Umfrage
06. März 2013

Wie viele Atheisten leben in Deutschland?

Meinungsforscher: Nicht einmal jeder fünfte leugnet Gott. Foto: dpa
Meinungsforscher: Nicht einmal jeder fünfte leugnet Gott. Foto: dpa

Erfurt (idea) – Atheisten sind in Deutschland eine kleine Minderheit. Nicht einmal jeder fünfte Bürger (17 Prozent) ist ein Gottesleugner. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Instituts für neue soziale Antworten (INSA) in Erfurt unter mehr als 2.000 Bürgern. Der Studie zufolge ist selbst unter jenen, die keiner Kirche oder Religionsgemeinschaft angehören, nur jeder Dritte Atheist. Von den befragten Protestanten erklärten 8 Prozent, dass es keinen Gott gibt; bei den Katholiken waren es 6 Prozent.

Atheisten vor allem bei Linken und Piraten

Kaum überraschen können die Ergebnisse im Bezug auf die Politik. Überdurchschnittlich viele Atheisten finden sich unter den Linken (32 Prozent) und den Piraten (31 Prozent). Am geringsten ist die Zahl bei den Anhängern von CDU/CSU (9 Prozent) und FDP (15 Prozent). Auch bei den Grünen (16 Prozent) und den Sozialdemokraten (17 Prozent) finden sich relativ wenige Atheisten. Unterschiede zeigen sich ferner im Bildungsniveau. Am höchsten ist der Anteil der Gottesleugner bei den Befragten ohne berufsqualifizierenden Abschluss (25 Prozent). Hingegen beträgt er bei Hochschulabsolventen 17 Prozent. 33 Prozent der 82 Millionen Einwohner Deutschlands sind konfessionslos, 30 Prozent gehören der römisch-katholischen Kirche und 29 Prozent der evangelischen Kirche an. 5 Prozent sind muslimischen und 1,5 Prozent orthodoxen Glaubens. 0,4 Prozent zählen zu einer Freikirche, 0,3 Prozent sind Buddhisten, 0,24 Prozent Juden und 0,12 Prozent Hindus.

INSA-Leiter: Werden die Kirchen ihrem Auftrag noch gerecht?

„Die Frage nach Gott beschäftigt die Deutschen, unabhängig von einer Kirchenzugehörigkeit“, erläuterte INSA-Leiter Hermann Binkert gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. „Die Menschen sind offen für den Glauben an Gott, aber sie sehen die Kirchen offensichtlich immer weniger als Begleiter in Glaubensfragen. Dass sich viele Menschen von ihnen abwenden, muss die Kirchen nachdenklich machen. Werden sie ihrem eigentlichen Auftrag noch gerecht?“

EZW: Es gibt nur wenige bekennende Atheisten

Der Leiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW), Pfarrer Reinhard Hempelmann (Berlin), sagte gegenüber idea, die Studie bestätige eine Reihe von Trends der Religionsforschung. So könne man Menschen, die keiner Konfession angehören, nicht pauschal als Atheisten ansehen. Hempelmann: „Die Zahl bekennender Atheisten dürfte ohnehin sehr gering sein.“ Die Frage nach Gott sollte jeden Menschen beschäftigen, so Hempelmann. Er gehe davon aus, dass die Kirchen und christlichen Gemeinschaften mit ihren vielfältigen Angeboten Räume schaffen, wo über Gott nachgedacht werde sowie der Lebensbezug, das Trost- und Hoffnungspotential und die gesellschaftliche Relevanz des christlichen Glaubens deutlich würden. Die Aufmerksamkeit für die Gottesfrage in der Gesellschaft erinnere die Kirchen an die Notwendigkeit, ihr Profil zu schärfen.

Giordano-Bruno-Stiftung: Studie „nicht besonders aussagekräftig“

Hingegen bezeichnete der Vorstandssprecher der religionskritischen Giordano-Bruno-Stiftung, Michael Schmidt-Salomon (Beßlich bei Trier), die Ergebnisse der Studie als „nicht besonders aussagekräftig“. Man erfahre nicht, wie viele der Befragten tatsächlich an einen personalen Gott im Sinne des Christentums oder des Islam glaubten oder wie viele eine agnostische Position verträten, also keine Aussagen zur Existenz oder Nichtexistenz eines Gottes machten. Schmidt-Salomon: „Ich selbst würde – obgleich ich in den Medien mitunter als ‚Deutschlands Chef-Atheist’ gehandelt werde – die Aussage ‚Es gibt keinen Gott!’ nicht unterschreiben, solange ich nicht weiß, welche Eigenschaften der Fragesteller dem Begriff ‚Gott’ zuweist.“ Selbst ein so unumstößlich nicht-religiöser Mensch wie er würde dann nicht zu den 17 Prozent Atheisten gezählt. Schmidt-Salomon verwies auf eine 2012 veröffentlichte Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach (Allensbach am Bodensee). Danach bezeichnen sich 57 Prozent der Bevölkerung als „nichtreligiös“. Bei den Protestanten sind es 53 Prozent und bei den Katholiken 64 Prozent. Schmidt-Salomon: „Der hier zum Ausdruck kommende Säkularisierungsschub wird von der INSA-Studie überhaupt nicht abgebildet, was einige Zweifel an der Qualität der Datenerhebung bzw. Datenauswertung aufkommen lässt.“

6 Kommentare

StSDijlevor 1 Jahr und 285 Tagen

Nur mal zur Aufklärung: die genaue Frage war "Beschäftigt Sie die Frage nach Gott?" und die vorgegebenen Antwortmöglichkeiten waren: Ja, sehr / Ja, ein wenig / Nein, eher nicht / Nein, gar nicht / Es gibt keinen Gott / Weiß nicht, keine Angabe. Ergo: Die meisten richtig harten Atheisten würden hier mit Ja antworten. Mit "Es gibt keinen Gott" kann man auf diese Frage nicht logisch schlüssig antworten. Was noch auffällt, ist dass das Umfrageinstitut, dass so tendenziöse Fragebögen aus gibt, nicht gerade neutral ist. Vielmehr ist es eine Ansammlung altgedienter CDU-Politiker, die natürlich die Basis ihrer Partei so breit wie möglich darstellen will.

lfinvor 1 Jahr und 289 Tagen

Irgendwie scheint die Aussage der Studie nicht zu stimmen. Andere Zahlen sind zu Grunde zu legen "Nach der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland betrug der Anteil der Bevölkerung ohne Konfession 2004 32,3 %, 2005 32,5 % in der gesamten Bundesrepublik. 2008 stieg er erneut auf 34,1 % und 2011 auf 37,6 %. [Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland: Religionszugehörigkeit, Deutschland Bevölkerung 1970-2011. Januar 2011.] ...oder ist hier der Wunsch Vater des Gedanken... Frage: gibt es im untersuchenden Institut einen Atheisten oder konfessionslosen Mitarbeiter oder nur Christen, wie z.B. den ehemaligen Ministerpräsidenten Thüringens, Althaus, nachweislich Katholik aus dem Eichsfeld ... wie passt ein Protestant/Katholik zu der seiner Aussage, dass es keinen Gott gibt...

Jabronivor 1 Jahr und 289 Tagen

"Soll er mir doch bitte mal ein Gottesbild nennen, bei dem er nicht mit Nein antwortet." Mit einem pantheistischen/metaphorischen Gott haben viele Atheisten/Agnostiker/etc kein Problem. Giordano Bruno war teilweise so einer.   "So ist die Frage nach Gott für sie ungleich der Frage nach einem Glauben an einen Osterhasi" Sicher ist das ungleich. Es gibt keine Osterhasen-Terroristen oder diskriminierende Osterhasen-Krankenhäuser. "Ihren gesellschaftlichen Machtanspruch dahin schwimmen." Machtansprüche schwimmen nicht. Welcher atheistische Verband hat wo Macht? Wo werden sie in der Politik einbezogen? In welche Gremien sitzen sie? "Dies verknüpfte er bereitwillig mit der Forderung nach gesellschaftlicher Mitsprache." Was ist falsch an Mitspracherecht in einer Demokratie? Hat nicht jeder Mensch das Recht dazu? Dürfen sich Menschen nicht organisieren, um ihre Interessen zu vertreten? Ob nun Tausende oder Millionen? Ich weiß nicht, ob Schmidt-Salomon eindeutig die Giordano-Bruno-Stiftung als Stellvertreter aller Atheisten nannte. Ich würde das auch kritisch sehen. "Schaut man sich die wenigen Tausend an" Zum Glück wird man nicht automatisch per Geburt/Taufe Mitglied eines solchen Vereins. Zu Glück ist eine solche Mitgliedschaft keine Voraussetzung für bestimmte Jobs. Zum Glück "exkommunizieren" Vereine Menschen nicht aus dem Atheismus, wenn sie nicht Mitglied sind. "An den lebendigen Gott" Gott lebt? Stirbt er auch? Dachte, er existiert einfach.

Feldvor 1 Jahr und 289 Tagen

@Schmall "Soll er mir doch bitte mal ein Gottesbild nennen, bei dem er nicht mit Nein antwortet. Da gibt es wohl keines." - Schmidt-Salomon nennt "Gott ist die Liebe" und "Gott ist das Universum" als Beispiele. "Ich glaube, die atheistischen Verbände sehen ihren gesellschaftlichen Machtanspruch dahin schwimmen." - Soll das ein Witz sein? Die säkularen Verbände finden in den letzten Jahren mehr und mehr Aufmerksamkeit und Kirchenvertreter sprechen immer wieder vom "militanten Atheismus", der auf dem Vormarsch sei. "Denn noch vor kurzem habe ich Herrn Schmidt-Salomon in einer Talk-Sendung gesehen, bei der er den Eindruck geschürt hatte, seine Organisation vertrete 1/3 und mehr aller Deutschen." - Sieht man sich die weltanschaulichen Zugehörigkeiten der dt. Bevölkerung an, ist das eigentlich keine sonderlich spektakuläre Aussage. Währenddessen vereinnahmen die Kirchen getaufte religionsunmündige (unter 14-jährige) Kinder und Zwangskonfessionalisierte für sich. "Schaut man sich die wenigen Tausend an, die dann tatsächlich in seinem Verein aktiv oder passiv involviert sind, versteht man, was die Studie sagen will." - Ich hoffe, dass Sie einen Scherz machen wollten. Kinder werden von der Giordano-Bruno-Stiftung nicht aufgenommen, während unmündige Babys getauft werden. Die Giordano-Bruno-Stiftung hat kein eigenes Unterrichtsfach in den Schulen, die Kirchen haben den Religionsunterricht. Mal davon abgesehen, dass es die Giordano-Bruno-Stiftung erst seit 2004 gibt, während die Kirchen "etwas" mehr Zeit hatten, sich zu etablieren.

Jojovor 1 Jahr und 289 Tagen

Ich gebe dir schon recht, Schmall, wobei der Einwand grundsätzlich schon berechtigt ist. Im Grunde ist das Gottesbild doch entscheidend. Und an irgend eine Art Gott glauben sicher mehr Deutsche als an einen persönlichen, christlichen Gott. Interessant fand ich hier mal einen Gedankengang, den ein Pastor brachte, in dem er sich selbst auch als Atheist bezeichnete: http://www.digma.com/atheist-too/?video=play Im Prinzip sagte er aus, dass er auch nicht an einen Gott glaubt den Atheisten ablehnen.

Schmallvor 1 Jahr und 289 Tagen

Die Aussagen von Deutschlands Chef-Atheisten Schmidt-Salomon sind inkonsistent: Soll er mir doch bitte mal ein Gottesbild nennen, bei dem er nicht mit Nein antwortet. Da gibt es wohl keines. Auch wenn viele Bevölkerungsteile weit weg vom konfessionellen, christlichen Glauben sind, so ist die Frage nach Gott für sie ungleich der Frage nach einem Glauben an einen Osterhasi... letztere vereinen alle, erstere nicht. Ich glaube, die atheistischen Verbände sehen ihren gesellschaftlichen Machtanspruch dahin schwimmen. Denn noch vor kurzem habe ich Herrn Schmidt-Salomon in einer Talk-Sendung gesehen, bei der er den Eindruck geschürt hatte, seine Organisation vertrete 1/3 und mehr aller Deutschen. Dies verknüpfte er bereitwillig mit der Forderung nach gesellschaftlicher Mitsprache. Schaut man sich die wenigen Tausend an, die dann tatsächlich in seinem Verein aktiv oder passiv involviert sind, versteht man, was die Studie sagen will. UND DENNOCH: es bringt nichts, wenn die Menschen an einen irgendwie oder "das" Gott glauben. Es ist bedeutend, dass sie zum Glauben an den lebendigen Gott, Jesus Christus, finden.

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