AfeM-Jahrestagung
06. Januar 2013

Evangelisieren und sozial engagieren

Evangelisieren und sozial engagieren
Der Vorsitzende des Arbeitskreises für evangelikale Missiologie (AfeM), Prof. Thomas Schirrmacher. Foto: PR/Markus Scherf

Herrenberg (idea) – In der evangelikalen Bewegung Deutschlands gibt es keinen grundsätzlichen Streit darüber, ob Christen eher evangelisieren oder sich gegen gesellschaftliche Missstände wenden sollten. Es sei unbestritten, dass soziales Engagement ebenso zum christlichen Auftrag gehöre wie die Predigt des Evangeliums, erklärte der Vorsitzende des Arbeitskreises für evangelikale Missiologie (AfeM), Prof. Thomas Schirrmacher (Bonn), am Ende der Jahrestagung, die am 4. und 5. Januar in Herrenberg bei Stuttgart stattfand. Zu den Referenten gehörten Befürworter klassischer Evangelisationen wie der ProChrist-Leiter, Pfarrer Ulrich Parzany (Kassel), und Vertreter der sogenannten Transformationstheologie, die nach Ansicht von Kritikern den christlichen Glauben vor allem als Aufforderung zur Verbesserung gesellschaftlicher Verhältnisse betrachten. Vor mehr als 100 Mitarbeitern evangelikaler Missionswerke und Ausbildungsstätten betonte Parzany, dass allein das Wort Gottes Menschen vor der ewigen Verlorenheit retten könne und deshalb gepredigt werden müsse. Es schaffe neues Leben und bewirke damit Veränderungen im Leben Einzelner und in ihrer Umgebung. „Eine Verkündigung des Evangeliums ohne eine Transformation der Verhältnisse wäre ein Widerspruch“, sagte Parzany. Der Leiter des Studienprogramms Gesellschaftstransformation am Marburger Bildungs- und Studienzentrum, Tobias Faix, beschrieb Transformation als einen Veränderungsprozess, der sowohl die Wortverkündigung als auch soziales Engagement umfasse. Ziel sei, „den Glauben in der Welt sichtbar zu machen“. Der Missionswissenschaftler Prof. Johannes Reimer, der an der Universität von Südafrika und der Theologischen Hochschule Ewersbach (Dietzhölztal/Mittelhessen) lehrt, wies die Vermutung zurück, dass Transformationstheologen die Gesellschaft verändern wollten. Es gehe vielmehr darum, die Relevanz des Evangeliums für das Zusammenleben herauszustellen. Gemeinden brauchten Hilfen, damit sie Licht und Salz der Erde sein könnten.

Wann beginnt das Reich Gottes?

Unterschiedliche Meinungen, die bei der Tagung sichtbar wurden, betrafen die theologische Begründung sozialen Handelns. Vertreter der Transformationstheologie stellten gesellschaftliches Engagement als Ausdruck des mit dem Wirken von Jesus Christus begonnenen Gottesreiches dar. Ihrer Ansicht nach kann das Reich Gottes in der Gegenwart durch veränderndes Handeln von Einzelnen und Gemeinden ausgebreitet werden. Zentrale Anliegen seien der Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden, wie Gott es im Alten und Neuen Testament verlange. Dagegen vertrat der Rektor der Internationalen Hochschule Liebenzell, Prof. Volker Gäckle (Bad Liebenzell/Nordschwarzwald), die Auffassung, dass Jesus und die Apostel unter Reich Gottes die Erwartung eines zukünftigen Reiches und einer ewigen Zeit verstanden hätten, die jetzt noch unsichtbar seien. In einigen Schriften von Transformationstheologen verliere außerdem die Hoffnung auf eine Wiederkunft Jesu Christi an Bedeutung. Dem AfeM-Vorsitzenden Schirrmacher zufolge handelt es sich um einen „innerfamiliären Streit“, der nichts an der grundsätzlichen Einigkeit ändere. Auch die Liebenzeller Mission beschränke sich nicht auf die verbale Verkündigung des Evangeliums, sondern trage durch medizinische, landwirtschaftliche und Versöhnungsprojekte zur Verbesserung sozialer Verhältnisse bei. Schirrmacher ist auch Vorsitzender der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz.

Unterschiedliche theologische Einsichten ertragen

Der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz und Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes (Vereinigung landeskirchlicher Gemeinschaften), Michael Diener (Kassel), mahnte, die Anfragen an die Transformationstheologie ernstzunehmen und gemeinsam in der Bibel Antworten zu suchen. Dabei müsse man ertragen, dass man zu unterschiedlichen Einsichten gelange. Niemand dürfe den Anspruch erheben, im alleinigen Besitz der Wahrheit zu sein. Zur evangelikalen Bewegung gehörten sowohl die Position der Liebenzeller Hochschule als auch des Marburger Seminars. Sie verträten gemeinsam die Auffassung, dass Deutschland eine öffentliche Wortverkündigung des Evangeliums brauche. Der AfeM ist ein Arbeitszweig der Deutschen Evangelischen Allianz. Er wurde 1985 als Reaktion auf Bestrebungen von Missionstheologen gegründet, die Verbreitung des christlichen Glaubens zugunsten von entwicklungspolitischen Aktivitäten aufzugeben.

Zur Startseite
Zur Rubrik Thema des Tages
3 Kommentare

Hansenvor 1 Jahr und 263 Tagen

Soziales Handeln ist keine Evangelisation, ist aber eine Unterstützung dessen. Nächstenliebe ist ein zentraler Wert der Nachfolge. Kritisch wird es, wenn das Evangelium als Auftrag zur Weltverbesserung gesehen wird. Dann können zentrale Elemente des Glaubens aufgegeben werden (wie z.B. Jesu stellvertretender Sühnetod). Wenn das Evangelium (mit Bekehrung) verkündet wird, darf die Methode kreativ sein ;)

drla4vor 1 Jahr und 263 Tagen

Halleluja! Eben auf eben dieses Miteinander kommt es an: dass gesellschaftliches Engagement der Christen einerseits nicht ins bloß-dem-Namen-nach-Christliche abrutscht; und dass es andererseits nicht als solches von Haus aus verdächtigt oder diffamiert wird. Sieht so aus, als ob eine moderne Missiologie so langsam mal auch in Deutschland ankommt. Anerkennung.

vor 1 Jahr und 267 Tagen

Oh diese DOZENTEN! In den erstarrten Strukturen der westlichen Welt und insbesondere dem regelversessenen Deutschland, hat der leistungsversessene Bundestag seit 1948 ca. 7000 Gesetze, 20000 Verordnungen und ca. 100.000 Paragraphen erlassen, eine Hydra die durch diese unselige Saat, jedes mittelständische Unternehmen mit über 100.000 Euro per anno belastet. Auf 1000 Deutsche kommen inzwischen ca. läppische 40 Selbständige über die aber bereits ca. 50 Staatsdiener wachen. Ist das in der Kirche wesentlich anders? Ist das in den Freikirchen besser? Würden alle die so toll frontal theoretisieren können schlicht und einfach das tun was die Heilige Schrift sagt, würden wir möglicherweise nicht in dieser Zeit fürchterlicher APOSTASIE leben. Wir hätten z.B. Muslimen sofort als sie hier ankamen von YESHUA dem MESSIAS erzählt, anstatt ihnen Moscheen mit kirchlichem Segen zu errichten ... (nur um eben nochmals angesichts der rapiden Verschlechterung der Situation von Christen in der islamischen Welt hinzuweisen). Alle, die mit NEW-AGE-BEGRIFFLICHKEITEN wie "Gesellschaftstransformation" hantieren, seien daran erinnert, dass der CHRISTUS weder ein SOLARER im grün-ökologischen ist, auch kein "BEFREIUNGSKÄMPFER" à la Ché oder PA, die sich ganz allesamt stark für die Veränderung der jeweiligen Gesellschaft eingesetzt haben, sondern der BEZAHLER der SCHULD aufgrund TRENNUNG VON GOTT. Der Wegbereiter für JEDES INDIVIDUUM Zugang zu VATER-GOTT zu erhalten. Er, der die Fischer und Handwerker von nebenan für fähig gehalten hat, SEINEN AUFTRAG, SEINE MISSION ZU ERFÜLLEN, hat den theologischen Besserwissern seiner Tage alleine durch diese BERUFUNGSERMUTIGUNG eine klare Abfuhr erteilt. LASS DIR AN SEINER GNADE GENÜGEN, DENN SEINE KRAFT IST IN DEN SCHWACHEN MÄCHTIG. Diese erweist sich tagtäglich im Alltag eines jeden, der IHM VERTRAUT und in schlichtem Gehorsam diesen ganz individuellen Auftrag in einem ganz individuellen familiären, beruflichen, gemeindlichen Umfeld zu erfüllen. Was sich dann verändert, ist, was der Salomo ungefähr so ausdrückte: "Durch den SEGEN DER FROMMEN GEDEIHT EIN GEMEINWESEN, doch der Mund der Gottlosen reist es nieder"! Wie sich SEIN SEGEN AUSWIRKT, davon legen SEINE KINDER WELTWEIT UND HUNDERTAUSENDFACH ZEUGNIS AB! GOTT SEI DANK!

Diese Woche lesen Sie

  • Titelthema Kirche ohne Steuern?
  • Pro & Kontra Christliche und muslimische Flüchtlinge getrennt unterbringen?
  • Erntedank Unsere Lebensmittel sind nicht selbstverständlich!
  • Berlin Islamisten drohen mit dem Tod
  • 40 Jahre Tee-Mobil Beim Kaffee einen Selbstmord verhindert
  • mehr ...
ANZEIGE