11. September 2011

Religion kann niemals Terror rechtfertigen

Religion kann niemals Terror rechtfertigen

Düsseldorf/Berlin/Rom/Genf (idea) – Religion kann und darf niemals Terror und Gewalt rechtfertigen. Dazu mahnen Kirchenleiter aus Anlass des Gedenkens an die Terroranschläge vom 11. September 2001. Bei den vom islamisch-extremistischen Terrornetzwerk El Kaida verübten Selbstmordattentaten kamen in New York, Washington und Shanksville (US-Bundesstaat Pennsylvania) fast 3.000 Menschen ums Leben.

Für den EKD-Ratsvorsitzenden, Präses Nikolaus Schneider (Düsseldorf), ist das Gedenken an das Inferno vor zehn Jahren „eine Ermahnung, in allen Religionen Gewalt legitimierende Elemente zurückzudrängen und den friedenschaffenden und friedenserhaltenden Dienst der Religionen zu fördern“. Religion dürfe nicht zum Instrument politischer Absichten werden. Christen sollten vielmehr die Friedfertigkeit des Glaubens betonen, erklären und erkennbar leben.

Huber: Terror beim Namen nennen

Der frühere EKD-Ratsvorsitzende, Bischof i.R. Wolfgang Huber (Berlin), sieht zwei große Aufgaben: den Terror - auch den religiös begründeten - unerschrocken beim Namen zu nennen und sich zugleich vor pauschalen Urteilen über eine ganze Religion zu hüten. Deutlich kritisiert werden müsse der Missbrauch des Glaubens an Gott sowie des Islam durch Organisationen wie El Kaida, um ihr mörderisches Tun zu rechtfertigen, sagte Huber der Zeitung „Mannheimer Morgen“. Es sei eine „religiös ganz aberwitzige Vorstellung“, dass ein Terrorist vor Gott zum Märtyrer werde. Aber es gebe auch keinen Anlass, den Islam als Ganzes zu verdächtigen und von einem Kampf der Kulturen zu sprechen. Huber: „Es geht vielmehr um einen Kampf der Kultur.“

Allianzvorsitzender: Andere lieben wie Jesus

Nach Ansicht des Vorsitzenden der Deutschen Evangelischen Allianz, Jürgen Werth (Wetzlar), ist der Kampf der Kulturen „in vollem Gange“. Ihm müssten Christen das Evangelium entgegensetzen. Sie müssten umso mehr deutlich machen, dass die Botschaft Jesu Christi eine Botschaft der Versöhnung sei. „Wir wollen Menschen achten und respektieren wie Jesus, auch wenn sie einer anderen Kultur angehören. Wir wollen sie lieben wie Jesus, ohne unsere Überzeugungen zu verleugnen“, sagt Werth in einer Videobotschaft. Christen wollten „den Frieden Gottes ganz neu in diese Welt bitten“. Werth – Vorstandsvorsitzender von ERF Medien (früher: Evangeliums-Rundfunk) – steht der Allianz ehrenamtlich vor. Sie vereint Evangelikale aus Landes- und Freikirchen.

Papst: Entschlossener Einsatz für Gerechtigkeit

Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche, Papst Benedikt XVI., betonte in einem Brief an den New Yorker Erzbischof Timothy Kardinal Dolan, dass Terrorismus unter keinen Umständen gerechtfertigt werden könne. Die Tragödie des 11. September werde noch größer dadurch, dass die Attentäter vorgegeben hätten, im Namen Gottes zu handeln. Der Papst betet dafür, dass ein entschlossener Einsatz für Gerechtigkeit und eine globale Kultur der Solidarität dazu beitragen, die Welt von rachsüchtigen Forderungen zu befreien.

ÖRK: Friedlich auf Terror reagieren

Der Generalsekretär des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK), Olav Fykse Tveit (Genf), mahnt den Einsatz von friedlichen Mitteln als Antwort auf den Terrorismus an. Verzicht auf Gewalt führe langfristig zu einem gerechten Frieden. Die Anschläge vom 11. September hätten Kriege in Afghanistan und im Irak nach sich gezogen. Tveit verurteilt jeden Terrorismus. Zum ÖRK gehören rund 350 evangelische, orthodoxe und anglikanische Kirchen mit etwa 560 Millionen Mitgliedern.

Dröge: Echter Glaube führt zum Frieden

In Deutschland finden am 11. September zahlreiche Gottesdienst zum Gedenken an das Geschehen vor zehn Jahren statt. Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, sagte in Berlin, die Ausübung von Terror und Gewalt zeigten ein zutiefst gottesferner Verhalten. Echte Verwurzelung im Glauben führe zu Frieden. Zehn Jahre nach den Anschlägen in den USA sei die Zeit gekommen, dass sich alle gläubigen Menschen gegen die Instrumentalisierungen des Glaubens für Terror und Gewalt zur Wehr setzen. Die Religionen sollten die Chance ergreifen, sich gemeinsam als Friedensmacht zu profilieren.

Glaube als Lebenshilfe

Der braunschweigische Landesbischof Friedrich Weber (Wolfenbüttel), wies im Dom zu Braunschweig darauf hin, dass nach dem Schock der Anschläge sich die „alten Worte des Glaubens“ als Hilfe zum Leben erwiesen hätten. Sie hätten Hoffnung geschenkt. Ferner gelte es, intensiv über das Miteinander der Religionen in Deutschland nachzudenken. Christen sollten sich ihres Glaubens vergewissern und fragen, worin ihre Hoffnung bestehe und worin sie begründet sei.

Foto: Reuters

Videobotschaft von Jürgen Werth

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