Gemeindebibeltag
01. November 2012

Kirche soll bei ihrer Kernaufgabe bleiben

Der Prälat i.R. Rolf Scheffbuch. Foto: idea/kairospress
Der Prälat i.R. Rolf Scheffbuch. Foto: idea/kairospress

Glauchau (idea) – Vielerorts wird die zentrale Aufgabe der Kirchengemeinden vernachlässigt, Bibelkenntnis zu vermitteln und den Glauben der Menschen zu stärken. Zahlreichen Christen ist deshalb das Wort Gottes nicht mehr vertraut. Das beklagte Prälat i.R. Rolf Scheffbuch (Korntal bei Stuttgart) am Reformationstag (31. Oktober) beim Sächsischen Gemeindebibeltag in Glauchau vor den rund 1.700 Besuchern. Stattdessen würden Projekte gestärkt, „mit denen wir uns vor der Welt interessant machen wollen“. Als Beispiel nannte Scheffbuch Vorträge von Politikern in Kirchen oder Podiumsdiskussionen zu aktuellen Themen. Auch in evangelikalen Kreisen gehe es inzwischen vielfach darum, die Strukturen der Welt zu verändern, anstatt sich mit Jesus Christus und seinem Wort zu beschäftigen. Er halte das für „falsch und gefährlich“, erklärte Scheffbuch. Die Kirche sollte bei ihrer Kernaufgabe bleiben, nämlich Menschen den Zugang zum Reich Gottes zu vermitteln. Die Verantwortung für die Welt werde dadurch nicht nebensächlich: „Es macht nicht weltvergessen, wenn man auf den Herrn Jesus wartet.“ Er riet den Besuchern, Gott täglich zu bitten: „Lass mich an Dir bleiben!“

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„Wenn du den Chef nicht achtest, fliegst du raus“

Zur Debatte um die Entlassung des sächsischen Jugendevangelisten Lutz Scheufler (Waldenburg bei Zwickau) sagte Scheffbuch, er leide sehr darunter, dass die Kirche oft den Gesetzen der Welt folge. Eines laute: „Wenn du den Chef nicht achtest, fliegst du raus. Bei Jesus heißt es: Wenn du ein Wort gegen den Menschensohn sprichst, so wird es dir vergeben werden – welche Großzügigkeit!“ Er wünschte sich, dass davon etwas auf die Institution Kirche abgefärbt hätte, so Scheffbuch. Scheufler war mit Wirkung zum 31. März 2013 gekündigt worden, weil er nicht bereit war, eine Erklärung des Evangelisationsteams Sachsen zurückzunehmen. Darin hatten er und weitere Mitglieder des Teams erklärt, die kirchenleitenden Gremien – also Landesbischof Jochen Bohl sowie die Landessynode – nicht länger als geistliche Leitung der sächsischen Landeskirche anzuerkennen. Begründet hatten die Unterzeichner diesen Schritt mit der Entscheidung der Kirchenleitung, Pfarrhäuser in seelsorgerlich begründeten Einzelfällen für homosexuelle Partner zu öffnen.

Scheufler: Gabe der Geistesunterscheidung nötiger denn je

Wie Scheufler in seiner Predigt sagte, brauchen Christen heute mehr denn je die Gabe der Geistesunterscheidung. „Und die kann nur wachsen, wenn wir die Bibel lesen – und zwar im Zusammenhang.“ Anders als in islamischen Ländern oder atheistischen Diktaturen wie Nordkorea sei die größte Gefahr für Christen in der westlichen Welt nämlich nicht die Verfolgung, sondern die Verführung. Und die komme nicht von außen, sondern von innen. So würden Christen, die nach dem Willen Gottes und den Maßstäben der Bibel fragten, inzwischen selbst innerhalb der Kirche hier und da als Fundamentalisten abgetan. Scheufler: „Es verstärkt sich immer mehr der Eindruck, dass das christliche Abendland von einer ideologischen Diktatur gegängelt wird.“

Hille gegen fromme Endzeitspekulationen

Der Vorsitzende des Arbeitskreises für evangelikale Theologie (AfeT), Rolf Hille (Tübingen), wandte sich mit Blick auf Endzeitfragen dagegen, Heilswahrheiten wie die Auferstehung und Wiederkunft Jesu zu leugnen. Er lehnte zugleich fromme Spekulationen über den genauen Zeitpunkt des Jüngsten Gerichts ab. Laut biblischem Zeugnis habe die Endzeit mit der Menschwerdung Jesu begonnen. Allerdings habe Gott der Christenheit den genauen Zeitpunkt der Wiederkunft seines Sohnes verborgen, „damit wir alle Tage wachsam sind“. Der Vorsitzende des sächsischen Gemeinschaftsverbandes, Prof. Johannes Berthold (Moritzburg), warnte davor, den Himmel auf Erden errichten zu wollen: „Der Himmel lässt sich nicht auf die Erde zwingen.“ Solche Utopien – ob christliche wie etwa beim Täuferreich zu Münster im 16. Jahrhundert oder säkulare wie im Marxismus oder in der Wohlstandsgesellschaft – führten immer ins Unglück. Das zeige die Geschichte. Doch der christliche Glaube könne vor solchen Illusionen bewahren, weil er zwischen Vorletztem und Letztem, Erde und Himmel, Zeit und Ewigkeit unterscheide. Er entlaste die Erde vor der Maßlosigkeit, „mit der wir die Schöpfung in die Erschöpfung treiben. „Lasst uns vom Himmel schwärmen – und dabei mit beiden Beinen auf dieser Erde stehen“, so Berthold. Der Sächsische Gemeindebibeltag stand in diesem Jahr unter dem Motto „Kopf hoch!“. Wie Organisator Ralf Gotter (Crimmitschau) gegenüber idea sagte, habe sich Verlegung des Treffens auf den Reformationstag bewährt. Bis 2010 war der Gemeindebibeltag alle zwei Jahre im Juni in Crimmitschau zu Gast. Seit 2011 findet er jährlich am 31. Oktober in Glauchau statt.

1 Kommentare

Jesaja53,5vor 2 Jahren und 118 Tagen

Wie Recht Herr Scheffbuch doch hat ...Würde er bloß mehr gehört!

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