Altbischof Müller
26. Juli 2013

EKD-Rat soll Familien-Papier zurückziehen

EKD-Rat soll Familien-Papier zurückziehen
Der frühere Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, Prof. Gerhard Müller. Foto: Privat

Erlangen (idea) – Der frühere Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Prof. Gerhard Müller (Erlangen), hat den Rat der EKD aufgefordert, die umstrittene Orientierungshilfe zu Ehe und Familie zurückzuziehen. „Dazu gehört Größe. Denn wer gibt schon gerne zu, dass er unter Niveau geraten ist?“ schreibt der 84-jährige ehemalige braunschweigische Landesbischof in einem Offenen Brief. Das mehr als 160 Seiten umfassende EKD-Papier ist nach seinen Worten „überflüssig, vergangenheitsorientiert und perspektivlos“. Vor dem „breiten Weg“ der postmodernen Beliebigkeit, „der zur Verdammnis führt“ habe schon Jesus gewarnt (Matthäus 5,13). Das am 19. Juni unter der Überschrift „Zwischen Autonomie und Angewiesenheit – Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken“ veröffentlichte Papier rückt von der traditionellen Ehe als alleiniger Norm ab. Es vertritt ein erweitertes Familienbild, das etwa auch gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften einschließt. Die Orientierungshilfe ist auch in den Reihen der EKD, besonders unter theologisch konservativen Protestanten, sowie in der katholischen Kirche auf meist heftige Kritik gestoßen, während es von der Mehrheit der evangelischen Kirchenleiter verteidigt wird.

Was in den Kirchen gilt

Zu den Hauptkritikpunkten zählt eine mangelnde theologische Grundlegung des Textes. Dazu Müller: „Der lediglich fragmentarische Rückgriff auf die Heilige Schrift und Behauptungen ohne Belege sind unwissenschaftlich.“ Zu den 14 Kommissionsmitgliedern, die das Papier erarbeitet haben, habe weder ein Neu- noch ein Alt-Testamentler gehört. Indem die Autoren die Kirchen aufforderten, „Familie neu zu denken und die neue Vielfalt von privaten Lebensformen anzuerkennen“, machten sie die Lebensvielfalt zur neuen Norm. Müller erwidert: „Bisher galt in allen christlichen Kirchen: Die Ehe von Frau und Mann ist von Gott gestiftet und kann nicht nach Belieben verändert werden.“ Auch werde die Ehe von den Reformatoren nicht geringer geachtet von den Katholiken.

Kritiker werden als „Reaktionäre“ hingestellt

Wie Müller weiter schreibt, würden Kritiker des EKD-Papiers als „Reaktionäre“ hingestellt: „Damit befände ich mich in guter Gesellschaft: Auch Luther war reaktionär: Die Kirche sollte von Falschem befreit werden, damit Gott wieder unsere Herzen erreicht (und damit war er zugleich revolutionär!).“ Müller stand von 1982 bis 1994 an der Spitze der braunschweigischen Landeskirche; von 1990 bis 1993 war er auch Leitender Bischof der VELKD.

Mitautorin verteidigt Orientierungshilfe

Eine Mitautorin der umstrittenen Orientierungshilfe, die Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler, hat das Papier unterdessen vehement verteidigt. Eine Rücknahme kommt für sie nicht in Frage. Das Dokument stelle die traditionelle Ehe als Leitbild keineswegs zur Disposition, sondern übertrage ihre Prinzipien wie Treue, Fürsorge und Verlässlichkeit auf andere Lebensformen, sagte sie am 26. Juli im Deutschlandradio. Sie räumte ein, dass man die positiven Seiten der Ehe vielleicht in einem zusätzlichen Kapitel deutlicher herausstellen könne, um Missverständnisse zu vermeiden. Möglicherweise habe man die „Verlustängste“ im Blick auf traditionelle Lebensformen unterschätzt. Der biblische Befund zeige aber eine große Vielfältigkeit, darunter auch Lebensformen, „die auch nicht alle nur Begeisterung auslösen können“. Aber man nehme sie ernst.

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5 Kommentare

Pascalvor 362 Tagen

Die "Orientierungshilfe" entpuppt sich immer mehr als Falle für die Autoren und die Ratsmitglieder: sie kommen nicht mehr los davon wie der Affe, der selbst angesichts des keulenschwingenden Jägers die Banane nicht aus der Hand lassen kann. Wollen täte er schon, der Arme, denn auch er liebt das Leben, doch er kann nicht, weil ein Zwang auf ihm liegt. So sind auch die Gottlosen verstrickt in dem Werk ihrer Hände (Ps.9,17, passend dazu auch der gesamte Psalm 10), seien sie nun, wer auch immer. Es gibt sehr wohl in diesem Leben schon ein "zu spät" für Umkehr bei gewissen Entwicklungen, da hilft alles gute Zureden nicht mehr.

Enricovor 362 Tagen

Gäbe es in der EKD keine Frauenordination, dann hätte die Frau Susanne Breit-Keßler nicht als Mitautorin diese "Orientierungshilfe" schreiben können und dann wäre sie auch keine Bischöfin, welche nun dieses Machwerk verteidigt. So gesehen ist dies die Frucht davon, dass man von Anfang an dem Wort Gottes ungehorsam gegenüber war und Frauen ins Lehr- und Leitungsamt der EKD gestellt hatte. Denn die Frauen dort verhalten sich ganz genauso wie Eva zur Zeit des Sündenfalls: "die Frucht ist schön anzusehen". So steht ja auch in der Bibel über die Letzte Zeit von denen, welche die Worte der Wahrheit verlassen und diese nicht mehr ertragen können und sich selber Lehrer suchen wie es in ihren Ohren juckt.

hinweis77vor 362 Tagen

"Der biblische Befund zeige aber eine große Vielfältigkeit, darunter auch Lebensformen, „die auch nicht alle nur Begeisterung auslösen können“". Immer das Gleiche, das ist nur heiße Luft. Wenn man sich den sogenannten "biblischen Befund" näher ansieht, bleibt davon nichts übrig, außer die Erkenntnis, dass es eine dreiste Lüge ist. Eines aber fällt auf: Selbst die Verführer bemühen sich, mit der Bibel ihre Verführung zu rechtfertigen. Einerseits wird die Autorität der Schrift geleugnet, andererseits weiss man um ihre starke Autorität und versucht diese für eigene Zwecke zu mißbrauchen. Nur gut, dass es noch Christen gibt, die vom Geist Gottes geleitet sind und wissen, was in der Bibel steht und was nicht.

WPEVvor 362 Tagen

Herr Schneider sollte in sich gehen und den Rücktritt verkünden. Das wäre Größe und würde den Weg ebnen für den Zustand vor diesem "Papier". Mit Herrn Schneider sollten dann die Mitstreiter/Co-Autoren des "Papiers" ebenso den Rückzug aus der kirchlichen, geistlichen Verantwortung antreten.

milanvor 363 Tagen

Die lutherische Organisation entpuppt sich zunehmend als ein König Saul. Der hatte ja bekanntlich auch nicht gemerkt, dass ihn der Geist Gottes verlassen hatte und somit den dämonischen Mächten Tür und Tor offen standen. Zweimal wollte er David mit dem Speer an die Wand nageln, einmal sogar im Ehebett seiner Tochter Michal ermorden. Im Hass gegen David hätte er sich beinahe an seinem Sohn Jonathan vergriffen. Ein Vergleich mit dem sächsischen Bohl und seinem Jugendevangelisten ist  wohl realistisch. Wo der Geist Gottes nicht ist, baut der Adonai auch nicht die Gemeinde.

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