Sächsische Bekenntnis-Initiative
08. Juni 2012

Streit um Homo-Beschluss: Bekenntnissynode einberufen?

Sächsische Bekenntnis-Initiative weist die Forderung zurück. Foto: idea
Sächsische Bekenntnis-Initiative weist die Forderung zurück. Foto: idea

Dresden (idea) – Die Öffnung des Pfarrhauses für homosexuelle Partner sorgt in Sachsen für heftige Debatten. Jüngster Höhepunkt war Anfang Juni die Erklärung einer Gruppe evangelikaler Christen: Das Evangelisationsteam Sachsen will die kirchenleitenden Gremien nicht länger als geistliche Leitung der sächsischen Landeskirche anerkennen. Mit der Entscheidung, homosexuelle Pfarrer in seelsorgerlich begründeten Einzelfällen zusammen mit ihrem Partner im Pfarrhaus leben zu lassen, sei der status confessionis – also der Bekenntnisfall – gegeben. In der Erklärung heißt es dazu: „1. Den Landesbischof, die Kirchenleitung, und die Landessynode erkennen wir nicht mehr als geistliche Leitung unserer Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens an. 2. Die Sächsische Bekenntnis-Initiative bitten wir eindringlich, dass diese umgehend eine Bekenntnissynode gründet.“ Diese Initiative ist ein Zusammenschluss von 106 Kirchengemeinden, 253 Gemeinschaften, 32 Werken und rund 8.000 Einzelpersonen der sächsischen Landeskirche. Sie tritt dafür ein, dass Bibel und Bekenntnis auch für die Lebensführung der Pfarrerschaft Gültigkeit besitzen. Einer der Sprecher der Bekenntnis-Initiative, Pfarrer Gaston Nogrady (Markersbach/Erzgebirge), wies die Forderung auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea zurück. Man fasse die Stellungnahme des Evangelisationsteams als Beitrag zu dem dreijährigen Diskussionsprozess auf, den die Frühjahrssynode beschlossen habe. Zugleich fordere die Initiative dafür den Gewissensschutz ein, den die Synode Kritikern der Öffnung von Pfarrhäusern gewährt hat. „Wir selber teilen die beiden Folgerungen nicht, da wir die drei Jahre nutzen wollen, um um unsere Kirche zu ringen“, sagte Nogrady. „Trotzdem stellen wir uns als Sächsische Bekenntnis-Initiative vor das Evangelisationsteam.“

Landeskirche: „Beispielloser Vorgang“

Brisant an der Stellungnahme des Evangelisationsteams ist, dass vier der acht Unterzeichner dienstrechtlich mit der Landeskirche verbunden sind: der Evangelist und Pfarrer im Ruhestand Theo Lehmann (Chemnitz), der Liedermacher und Jugendevangelist in Teilzeit Lutz Scheufler (Waldenburg), der Bezirksjugendwart Michael Rausch (Borstendorf) sowie der Evangelist Michael Kaufmann (Aue).  Außerdem wurde die Stellungnahme unterzeichnet von der Ärztin Christa-Maria Steinberg (Chemnitz), dem Musiker Frank Döhler (Dresden), dem Evangelisten Andreas Riedel (Reinsdorf) und dem Zeltmeister Jens Ulbricht (Königshain). Der Pressesprecher der sächsischen Landeskirche Matthias Oelke (Dresden) nannte es gegenüber idea einen „beispiellosen Vorgang“, dass kirchliche Mitarbeiter die Leitung der Landeskirche nicht anerkennen wollten. Er gehe davon aus, dass die Landeskirche auch dienstrechtliche Konsequenzen prüfen werde. Zunächst würden die unmittelbaren Vorgesetzten jedoch das Gespräch mit den für die Kirche tätigen Unterzeichnern der Erklärung suchen. Oelke zufolge herrscht innerhalb der Landeskirche auch in der Frage des Zusammenlebens homosexueller Pfarrer ein „Klima der Offenheit“. Es sei daher bedauerlich, wenn die Gesprächsbereitschaft von einer kleinen Gruppe aufgekündigt werde. Mit dem Ruf nach einer „Bekenntnissynode“ einen Bezug zur Synode von Barmen 1934 konstruieren zu wollen, halte er für besonders unangemessen.

Von positiven Reaktionen bis zu Morddrohungen

Laut Scheufler hat das Evangelisationsteam nicht die Absicht, aus der Kirche auszutreten, sondern wolle lediglich den eingeschlagenen Kurs offen kritisieren. Auf die Stellungnahme des Teams hin habe er telefonisch und auch per E-Mail sowohl positive Reaktionen erhalten als auch negative „bis hin zu Morddrohungen“. In einem Leserbrief an das evangelische Nachrichtenmagazin ideaSpektrum schreibt das ehemalige Vorstandsmitglied der „Evangelistenkonferenz in der DDR“, Gottfried Fischer (Schwarzenbach am Wald), zur Erklärung des Evangelisationsteams, „diese Reformation unserer evangelisch-lutherischen Kirche“ sei „längst überfällig“: „Unserem vergeblichen Aufschrei muss der Aufbruch folgen.“ Das Evangelisationsteam unterstützt Gemeinden bei ihren missionarischen Bemühungen. Außerdem möchte es Christen dazu befähigen, geistlich fundiert zu urteilen.

 

5 Kommentare

tetelestaivor 2 Jahren und 190 Tagen

Dank an alle, die mutig und öffentlich für die Botschaft der Bibel eintreten. Übrigens, eine lutherische Bekenntnissynode bzw. Kirche gibt es schon mit Gemeinden in vielen der sächsischen Städte. Schaut mal hier: www.elfk.de

MatthiasKleinvor 2 Jahren und 190 Tagen

Lobenswert ist der Mut und die Entschlossenheit von dieser kleinen Gruppe, die nicht vor dem Zeitgeist einknickt. Möge unser Herr eine Erweckung schenken, dass die breite Schar der Gläubigen der kleinen Gruppe folgt und nicht Leuten, die nicht Gott gehorchen sondern dem Zeitgeist.

vor 2 Jahren und 193 Tagen

Wenn eine Regierung versagt, wird die Misstrauensfrage gestellt - mit zustimmenden und ablehnenden Reaktionen. Genau das hat das Evangelisationsteam aus großer Gewissensnot heraus in der Ev. Landeskirche getan. Wieso also jetzt der große Aufschrei der Befürworter der Ausnahmegenehmigung bzw. der betroffenen Kirchenleitung? "Wehret den Anfängen ..." - das ist, glaube ich, einer der Gründe des Evangelisationsteams, in derart harter Weise die Notbremse zu ziehen. Gott segne Euch für eure Klarheit und Konsequenz!

vor 2 Jahren und 193 Tagen

Gut, dass bekannte und allgemein anerkannte Leute den Mund aufmachen und die Sache des Herrn verteidigen. Theo Lehmann z.B. hat schon zu DDR-Zeiten mutig das gesagt, was nötig war! Wenn man das hört und liest, was unsere evangelischen "Hirten" zur Zeit für Unsinn, dem jede biblische Grundlage fehlt, zu Themen wie Homosexualität, Koran, Kindererziehung usw. verbreiten, muss man aufstehen oder austreten, damit man sich nicht mitschuldig macht. Ein großer Dank an die mutigen Leute! Gott segne Euch!

WPEVvor 2 Jahren und 194 Tagen

Ihr wackeren Nachfolger Christi... danke für Eure Haltung und das Bekenntnis zur Schrift. Möge der Herr der Gemeinde Euch stärken und segnen. Laut Scheufler hat das Evangelisationsteam nicht die Absicht, aus der Kirche auszutreten. Seid bereit dies zu tun... und tut es wenn der Herr es Euch offenbart, zu SEINER Ehre. 1. Kor 11,19 Denn es müssen auch Parteiungen unter euch sein, auf dass die Bewährten unter euch offenbar werden. Seid gewiss das für Euch gebetet wird.

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