24. November 2011

Zwei evangelikale Werke aus der Diakonie werfen?

Berlin (idea) – Soll die Diakonie zwei theologisch evangelikal ausgerichtete Organisationen ausschließen? Dafür macht sich der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Volker Beck, stark. Er wandte sich in einem Brief an den Präsidenten des Diakonischen Werks der EKD, Johannes Stockmeier (Berlin). Der Vorstoß des prominenten Grünen richtet sich gegen die ökumenische Kommunität „Offensive Junger Christen“ (OJC/Reichelsheim im Odenwald) und den evangelischen Fachverband für Sexualethik und Seelsorge Weißes Kreuz (Ahnatal bei Kassel).

In dem Brief fordert Beck die Diakonie auf, die Zusammenarbeit mit beiden Fachverbänden zu beenden. Die von diesen Organisationen „propagierten Therapien zur vermeintlichen Heilung von Schwulen und Lesben sind höchstgradig gefährlich“, schreibt Beck auf seiner Internetseite. Schwere Depressionen, zentrale Selbstwertprobleme bis hin zur Selbsttötung seien häufig die Folge. „Seelsorge sieht anders aus“, so Beck. Die Diakonie dürfe derartige Praktiken unter ihrem Dach nicht dulden. Sonst stehe „der gute Ruf ihrer fachlich herausragenden Arbeit auf dem Spiel“.

Diakonie-Präsident: Es darf keine Diskriminierung Homosexueller geben

In seinem – von Beck veröffentlichten – Antwortbrief versichert Präsident Stockmeier, dass er auch weiterhin dafür eintreten werde, dass es keine Diskriminierung Homosexueller in Kirche und Diakonie geben dürfe. Er erhalte immer wieder Anfragen, inwieweit die Offensive Junger Christen, das ihr angeschlossene Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft und das Weiße Kreuz diese Position teilten. Deshalb suche er mit ihnen das regelmäßige Gespräch, um die Haltung des Diakonischen Werkes der EKD zu verdeutlichen. Dessen Mitglieder seien aber rechtlich selbstständige Organisationen. Das Diakonische Werk verfüge deshalb weder über eine Fach- noch eine Dienstaufsicht. Gemäß der Satzung sei das Diakonische Werk der EKD nicht befugt, in die Arbeit der Mitglieder einzugreifen. Ein Ausschluss könne nur dann erfolgen, wenn Mitgliedsorganisationen nicht mehr in Verbindung zur diakonischen oder volksmissionarischen Arbeit ihrer Kirche stünden. Abschließend schreibt Stockmeier: „Vor diesem Hintergrund ist das Gespräch mit den genannten Fachverbänden ein wichtiger Beitrag, um hier Klarheit zu erlangen und gegen eine mögliche Diskriminierung von Homosexualität einzutreten.“

OJC: Beck diskriminiert eine Minderheit

Der Prior der Offensive Junger Christen, Dominik Klenk , wies die Darstellung Becks zurück: „Die OJC und das Weiße Kreuz stehen – wie das Diakonische Werk selber – für Therapiefreiheit und ergebnisoffene Beratung. Dies sollte auch für homoerotisch empfindende Menschen gelten, die den ausdrücklichen Wunsch haben, sich zu verändern.“ Wenn Beck dieses Recht einer Minderheit beschneiden wolle, „widerspricht das grundlegenden Prinzipien von Toleranz und freiheitlicher Selbstbestimmung und diskriminiert diese Menschen“, so Klenk gegenüber idea.

Freikirchen-Präsident: Becks Haltung „suggestiv engführend“

Der Präsident der Vereinigung Evangelischer Freikirchen, Präses Ansgar Hörsting (Witten), erklärte auf idea-Anfrage:  „Ich habe mir sagen lassen, Herr Beck sei ein umsichtiger und netter Mann. Ich glaube das auch. Aber in dieser Sache ist er nicht nüchtern, sondern suggestiv engführend.“ Er wolle an denen, „die anders denken, etwas Schlimmes finden“. „Nüchterne, gedanklich klare Menschen“ wie Diakoniepräsident Stockmeier „werden sich dadurch im Umgang mit der OJC und dem Weißen Kreuz nicht in die Ecke drängen lassen“.

Foto: dpa

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