01. Juni 2011

Den Vater im Himmel feiern

Wetzlar (idea) – Seit dem 4. Jahrhundert feiern Christen 40 Tage nach Ostern das Fest „Christi Himmelfahrt“, das in Deutschland ein gesetzlicher Feiertag ist. Doch zunehmend gerät die Bedeutung des Festes – nämlich die Rückkehr des auferstandenen Gottessohnes in den Himmel – in Vergessenheit. In den Medien wird fast nur noch vom „Vatertag“ gesprochen. In den neuen Bundesländern ist auch vom „Herrentag“ der Rede. Männer ziehen mit Bollerwagen oder Schubkarren ins Grüne, wobei in der Regel der Alkohol in Strömen fließt.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden steigt die Zahl der durch Alkohol bedingten Verkehrsunfälle an diesem Tag auf das Dreifache des Durchschnitts anderer Tage an. Dem Einhalt zu gebieten und an die christlichen Wurzeln des Tages zu erinnern, sei vor allem Aufgabe der Christen selbst – davon sind Repräsentanten der Kirchen und christlicher Organisationen überzeugt, wie eine Umfrage der Evangelische Nachrichtenagentur idea ergab.

Gemeinden sollen kreativ werden

Nach den Worten des EKD-Pressesprechers Reinhard Mawick (Hannover) hat der Himmelfahrtstag deutlich mehr weltliche „Konkurrenz“ als andere kirchliche Feiertage: „Aber das muss man nicht verdammen, sondern die Gemeinden sollten vielmehr kreativ bemüht sein, die besondere Pointe dieses Tages herauszuarbeiten.“ Er regte an: „Zum Beispiel bietet Himmelfahrt viele gute Möglichkeiten gemeindeübergreifende Gottesdienste zu gestalten. Dies stärkt die innerkirchliche Vernetzung.“ Tatsächlich treffen sich viele Gemeinden am Himmelfahrtstag zu Freiluftgottesdiensten – teilweise an ungewöhnlichen Orten. So versammeln sich jedes Jahr Christen auf dem Flugplatz in Pohlheim bei Gießen, um einen „Open-Airport-Gottesdienst“ zu veranstalten. Im Anschluss können die Teilnehmer bei einem Rundflug ihre eigene „Himmelfahrt“ erleben.

In Medien sensibler mit christlichen Feiertagen umgehen

Auch der Medienbeauftragte der EKD und der Vereinigung Evangelischer Freikirchen, Markus Bräuer (Frankfurt am Main), sieht vor allem die Christen in der Verantwortung: „Sie müssen sich fragen lassen, ob sie den Himmelfahrtstag so gestalten, dass ihnen selbst die Bedeutung des Tages bewusst wird.“ Zugleich beobachtet Bräuer, dass Christi Himmelfahrt in den Medien häufig als Vatertag bezeichnet wird: „Am letzten Sonntag hieß es in einer großen Nachrichtensendung: Am ‚Vatertag’ wird das Wetter wieder freundlicher.“ An die Journalisten appellierte Bräuer, sensibel mit den christlichen Feiertagen umzugehen. „Sie prägen unsere Kultur und geben unserem Leben einen Rhythmus.“

Medienverbund KEP: Vatertag ist ein Irrtum

Der Christliche Medienverbund KEP (Konferenz Evangelikaler Publizisten) möchte, dass das Wort „Vatertag“ als Name für den Feiertag „Christi Himmelfahrt“ ganz aus den Medien verschwindet. Geschäftsführer Wolfgang Baake (Wetzlar) hatte bereits vor zwei Jahren in einem Brief die Verantwortlichen der deutschen Radio- und Fernsehanstalten aufgefordert, die wahre Bedeutung des Himmelfahrtstags besser herauszuarbeiten. Es liege ein Irrtum vor, wenn man vom Vatertag spreche. Der Feiertag lasse sich allein damit begründen, dass der Himmelfahrt Jesu Christi gedacht werde. Für Baake nehmen die Medien einen Kulturauftrag wahr: „Was aber soll aus einer Kultur, was soll aus einem Staat werden, wenn Medien nicht darüber informieren, welcher Feiertag begangen wird und welche Bedeutung dieser Feiertag hat?“ Auch Kirchen und christliche Gemeinden hätten nicht immer in ausreichendem Maße auf die Bedeutung christlicher Feiertage hingewiesen.

Blaues Kreuz: Wenn Christen Vatertag feiern ...

Der evangelische Fachverband für Suchtkrankenhilfe „Blaues Kreuz in Deutschland“ ist der Meinung, dass für Christen Himmelfahrt auch ein „Vatertag“ ist. „Wenn Christen Vatertag feiern, so tun sie dies in der festen Gewissheit, dass Jesus zurück zum Vater in den Himmel aufgenommen wurde und würdigen dies mit dem Himmelsfahrtstag. Da dieser Tag bestimmt auch im Himmel ein Freudentag war, so dürfen wir Christen auch diesen Tag mit Freuden feiern: die Väter mit ihren Kindern und auch die ganze Familie“, so der Bundessekretär des Verbandes, Reinhard Lahme (Wuppertal). Er bedauert zugleich, dass „für viele Väter das Wichtigste an diesem Tag die Bierflasche in der Hand und leider für viele auch ein grenzenloses Besäufnis“ sei. Sie kämen damit nicht der Vorbildfunktion für ihre Kinder nach. Lahme: „Wenn der Alkohol einen so hohen Stellenwert hat, auch bei Christen, dass selbst bei gemeinsamen Unternehmungen mit Kindern und Jugendlichen nicht auf Alkohol verzichtet werden kann, dann wird der alte Slogan der Blaukreuz-Jugend ‚Alkoholfrei Spaß dabei’ unvorstellbar für die heranwachsende Generation.“ Die Freude am Leben und die Lebensgestaltung ohne Suchtmittel seien etwas, was Kinder und Erwachsene gleichermaßen stark mache.

Was die Bibel sagt

An „Himmelfahrt“ erinnern sich Christen an eine Begebenheit, über die im Neuen Testament berichtet wird. Der zuvor von den Toten auferstandene Jesus Christus wurde vor den Augen seiner Jünger „in den Himmel erhoben“.  Seit 1936 ist Christi Himmelfahrt in Deutschland ein offizieller Feiertag. Der Vatertag hat dagegen inhaltlich nichts mit der Himmelfahrt zu tun. Die Idee des Vatertags stammt aus den USA, wo sich 1920 eine Bewegung zu Ehren der Väter gegründet hatte. In den USA wird der Vatertag seit 1972 als offizieller Feiertag am dritten Sonntag im Juni begangen.

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