Machtkampf in Ägypten
05. August 2013

Christen sind die Leidtragenden

Bei Straßenschlachten gehen radikale Muslime auf Christen los. Foto: Flickr/Mariam Soliman
Bei Straßenschlachten gehen radikale Muslime auf Christen los. Foto: Flickr/Mariam Soliman

Kairo (idea) – In Ägypten werden Christen zunehmend zu Opfern des Machtkampfs zwischen Gegnern und Anhängern des abgesetzten Präsidenten Mohammed Mursi. Bei mehreren Zusammenstößen griffen Mitglieder der radikal-islamischen Muslim-Bruderschaften, die Mursi unterstützen, koptische Christen an. Diesen wird unterstellt, dass sie den Sturz des Präsidenten durch das Militär am 3. Juli befürworten. Seither kommt es immer wieder zu Zusammenstößen der gegnerischen Lager. Dabei wurden insgesamt mehr als 250 Menschen getötet. Tatsächlich hatte sich beispielsweise der koptisch-orthodoxe Papst Tawadros II. für Mursis Absetzung ausgesprochen. Eine Militärregierung wird von zahlreichen Christen angesichts des zunehmenden Drucks durch radikale Muslime als „das kleinere Übel“ angesehen.

Glocken rufen zu Friedensgebeten

Während der Demonstrationen von Gegnern und Anhängern Mursis in Kairo riefen Kirchen mit Glockengeläut zum Gebet für Frieden auf. Gleichwohl kam es nach einer Demonstration von Mursi-Anhängern in der Provinz Minia zu gewaltsamen Übergriffen auf Christen. Im Dorf Raida wurden am 3. August die Kirche und mehrere Häuser mit Steinen beworfen. Nach Angaben der Assyrischen Nachrichtenagentur AINA wurden sechs koptische Christen verletzt. Augenzeugenberichten zufolge zwangen ferner Mursi-Anhänger im Dorf Nazlet Abid Kopten, sich ihren Protesten gegen die Übergangsregierung anzuschließen und ihre Arbeit in Ziegeleien niederzulegen. Zu einer Straßenschlacht kam es im Ort Bani Ahmed al-Scharkija. Die Polizei setzte Tränengas ein. Fünf Personen wurden verletzt. Auslöser soll ein Streit zwischen einem Christen und einem Muslim gewesen sein. Bereits unmittelbar nach der Absetzung Mursis war es zu Angriffen auf Christen in Oberägypten und auf der Sinai-Halbinsel gekommen. Dort wurden zwei koptisch-orthodoxe Priester getötet. Im Dorf Dabeya nahe Luxor (Oberägypten) wurden vier Kopten umgebracht und 23 Häuser von Christen in Brand gesteckt.

Salafisten wollen inneren Frieden zerstören

Der Vorsitzende des koptisch-evangelischen Komitees für interkulturellen Dialog, Radi Attalah (Kairo), machte gegenüber dem Informationsdienst Mideast Christian News die Muslim-Bruderschaft für die Unruhen verantwortlich. Sie und die radikal-islamischen Salafisten versuchten, den inneren Frieden mit Gewalt zu zerstören. Sie wollten die Schwäche der Übergangsregierung aufdecken. Dazu gehöre aus ihrer Sicht auch die Unfähigkeit des Staates, Christen zu schützen. Früher habe die Muslim-Bruderschaft Christen im Geheimen ins Visier genommen; jetzt geschehe dies offen.

Islamwissenschaftler: Mit einem Bein im Bürgerkrieg

Unterdessen hat der Erlanger Islamwissenschaftler Jörn Thielmann davor gewarnt, den „Arabischen Frühling“ für gescheitert zu erklären. Wer schon jetzt von einem „Winter“ spreche, verkenne die Komplexität der Lage. Solche Prozesse dauerten Jahre. Auch in Mitteldeutschland sei die Entwicklung mehr als 20 Jahre nach der Wiedervereinigung noch nicht abgeschlossen. Die aktuellen Gewaltausbrüche in Ägypten und auch in Tunesien seien Rückschritte, aber kein Zeichen für ein endgültiges Scheitern. Thielmann verkennt den Ernst der Lage nicht: „Ägypten steht mit einem Bein im Bürgerkrieg.“ Doch seien die Menschen reif für ein freiheitliches System und wollten sich politisch beteiligen. Das gelte auch für Anhänger eines religiös geprägten Staates. Als Vorbild für die Integration des Islams in eine Demokratie könne das deutsche Grundgesetz dienen, das eine „religionsbejahende Neutralität“ des Staates beschreibe.

„Muslime für Christen“

Nach Ansicht des Direktors des christlichen Hilfswerks Barnabas Fund, Patrick Sookhdeo (Pewsey/Südwestengland), sollte der Westen jene Kräfte im Islam unterstützen, die Religionsfreiheit achten. Abgelehnt werden müssten religiöse Bewegungen, die den Staat ihrer Herrschaft unterwerfen wollen. So habe sich die Muslim-Bruderschaft in Ägypten zum Ziel gesetzt, das Land von einem demokratischen in einen religiösen Staat zu verwandeln. Der Islam habe aber an vielen Orten auch eine lange Geschichte der friedlichen Koexistenz mit anderen Religionen. Um der Diskriminierung und Verfolgung von Christen entgegenzuwirken, regt der ägyptische Politikpublizist Mamoun Fandy die Bildung einer zivilgesellschaftlichen Organisation unter dem Namen „Muslime für Christen“ an. Diese könnte Diskriminierungen dokumentieren und dazu beitragen, dass „der Schutz ihrer Rechte eine Pflicht für jeden muslimischen Ägypter wird“. Im Land am Nil bilden die schätzungsweise bis zu zehn Millionen orthodoxen Kopten die größte Kirche. Hinzu kommen etwa 300.000 Mitglieder der koptisch-evangelischen Kirche, 200.000 Katholiken, zusammen mehr als 100.000 Mitglieder von Pfingstgemeinden, Brüdergemeinden und anglikanischen Gemeinden sowie 40.000 Griechisch-Orthodoxe. Die übrigen der rund 83 Millionen Einwohner sind Muslime.

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3 Kommentare

Johannes3.16vor 1 Jahr und 77 Tagen

Stimme "milan" voll zu! Ob die Kirchenoberen schon jemals etwas von den brutalen Christenverfolgungen durch ihre "Glaubensgeschwister" in den Moscheegemeinden (Nikolaus Schneider & Co.) gehört haben? Ob diese Verteidiger der "Friedensreligion" schon jemals das "heilige" Buch der Mohammedaner gelesen haben? Wenn ja, verstehe ich ihre Reaktionen nicht! Wenn nein, sollten sie sich zum Islam nicht mehr äußern! Ich habe schon oft für diese Kirchenleiter gebetet, dass der HERR ihnen Erkenntnis schenken möge. Doch je länger sie ohne Berufung von GOTT in ihrem Amt bleiben, um so verstockter werden sie - unerreichbar vom HEILIGEN GEIST GOTTES und unbelehrbar.

Johannes Hardtvor 1 Jahr und 78 Tagen

Als vor einigen Tagen eine Sendung mit "Beckmann" gebracht wurde, in der es um die Situation in Ägypten und Syrien ging, war auch Prof. Schirrmacher in der Runde. Ich war total enttäuscht: er erwähnte mit keinem Wort die Verfolgung der Kopten oder der Christen in Syrien. Er sagte zwar, dass er in Syrien war und dort besonders mit Christen gesprochen habe - das war aber auch alles. Da war der Ägypter, der mit einer Todesfatwa belegt wurde, viel klarer. Und er ist Muslim. Das wäre eine Möglichkeit gewesen, in einem öffentlichen Sender über die Verfolgung der Christen zu sprechen, aber......

milanvor 1 Jahr und 78 Tagen

Wie oft muss es noch unterstrichen werden? Der Frieden zwischen den Religionen ist nicht die Bit wert, mit denen er proklamiert wird. Friedliche Ko-Existenz kann möglich sein, aber auf Dauer nur in Verbindung mit der dritten Gewalt, die z.B. durch eine Militärdiktatur gewährleistet wird. Eine islamische Demokratie kann durchweg als Utopie bezeichnet werden, wegen der allgemeinen Gewltbereitschaft islamischer Kräfte, die das Leben für Dreck halten, angefangen bei sich selbst. Es wird immer wieder beschreiben, wie sehr Christen weltweit die Opfer sind. Trotzdem werden mit Schurken und Ganoven Handel und Verträge abgeschlossen und das noch mit Blabla für gut geheißen. Wird man demnächst auf das verräterische Geschwätz des neuen iranischen Presidenten hereinfallen? Der hat auch nur Israels Vernichtung im Visir. Es sind die Westmächte mit ihrer Presse, die den Gewalttätern die gewünschte Plattform geben. Dabei wäre es ein Leichtes, die Internetseiten solcher Subjekte zu sperren. In dem Fall müsste man jedoch im eigenen Land auch gegen Pornographie und andere Mächte vorgehen. Da schnüffelt man lieber heimlich, still und leise.

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