30. August 2012

„Nicht die Beschneidung macht den Juden“

„Nicht die Beschneidung macht den Juden“
Der jüdische Historiker Michael Wolffsohn. Foto: Initiative Hauptstadt Berlin e.V.

Berlin (idea) – Der Historiker Michael Wolffsohn (München) hat die Bedeutung der Knabenbeschneidung im Judentum abgeschwächt. Er schaltete sich jetzt in die Debatte um das Urteil des Landgerichts Köln ein, das im Juni eine Beschneidung aus religiösen Gründen als „rechtswidrige Körperverletzung“ bezeichnet hatte. „Nicht die Beschneidung macht den Juden“, schreibt der Jude in einem Beitrag für die Tageszeitung „Die Welt“ (Berlin). Das jüdische Religionsgesetz sei eindeutig: „Ein unbeschnittener Jude ist Jude, sofern er Sohn einer jüdischen Mutter ist.“ Zwar erweckten die meisten deutsch-jüdischen und israelischen Debattenbeiträge den gegenteiligen Eindruck, „d...

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4 Kommentare

Carovor 1 Jahr und 322 Tagen

Es sollte bedacht werden, dass die Beschneidung ein traumatisches Erlebnis ist. Es gibt genügend Berichte von Moslems, die die Beschneidung als puren Horror erlebt haben. Warum kann die Beschneidung nicht erfolgen, wenn der Betroffene religionsmündig ist? Die Beschneidung mit dem Ohrläppchenstechen (diese wachsen nach einiger Zeit wieder zu und sind kein operativer Eingriff) zu vergleichen, ist nicht angebracht. Ich meine aber, auch dieses sollte erst gemacht werden, wenn das Kind eine Einwilligung geben kann.

KODOMOvor 1 Jahr und 323 Tagen

Hallo Jesaja53,5, danke für deinen Einwand. So hatte ich das natürlich nicht gemeint, aber ich muss zugeben, dass ich zu ungenau formuliert habe. Sagen wollte ich, dass wohl niemand auf die Idee käme Ohrlochstechen an Kindern als ein Vergehen gegen die körperliche Unversehrtheit des Kindes anzuprangern. Strenggenommen ist es das aber! Auch da gibt es hin und wieder Komplikationen, die ärztlich behandelt werden müssen. Ich wollte sagen, wenn religiöse Beschneidung an Jungen als ein strafbarer Akt eingestuft wird, müsste logischer Weise auch das Ohrlochstechen an Kindern verboten werden. Auch für mich ist dies eine künstliche Diskussion, die aber Millionen von Menschen in Schwierigkeiten bringt. Doch an der Stelle, wo es nicht nur um das körperliche Wohl, sondern um das Leben von Kindern geht, sind unsere Richter stumm. Ich kann nicht glauben, dass es den Lostretern dieser Diskussion wirklich um das Kindeswohl geht!

Jesaja53,5vor 1 Jahr und 326 Tagen

Hmm , ich halte diese ganze Diskussion für fragwürdig. Dennoch denke ich, dass man Kinder eben nicht beschneiden sollte. Es ist und bleibt ein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit. Beschneidungen nun zu rechtfertigen, weil man ja auch nicht einschreitet, wenn Kindern Löcher in die Ohren gestochen werden, bzw. man ja auch nichts gegen Abtreibungen unternimmt, halte ich für haltlos und kann ich für mich als Argument nicht gelten lassen. Ebenso könnte ich ja sagen, es fahren 10 % der Leute schwarz in der Bahn, dann kann ich das ja auch machen. Oder hinten werden Leute verprügelt, dann kann ich meinem Nachbarn ja auch eine Ohrfeige verpassen.

KODOMOvor 1 Jahr und 327 Tagen

An dieser Stelle bin ich parteiisch. Meiner Meinung nach wird durch ein Beschneidungsverbot die Selbstbestimmung des Kindes ins Groteske verzerrt. Wer denkt eigentlich an die körperliche Unversehrtheit, wenn Mama dem Baby Ohringlöcher stechen lässt? Oder wesentlich schlimmer, wenn dem werdenden Mensch die Geburt verweigert wird? Für die historische Klarstellung bezugs Beschneidung ist Herrn Wolffsohn zu danken. Trotzdem ist ein Beschneidungsverbot eine schwere Einschränkung Religion in Freiheit zu leben zu dürfen! Diese Einschränkung ist total unglaubwürdig, solange Abtreibungen und Piercings an Kindern erlaubt sind. Herrn Wolffsohn ist auch dafür zu danken, dass er unseren Blick mal wieder auf unsere jüdischen Wurzeln lenkt. Allerdings, die Formulierung, 'die Taufe sei kein urchristlicher, sonderen auch ein jüdischer Brauch', ist irreführend. Ohne hier auf alles eingehen zu können, was diese Frage betrifft, möchte ich darauf hinweisen, dass das Judentum verschiedene Taufen kennt und schon immer kannte, die gegebenenfalls immer wieder wiederholt werden mussten, bzw. konnten. Das urchristliche, das eine Taufe zu einer christlichen Taufe macht ist, dass der Täufling im Namen des Vater, des Sohnes und des Heiligen Geistes in den Tod und die Auferstehung Jesu Christi hineingetauft wird, was nur einmal im Leben passiert. Auch eine Taufwiederholung ist aus der Sicht des Betroffenen eine Ersttaufe.

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