Medienkonsum
29. August 2012

Macht das Internet dumm?

Kinder verbringen doppelt so viel Zeit mit digitalen Medien wie mit dem Schulstoff. Foto: Fotolia
Kinder verbringen doppelt so viel Zeit mit digitalen Medien wie mit dem Schulstoff. Foto: Fotolia

Wetzlar (idea) – Macht das Internet dumm? Mit dieser Frage setzten sich Experten kontrovers in der aktuellen Ausgabe des evangelischen Wochenmagazins ideaSpektrum (Wetzlar) auseinander. In einem „Pro und Kontra“ vertritt der Gehirnforscher und Professor für Psychiatrie, Manfred Spitzer (Ulm), die Meinung, dass die intensive Nutzung moderner Informationstechnik zu „digitaler Demenz“ führen könne. Die geistigen Fähigkeiten der Menschen nähmen ab, wenn sie das Denken immer mehr Computern, Smartphones und Navigationsgeräten überließen. So zeigten junge Erwachsene häufiger Gedächtnis-, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen sowie emotionale Verflachung und Abstumpfung. Spitzer: „Wir überlassen das Denken immer mehr den Maschinen, anstatt selbst zu denken – und dadurch Neues zu erlernen. Dies birgt immense Gefahren, insbesondere für die sich noch entwickelnden Gehirne von Kindern!“

Bereits 250.000 Internet- und Computersüchtige

Die Forschungsergebnisse seien alarmierend: Wer schon als Kleinkind viel Zeit vor Bildschirmen verbringe, zeige in der Grundschule vermehrt Störungen bei der Sprachentwicklung. Die Nutzung von Spielekonsolen im Grundschulalter verursache nachweislich schlechte Noten bei Lesen und Schreiben sowie Verhaltensprobleme. Auch der Computer im Jugendzimmer wirke sich negativ auf die Schulleistungen aus und könne zur Sucht führen. In Deutschland gebe es bereits 250.000 Internet- und Computersüchtige, so Spitzer. Zu den Folgen intensiver Nutzung digitaler Medien zählten Ängste, Abstumpfung, Schlafstörungen, Depressionen, Übergewicht und Gewaltbereitschaft.

Kinder verbringen doppelt so viel Zeit mit digitalen Medien wie mit dem Schulstoff

Derzeit verbrächten Kinder täglich etwa 3,75 Stunden mit dem Schulstoff; der durchschnittliche Konsum digitaler Medien liege jedoch bei täglich 7,5 Stunden. Durch die Auslagerung des Denkens an Handy, Computer und Fernsehen werde das Gehirn nicht mehr richtig trainiert. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, fordert Spitzer eine Konsumbeschränkung digitaler Medien vor allem bei Kindern. Er ist Autor des soeben im Droemer Verlag (München) erschienenen Buchs „Digitale Demenz: Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen“.

Kontra: Internet bietet beispiellosen Zugang zu Wissen

Ihm widerspricht in ideaSpektrum der Leiter der Digitalredaktion des zur Verlagsgruppe Stiftung Christlicher Medien gehörenden Bundes-Verlags, Rolf Krüger (Witten). Er stellt die positiven Seiten der „digitalen Revolution“ heraus. So fielen durch das Internet zeitliche, räumliche, private und sogar ideologische Grenzen. Der Einzelne habe heute in einem geschichtlich beispiellosen Maße Zugang zu Wissen. Mit einem Smartphone könne man überall und in wenigen Sekunden Antworten auf fast jede Wissensfrage bekommen. Nicht mehr vorrangig Eltern, Lehrer, Staat, Kirchen und Medien hätten die Rolle als Autoritäten inne, sondern zunehmend die Freunde auf Facebook, bei Twitter sowie die Blogger. Mit den digitalen Medien habe sich freilich das Tempo erhöht, mit dem man Informationen verarbeiten müsse. Krüger: „Es prasselt heute viel mehr vermeintlich Relevantes auf uns ein. Die Gefahr, alles gleichzeitig zu machen und damit am Ende nichts fertig zu bekommen, ist groß. So wird sich auch unsere Art zu arbeiten ändern – und die Notwendigkeit der Selbstbeherrschung.“

Internet gehört bereits in den Kindergarten

Wer die Zukunft gestalten wolle, müsse sich auf die Möglichkeiten der digitalen Medien einlassen und zugleich den richtigen Umgang damit erlernen. Es komme darauf an, Informationen eigenverantwortlich zu filtern, zu bewerten und ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Anstatt Jugendlichen das Internet zu verbieten, sollte man ihnen vorleben, wie ein verantwortungsvoller Umgang funktioniere. Um diesen zu erlernen, gehöre das Internet in den Kindergarten. Krüger: „Haben wir keine Scheu vor einem frühen Kontakt!“

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3 Kommentare

fritzvor 2 Jahren und 90 Tagen

Natürlich hat das Internet zwei Seiten wie beinahe alles im Leben. Ich (53, seit 26 Jahren PC-Nutzer) nutze das Internet und damit verbundene Dienste intensiv. Mehrmals am Tag schaue ich nach meinen mails, einmal am Tag schaue ich bei Facebook hinein usw. Ich kann mir ein Leben ohne Internet durchaus vorstellen, möchte das Internet aber nicht missen. Nur: ich beobachte wie andere, meist Menschen jünger als 25 Jahre das Internet nutzen. Beinahe jede freie Minute wird bei Facebook geschaut und gepostet, normale Gespräche treten zurück. Und: wenn irgendein Begriff unklar ist, schnell bei Wikipedia nachschauen. Texte werden großenteils unreflektiert übernommen und zusammen gestellt - und daraus ein Referat gezaubert oder eine schriftliche Arbeit. Diese Praxis irritiert mich, weil sie das eigene Nachdenken (nicht nur scheinbar) überflüssig macht. Die Leistung des menschlichen Gehirns besteht aus meiner laienhaften Sicht darin, verschiedene Informationen zu verknüpfen, zu bewerten und vielleicht sogar zu begründen. Diese Leistung wird kaum oder gar nicht abgefragt, wenn jemand praktisch dauern online ist und ausschließlich von Informationen aus dem Internet lebt. Das Internet selbst macht nicht dumm, aber der nicht weiter reflektierte Gebrauch kann sehr wohl das Gehirn beinahe überflüssig machen.

vor 2 Jahren und 90 Tagen

Voila. gehen wir von ca 5000 Jahren Menschheitsgeschichte aus, dann haben uns erst die letzten 50 Jahre technologisch beschleunigt. Zunächst sind die Medien eine mächtiges Tool zur Manipulation. Über die Lichtspielhäuser/Kinos hat Hollywood seit den 1920 Jahren global "Werte" verändert. Die Rundfunktechnologie hat z.B. Hitler und Konsorten sehr wohl überlegt und strategisch eingesetzt und damit die Massen indoktriniert. Das Farbfernsehen schließlich beschleunigte die Protestbewegung der 1960er mit den Kriegsbildern aus Vietnam. Diese Technologien der Massenemission waren sehr effektiv im Sinne einer diabolischen Kriegsführung gegen den Menschen. Der deutsche Durchschnittsjugendliche hat bei erreichen des 18. Lebensjahres ca. 10.000 Fernsehmorde intus! Die "interaktiven Medien" führen zu einer weiteren BINDUNG von KOSTBARER UND UNWIEDERBRINGLICHER LEBENSZEIT! Ein großes Problem: "Das iPhone in meiner Hand mit dem schönen angebissenen (symbolischen) Paradiesapfel sagt z.B: "Was hast Du mir schon zu sagen, ich habe das Wissen in meiner Hand, und ich brauche niemanden mehr, der mich belehrt!" Ein verhängnisvoller Irrglaube. Mal ganz abgesehen von ca. 60% oder mehr SCHROTT-INHALTEN und echtem Nonsens (Nicht Sinn!). Dazu kommt die Herausforderung mit den eigenen Kindern im Auto zu sitzen, OHNE dass jede(r) für sich unter einem HEADSET verschwindet und irgendwas hört, mit irgendjemanden, irgendwo in Kontakt zu sein, OHNE DA ZU SEIN WO MAN IN EINEM MOMENT EBEN SEIN KANN (gemäß dem Beispiel, gemeinsam im Auto unterwegs durch ein konkrete Landschaft die man gemeinsam erleben sollte). Den Schutzbefohlenen den Umgang vorzuleben ist das eine. Den verdummenden Verführungen zu widerstehen das Vorausgehende. Auch Christen unterscheiden sich leider immer weniger vom Rest der Welt. Auch da flackern allzuoft die TV,- PC,-Konsolen-Hausaltäre aber für gemeinsame Familienandacht, selbstgemachte Musik und gemeinsames Gebet ist wenig Zeit! ES SIND DER ZEITDIEBE VIEL ZU VIELE! ENDZEITZEICHEN!

Hopevor 2 Jahren und 90 Tagen

Früher war es das Radio, dann das Fernsehen, das angeblich dumm macht. Heute ist es das Internet. Skeptiker sehen in jedem Medium nur die Nachteile und nicht die Vorteile. Für das Internet gelten im Prinzip die gleichen Regeln, wie für alle Medien. Man kann damit Schindluder treiben, dann hat es negative Auswirkungen. Man kann es aber auch gezielt zur Bildung und Weiterbildung einsetzen, dann bringt es Segen und Gewinn. Es kommt auf den Menschen an, und was er damit macht. Eltern müssen ihre Kinder im richtigen Umgang mit dem Medium anleiten und aufpassen, was die Kinder damit anfangen. In jedem Fall ist es nicht das Medium Internet, das dumm macht oder dumm ist. Dumm ist nur der, der damit nicht umgehen kann!

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