Freikirchen-Präsident Ansgar Hörsting
05. Juni 2012

Hütet Euch vor falschen Alternativen!

Pastor Ansgar Hörsting: Der Streit um „Entweder – Oder“ kann in die Enge führen. Foto:
Pastor Ansgar Hörsting: Der Streit um „Entweder – Oder“ kann in die Enge führen. Foto:

Wetzlar (idea) – Soll man als Christ erst etwas Gutes tun und dann von seinem Glauben sprechen oder umgekehrt? Soll man die Bibel historisch betrachten oder als Wort Gottes? Das sind Fragen, über die Christen leicht in Streit geraten. Solche Kontroversen sind unnötig, findet der Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden und Präsident der Vereinigung Evangelischer Freikirchen, Pastor Ansgar Hörsting (Witten). Er fordert Christen auf, sich in ihrem Glaubensleben vor falschen Alternativen zu hüten. Oft führe der Streit um ein „Entweder–Oder“ in die Enge. In einem Beitrag für die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) plädiert Hörsting dafür, mögliche Streitthemen zwar zu unterscheiden, aber nicht voneinander zu trennen, weil sie sonst zu falschen Alternativen würden. Dazu zählten Fragen wie: Beten oder arbeiten? Verkündigen oder diakonisch handeln? Die Bibel historisch betrachten oder als Wort Gottes? Managementmethoden nutzen oder geistlich leiten? Seelsorge nach innen oder Mission nach außen betreiben? Die Hölle thematisieren oder die Liebe Gottes predigen? Hörsting zufolge gibt es zwar Fragen, die eine klare, eindeutige Entscheidung verlangen. Dazu zähle etwa das Bekenntnis, dass es nur einen Weg zum himmlischen Vater gibt und nur einen Namen, in dem Rettung liegt: Jesus Christus. Christen sollten das Zusammenleben jedoch nicht unnötig erschweren, indem sie sich „über die falschen Fragen in die Haare kriegen – und somit das gemeinsame Zeugnis für den Glauben an Jesus Christus beschädigen“. So versuchten manche Christen, aus Angst vor Erstarrung jegliche Art von Institution zu vermeiden. Andere verzettelten sich in Formalien, Strukturfragen und Zuständigkeiten. Tatsächlich bezeuge die Bibel jedoch, dass sowohl Strukturen als auch Dynamik für den Gemeindebau nötig seien.

Leitlinien für Umgang mit Andersdenkenden

Hörsting fordert dazu auf, dass bei Diskussionen der „Grundton der Liebe“ bestimmend sein sollte: „Denn wer liebt, spielt nicht unnötig bestimmte Aspekte einer Arbeit gegeneinander aus, sondern verbindet.“ Liebe mache bescheiden und respektvoll und brauche keine Besserwisserei. Sie freue sich an der Vielfalt missionarischer Ansätze und zwinge nicht zur methodischen Engführung. Hörsting: „Manchmal erträgt Liebe auch einfach nur denjenigen, der anders lebt, denkt und missioniert als ich.“ Für den Umgang mit Andersdenkenden empfiehlt Hörsting fünf Leitlinien: „Höre selber auf, falsche Alternativen zu pflegen und die Konstruktion falscher Alternativen als Waffe in Diskussionen einzusetzen! Überwinde falsche Alternativen in Sachen Mission! Es ist keine Zeit für solche Gefechte. Bleibe in respektvollem Kontakt mit Andersdenkenden! Erzählt einander eure Geschichten! Es zeigt sich: Wenn jemand sein Leben erzählt, versteht man plötzlich, was den anderen bewegt. Bleibe und lebe in deiner Gemeinde! Die Ortsgemeinde ist und bleibt der Ort, an dem Glaube verkündet und gelebt wird. Sie ist nicht – wie es immer wieder heißt – die ‚Hoffnung der Welt‘; aber sie ist Trägerin und Zeugin der Hoffnung der Welt in Jesus Christus.“

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