Israel
26. März 2013

Das religiöse Miteinander wird intoleranter

Das religiöse Miteinander wird intoleranter
Foto: idea/Kairospress

Jerusalem (idea) – In Israel wird das religiöse Miteinander zunehmend intoleranter. Das beobachtet der höchste Repräsentant der EKD im Heiligen Land, Propst Wolfgang Schmidt (Jerusalem). Wie er in einem Interview mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte, liege das vor allem an der wachsenden Zahl ultra-orthodoxer Juden: „Denn sie haben sehr rigide Vorstellungen davon, was richtig und was falsch ist.“ Das führe auch in der Gesellschaft zu Debatten und Auseinandersetzungen. So werde gegenwärtig beispielsweise diskutiert, wie weit am Sabbat der öffentliche Verkehr stillzustehen habe. Ebenfalls umstritten sei die Befreiung ultra-orthodoxer Juden vom Wehrdienst. Kaum eine gesellschaftliche Rolle spiele hingegen die Gruppe der messianischen Juden, die Jesus als den im Alten Testament angekündigten Messias bezeugen. Nach Schmidts Worten sind sie in Israel eine „winzige Minderheit“. Das Interesse an ihnen nehme aber zu, weil an ihnen die Frage nach dem Verhältnis von Judentum und Kirche neu sichtbar werde. Auf die Frage, ob der Missionsbefehl Jesu am Ende des Matthäus-Evangeliums nur bestimmten Gruppen gelte, sagte der Propst: „Nach meinem Verständnis gilt der Missionsbefehl den ‚Heiden‘, nicht dem Volk Israel. Es geht ja darum, die Menschen zum Gott Israels zu führen. Das ist das Hauptanliegen dieses Abschnitts. Das ändert aber nichts daran, dass es Juden gibt, die sich zu Jesus bekehren – auch hier in Israel.“

In Israel herrscht großes Interesse an Deutschland

Mit Blick auf die Zukunft des Christentums im Heiligen Land sieht Schmidt eine doppelte Entwicklung. Während die Zahl der „traditionellen“ Christen, die seit den ersten Jahrhunderten in dieser Region zuhause sind, zurückgehe, wachse das Christentum besonders in den Ballungsgebieten Israels durch die Zehntausenden Gastarbeiter. Viele von ihnen kämen aus christlich geprägten Ländern, etwa von den Philippinen. „Sie besuchen ihre Gottesdienste und sorgen dafür, dass die Zahl der Christen in vielen Städten steigt“, so Schmidt. Die Bedeutung des Protestantismus – speziell der deutschen Gemeinde in Jerusalem – sieht der Propst vor allem in den „im wahrsten Wortsinn herausragenden Bauwerken“, etwa der Erlöserkirche in unmittelbarer Nähe zur Grabeskirche oder die Himmelfahrtkirche auf dem Ölberg, sowie verschiedene andere Gebäude in der Altstadt. Vor allem junge Israelis interessierten sich für die Stätten deutscher Geschichte in Jerusalem und Israel. Das zeige sich auch an der starken Resonanz auf eine aktuelle Ausstellung unter dem Titel „Der Kaiser kommt“, die auf den Besuch von Kaiser Wilhelm II. 1898 in Jerusalem anspielt, bei dem er die Erlöserkirche einweihte. Schmidt: „Insgesamt herrscht ein großes Interesse an Deutschland.“

Erschrocken über die Trennmauer

Kritik übte Schmidt an der Trennmauer, die Israel errichtet hat, um sich vor Angriffen militanter muslimischer Palästinenser zu schützen: „Als Deutscher, der jubelte, als die Mauer zwischen Ost und West 1989 fiel, nehme ich die Mauer hier in Israel immer erschrocken wahr. An den Checkpoints fühle ich mich oft zurückversetzt in die Zeit, als ich nach Ost-Berlin gereist bin.“ Auch gebe ihm der Verlauf der Mauer zu denken: „Wenn Israel es aufgrund der politischen Verhältnisse und der Situation im Land schon für nötig gehalten hat, diese Mauer zu errichten, dann frage ich mich, warum man sie nicht auf den Grenzen von 1967 errichtet hat.“ Die Art und Weise, wie die Mauer heute verlaufe, gebe „Anlass zur Vermutung, dass es noch andere Motive gibt, als nur den Terrorismus zu bekämpfen“. So halte die Grenzziehung vielfach die Palästinenser draußen, vereinnahme aber ihr Land auf die israelische Seite der Mauer. Nicht nur aus diesem Grund plädiere er für die so genannte „Zwei-Staaten–Lösung“. Schmidt: „Meiner Ansicht nach werden alle Ansätze, die sich nicht an einer Zwei-Staaten-Lösung orientieren, scheitern.“

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7 Kommentare

Iniusti Scientiavor 1 Jahr und 151 Tagen

Im Nahen und mittleren Osten wurden erst die Juden zu hunderttausenden verjagt und jetzt ist Hetze auf die Christen angesagt. Israel wird von dem Probst an den Pranger gestellt, weil ihm das offenbar politisch opportun erscheint. Der neue Probst ist ja nicht dumm. Er weiß, dass ihm von Israel keine Gefahr droht. Warum er allerdings die Hand beißt, die ihn schützt, kann nur er selber wissen. Spekuliert er darauf, dass er nach einer „Endlösung der Israelfrage“ noch in Jerusalem arbeiten kann? Er könnte da ziemlich enttäuscht werden. Wo in der arabischen Welt, kann denn ein Christ heute noch seinen Glauben frei ausleben? Selbst arabische Muslime können in Israel freier leben, als unter der palästinensischen Herrschaft, mit der sich Schmidt offenbar so arrangiert hat, wie weiland die „Deutschen Christen“ sich mit den Nazis . Dass er damit die Diktatur unterstützt und die palästinensischen Menschen im Stich lässt, ist deutlich. Denn sonst würde sich Schmidt auf die Seite derjenigen Palästinenser stellen, die wirklich das freie Wort suchen, die wegen eines einzigen Wortes oder eines Like-" Klicks" auf Facebook in palästinensische Gefängnisse wandern, statt sich darüber aufzuregen, dass Israel sich wirksam schützt: http://www.jpost.com/Breaking-News/Palestinian-imprisoned-for-Facebook-Like-308190

Iniusti Scientiavor 1 Jahr und 152 Tagen

„Kritik übte Schmidt an der Trennmauer, die Israel errichtet hat, um sich vor Angriffen militanter muslimischer Palästinenser zu schützen.“ Der arme Propst muss täglich unter schrecklichen Traumata leiden. Erst muss er den ummauerten Komplex der Erlöserkirche verlassen. Die Trennmauer errichteten die Protestanten, um sich vor militanten Einbrechern zu schützen. Dann erreicht er die historische Stadtmauer Jerusalems, die errichtet wurde, um die Stadt vor militanten Feinden zu schützen. Aber wirklich schlimm ist nur die von Juden (Israelis) errichtete Trennmauer, denn es ist absolut inakzeptabel für den nächstenliebenden evangelischen Pastor, dass Juden sich vielleicht vor Mördern schützen könnten. Nein, die Israelis haben keine Angst vor „Angriffen militanter muslimischer Palästinenser“, sondern haben im Laufe der Intifada gut 1000 Tote durch massenmordende Selbstmordattentäter hinnehmen müssen. Dieser Spuk endete zufällig zeitgleich mit der Errichtung der Trennmauer. Weil Schmidt ja nun auch Deutscher ist, wirft seine Kritik – so wie er sie formuliert hat – einige schlimme Fragen auf: Verweigert er den Juden das Recht, sich vor Massenmord zu schützen? Da er die „angreifenden militanten muslimischen Palästinenser“ nicht kritisiert, stimmt er deren willkürlichen Massenmord an Zivilisten etwa zu?

Johannes3.16vor 1 Jahr und 152 Tagen

Noch bevor die Politik auf die Idee kam, auch im kleinen Israel (so groß wie Hessen) einen zweiten Araber-Staat zu errichten - der erste ist schließlich Jordanien - hat genau das die Kirche gefordert. Das ist Fortsetzung des kirchlichen Antisemitismus, auch wenn es keiner so aussprechen mag. Einer der Vorgänger von Schmidt war der frühere bayerische Bischof Friedrich, der zuvor einige Jahre in Jerusalem Propst war. Er hat nie den Ansprüchen der lutherischen "Palästinenser" (Nasser, Younan, Raheb) widersprochen, die sich wie Arafat (!) als wahre Nachkommen von JESHUA und David betrachten und damit auch GOTTES EIGENTUM ISRAEL als ihr Erbe ansehen. Das beinhaltet, dass damit zugleich auch alle göttlichen Verheißungen, die allein Israel gelten, auf die Araber übergingen. Aus den Ansprüchen der "palästinensischen" Araber erwuchs die "Palästinensische Theologie", die sozusagen die alte kirchliche Enterbungs-Theologie toppt und zu festigen versucht. Weder Friedrich noch die gesamte EKD-Spitze haben dem widersprochen - im Gegenteil, die etwa 3.000 Lutheraner in Israel und Jordanien erhalten aus den vollen Töpfen der EKD erheblich finanzielle Zuwendungen, die erst ihre Existenz inmitten von PLO und HAMAS ermöglichen. Dass der Vorwurf des Antisemitismus in Richtung der lutherischen Kirche(nleitung) nicht aus der Luft gegriffen ist, belegt auch eine jüngste "Orientierungshilfe: Gelobtes Land - Land und Staat Israel in der Diskussion", die 2012 von einem "Gemeinsamen Ausschuss ´Kirche und Judentum´ der EKD, der UEK sowie der VELKD" herausgegeben wurde. Es mag interessant sein in diesem Zusammenhang, dass sogar der Koran (obwohl für uns in keiner Weise akzeptabel) sowohl in einer frühen mekkanischen Sure (7:137) als auch in einer späteren medinischen Sure (5:21) feststellt, dass das Land westlich und östlich (!) des Jordan den "Kindern Israel" (von Allah) zum "Erbe" gegeben sei.

heplevvor 1 Jahr und 156 Tagen

>>Nach meinem Verständnis gilt der Missionsbefehl den ‚Heiden‘, nicht dem Volk Israel.<< Der Probst scheint Römer 1,16 nicht zu kennen. Der Missionsbefehl (Mtt.18,16-20) Das Volk Israel ist wohl kein Volk? Und wenn "die Bedeutung des Protestantismus" vor allem "in herausragenden Bauwerken" besteht, dann dürfte der Dienst der Protestanten reichlich unbedeutend sein. Wenn Mauern statt Menschen Bedeutung haben, dann läuft gewaltig etwas schief. Apropos Mauern: Dass "die Mauer" zu über 95% aus Zaun besteht und nicht nach politischen, sondern nach Sicherheitsgesichtspunkten gebaut wurde, ist dem Mann auch völlig Schnuppe, ebenso, dass es 1967 keine Grenzen gab, sondern nur Waffenstillstandslinien - einen solchen Ignoranten nach Israel zu schicken ist schlicht dumm und boshaft. Er hat theologisch gewaltige Defizite - auch in Sachen Zeitgeschehen mangelt es. Da kann man nur den Kopf schütteln.

MatthiasKleinvor 1 Jahr und 156 Tagen

„Nach meinem Verständnis gilt der Missionsbefehl den ‚Heiden‘, nicht dem Volk Israel." Wie viele Jahre und wie viel Lektüre von erlogenen Schriften sind nötig, damit man auf so eine absurde Aussage kommt?

esszetthivor 1 Jahr und 156 Tagen

Hat der Apostel Paulus etwa den Missionsbefehl Jesu falsch verstanden, dass er das Evangelium zuerst den Juden brachte (z.B. Apg 17,17) und sich nicht schämte, es ihnen als rettende Kraft zu verkünden (Röm 1,16)?

Torah Tommyvor 1 Jahr und 156 Tagen

Den Artikel halte ich für sehr tendenziös. Wo sind die Hinweise auf intolerante, antisemitische Äußerungen von christlichen Kirchen in Israel, wie z.B. der griechisch-orthodoxen und der katholischen? Warum wird immer Israel an den Pranger gestellt? Wann erkennen die christlichen Kirchen endlich, dass der Antisemitismus mit all seiner Intoleranz tief in seiner Geschichte und seiner theologischen Entwicklung begründet ist und erst dann, wenn eine echte Umkehr und eine Rückbesinnung auf die jüdischen Wurzeln stattfindet, echte Versöhnung mit den Juden und mit Israel geschehen kann?

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