die „C“ Parteien sind wie man sagt, immer noch das kleinere Übel. Was gibt es denn sonst noch für Alternativen, christliche Kleinparteien etwa, die sowieso keine Chance haben, in die Regierung zu kommen? Oder das Linke Spektrum mit SPD und Grünen? Ich schließe mich Katharina und 75173 an: Es gilt für uns trotz allem womit wir unzufrieden sind, für diese Frau zu beten. Dies ist noch immer der Auftrag der Gemeinde Jesu!

milanvor 1 Jahr und 101 Tagen

Na ja, sie ist offensichtlich das kleinste politische Übel, dass Deutschland zu bieten hat. Christliche Politik sähe anders aus.

esszetthivor 1 Jahr und 101 Tagen

"Schutz des Lebens von seinem Anfang ..." - Davon ist in der Politik der CDU wenig zu merken. Auch die nickt alles ab, mit dem sie meint, Stimmen zu gewinnen.

Katharinavor 1 Jahr und 101 Tagen

Wir können dankbar sein für diese Bundeskanzlerin. Sie ist von GOTT eingesetzt in ihr Amt. Wäre es nicht gut, wenn alle Christen, die hier lesen und schreiben, verstärkt für Frau Merkel beten würden? Bitte!

75173vor 1 Jahr und 101 Tagen

Vielleicht war die ganze Veranstaltung für Frau Merkel wichtiger als für die Zuhörer ihrer Rede und zwar im Bezug auf das, was sie vom Schönblick mitnehmen konnte. Vielleicht hat sie gar nicht mit einer so guten, warmen und liebevollen Atmosphäre gerechnet. Auch schien sie anfänglich etwas nervös beim Blättern in ihrem Manuskript (Keine Ahnung, wer die Rede für sie abgefasst hat). Kompliment an die Vorredner, die entgegen der EKD ein klares Christuszeugnis gegeben haben. Die dreifache Bitte an Frau Merkel - von Pfarrer Steffen Kern sauber aufgetischt - bezog sich auf Umgang mit Behinderten, Einsatz für verfolgte Christen weltweit und auf die Ehe im biblischen Sinne als alternativlos! Mit diesen Statements wurde bereits erfüllt, was sich Frau Merkel später in ihrer Rede von der Kirche wünschte. Eine starke Kirche nämlich, aus Menschen, die auch „ein Stachel im Fleisch der Politik sein" können (Meine Meinung und zwischen den Zeilen zu hören: Dies aber ist von einer EKD nicht mehr zu erwarten, die mit Richtlinienpapieren sich zeitgeistkonform nur noch anbiedert)! Menschen, die beantworten können: "Wer ist Gott für mich, wer ist Jesus für mich persönlich". Nur dies könne die Basis sein im Dialog mit den anderen Religionen. Es wäre noch Einiges zu schreiben. Zum Formalen: Die genannte Besucherzahl scheint mir weit überzogen. Das Prozedere von Anmeldung sowie Umgang mit Presse und speziell mit Israelfreunden möchte ich als suboptimal bezeichnen. Einmal mehr. "Die Kinder der Welt sind klüger im Umgang mit ihresgleichen als die Kinder des Lichts" ... SHALOM!

Talmidvor 1 Jahr und 102 Tagen

Was für eine Farce! Scheinchristliches Gerede, mehr nicht!

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