Internet
06. August 2013

Was bringen Porno-Sperren?

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis. Foto: PR
Der CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis. Foto: PR

Berlin/Kassel (idea) – Die Forderung nach Pornosperren im Internet findet auch in Deutschland Anklang. Der britische Premierminister David Cameron will Internetunternehmen zwingen, entsprechende Filter einzubauen, die nur Erwachsene auf Wunsch abmelden können. Nun verlangt auch der CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis verbindliche Altersbeschränkungen und die Sperrung von pornographischen Inhalten im Internet. Wer sie nutzen wolle, sollte sich persönlich schriftlich anmelden müssen, sagte der Rechtsexperte der Bild-Zeitung. Jugendschützer beklagen seit langem, dass Minderjährige ungehinderten Zugang zum Netz haben und im Internet andere Regeln gelten als im sonstigen Leben, wo Pornographie beispielsweise als jugendgefährdend gilt und Kindern nicht verkauft werden darf.

Bewusstsein für Schädlichkeit fehlt

Der Leiter des evangelischen Fachverbandes für Sexualethik und Seelsorge „Weißes Kreuz“, Rolf Trauernicht (Ahnatal bei Kassel), erklärte auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea, Netzsperren könnten eine Hilfe für viele Porno-Betroffene sein, denen es nicht gelinge, sich selbst davor zu schützen. Aber das Blockieren im Netz sei nicht die alleinige Lösung. Wer Pornographie suche, könne sie auch auf anderen Wegen finden. Zum Schutz von Kindern und Jugendlichen gebe es bereits Programme, die Eltern installieren können. Doch durch die zunehmende Zahl von Mobilgeräten wie Smartphones oder Tablet-Computer werde ihr Einsatz immer schwieriger. Auch könne man Kindern und Jugendlichen nicht alles verbieten, sondern müsse sie an eine eigenverantwortliche Nutzung der Medien heranführen. Das größere Problem sei, dass in der Bevölkerung weitgehend ein Bewusstsein dafür fehle, dass Pornographie schädlich sei. Sie beeinflusse die Sexualität sowie die Beziehungsfähigkeit negativ und berge ein erhebliches Suchtpotenzial.

Kritik an Netzsperren

Viele Internetnutzer wehren sich gegen Zensur-Maßnahmen, weil die Filter nicht nur das Sperren von Pornographie, sondern auch von anderen Inhalten ermöglichen. In China und im Iran sind Netzsperren im Einsatz, die regierungskritische Informationen verbergen. Nach Ansicht der Kritiker wäre mit Netzsperren der Zensur auch in Deutschland Tür und Tor geöffnet. Im Jahr 2009 trug der damaligen Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) ein entsprechender Vorstoß bei Netzaktivisten den Spitznamen „Zensursula“ ein.

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3 Kommentare

StSDijlevor 1 Jahr und 79 Tagen

Milan, die Speicherwut der Amerikaner und anderer ist nicht schön, aber von einer Echtzeit-Überwachung sind wir weit weg. Da fehlt einfach die Manpower, man müsste ja jede Seite anschauen, die publiziert wird. Benutzen Sie mal in China eine Internetverbindung, dann merken sie, dass das nicht unauffällig geht.

milanvor 1 Jahr und 81 Tagen

Den Stab (die Stäbe) der Überwacher gibt es bereits. Es sind wesentlich mehr, als wir uns in unseren kühnsten Träumen vorstellen werden. Die Affäre Snowden ist ja nur die Spitze des Eisbergs. In der Welt geht es um Macht, Einfluss, Kontrolle, Knete und Sex (jeder Art). Dafür werden alle Hebel in Bewegung gesetzt. Für Moral ist dabei so gut wie kein Platz, allenfalls als Stimmenfang. Wüssten wir den tatsächlichen Grund des politischen Stimmungswandels in GB, wären wir bestimmt entmutigt.

StSDijlevor 1 Jahr und 84 Tagen

Bewusstsein für Technik fehlt. Neben den schon erwähnten Gefahren, die eine solche Filter- und Überwachungsstruktur birgt und deren notwendigerweise leichten Umgehbarkeit, sollten sich Befürworter den Aufwand vor Augen führen, der dafür nötig wäre. Für einen mäßig wirksamen Schutz braucht es einen riesigen Stab von Menschen, die sich quasi jeden Inhalt anschauen und bewerten. China, z.B. leistet sich das, aber ich glaube nicht, dass sich eine freie Gesellschaft das leisten will. Man möge beachten, dass es nicht billiger wird, nur weil man weniger Inhalte für gefährlich hält, da man ja genauso (prozentual zur Bevölkerung sogar mehr, da der Nutzungsgrad in Deutschland viel größer ist als in China) viel betrachten muss.

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