Internationale Tagung
25. Mai 2013

Wie wird auf dem Dorf künftig Gottesdienst gefeiert?

Der Professor für Praktische Theologie, Michael Herbst. Foto: IEEG/Martin Alex
Der Professor für Praktische Theologie, Michael Herbst. Foto: IEEG/Martin Alex

Greifswald (idea) – Die Kirche auf dem Land muss von der Vorstellung pastoraler Vollversorgung Abschied nehmen. An die Stelle des Gottesdienstes als anspruchsvolle Musik- und Rhetorikvorführung müssen leichtere, schlichtere und eigenständigere Formen kirchlichen Lebens im Dorf treten. Diese Ansicht vertrat der Professor für Praktische Theologie, Michael Herbst (Greifswald), bei einer internationalen Tagung des Instituts zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung, die vom 23. bis 25. Mai in Greifswald stattfand. Die Tagung mit 120 Teilnehmern beschäftigte sich mit der Frage, wie die Kirche in schrumpfenden, ländlichen Regionen überleben kann. Herbst zufolge ist es ...

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8 Kommentare

bringdicheinvor 1 Jahr und 170 Tagen

Ich selbst wohne im ländlichen Raum und finde es gerade gut, wenn man sich persönlich kennt oder / oder kennenlernen will. Wir sollten wieder mehr aufeinander zu gehen. Ich persönlich halte nicht viel von theoretischen Predigten und Gottesdiensten, wo überwiegend Einer fast alles managt und alle anderen sind wie in einer früheren Schulklasse nur Zuhörer. Mein Motto ist: Aus der Praxis für die Praxis. Gib weiter, was Gott dir in seinem Wort und in der Stille klar gemacht hat, was du erlebt hast, wo du Probleme hast und Gott hat dir direkt oder durch Menschen geholfen hat. Sei Zeuge dessen, wer und was Gott dir bedeutet und was du ihm bedeutest. Jesus war persönlich auf dieser Erde und am Kreuz, nicht theoretisch. Sollen nicht auch Älteste Lehrer des Wortes Gottes sein? Das gleiche könnte auch durch das Presbyterium geschehen, wenn man es ließe. Gott gibt seinen Geist Menschen, die ihm gehorchen und nicht "nur" solchen, die ein Studium oder Ausbildung hinter sich gebracht haben. Wir müssen anfangen die Bibel zu leben. Manche von uns Menschen eingeführte Traditionen sind Hindernisse für den Menschen, glauben zu können. Glaube von und mit Gott ist immer praktisch und lebendig, nichts Totes. Wir glauben an den lebendigen Gott und nicht an eine tote Religion. Machen wir uns auf, es gibt genug zu tun, in der Kraft, die Gott uns schenken will. Viel Freude und Mut dazu.

milanvor 1 Jahr und 179 Tagen

"Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen." Sollte das nicht mehr gültig sein? Es wird dazu allerdings notwendig sein, ein neues (altes) Bibelverständnis zu bekommen. Gemeinde könnte aussehen wie vor 1950 Jahren mit Gemeindevorstehern, die ihre Brötchen durch Arbeit verdienen, wie Paulus selbst auch.

Franzvor 1 Jahr und 180 Tagen

Hier geht es nicht um die Frage "Agendarischer Gottesdienst oder freiere Formen", sondern um die Frage eines Gottesdienstes in den Dörfern. In vielen Dörfern schwinden die Voraussetzungen für einen normalen evangelischen Gottesdienst. Dazu ist eine funktionstüchtige Kirche, ein passabler Organist und ein Pfarrer, Lektor oder Prädikant nötig - und eine Gemeinde, die zahlreich genug ist, dass der Gesang trägt. Eine Gemeinde von 12 Leuten schafft das, 5 sind eigentlich zu wenig. In vielen Dörfern sind die nötigen Voraussetzungen für den evangelischen Gottesdienst nicht mehr gewährleistet. Der Edeka kann einfach schließen, die Kirche schließt nicht so schnell. Die Frage ist, wie in Zukunft unter den Bedigungen des Mangels ein Gottesdienst gefeiert werden kann. Da bin ich auch gespannt, aber ich bin mir sicher, dass es dafür Wege gibt, wenn Menschen das Beste von dem Wenigen, was sie haben, vor Gott zusammenführen.

Vstansaveruvor 1 Jahr und 181 Tagen

Das Problem ist gleich im ersten Satz auf den Punkt gebracht: "Der evangelische Gottesdienst als mehr oder minder anspruchsvolle Musik- und Rhetorikaufführung." Als Analyse des gegenwärtigen Istzustandes und wahrscheinlich auch des Selbstverständnisses ist das treffend formuliert. Das Problem ist, dass diese Auffassung dessen, was Gottesdienst ist, ins Sekundäre trifft und am Wesen des Gottesdienstes absolut vorbeigeht. Nur hat man eben die Tatsache, dass Kirche und Gottesdienst nicht Theater ist, offenbar weitgehend vergessen. Vielleicht gibt es hier und da noch Berührungen mit diesem Wesentlichen des Gottesdienstes, aber diese sind wohl eher zufälliger Natur. Der Punkt ist doch der, dass es letzendlich um die Einübung rechten Gebets, rechter Anbetung, rechter Verherrlichung Gottes geht. Die Verantwortung der Kirche besteht an dieser Stelle darin, hinzugehen, zu Jüngern zu machen, die Völker ("die Heiden") auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes zu taufen, alles halten zu lehren, was Jesus Christus als unser HERR und Heiland befohlen hat. Eigene, "menschliche Erfindungen" sind dabei eigentlich nicht gefragt. Es kommt darauf an, dass wir - mit Gottes Hilfe - wieder zurück zu GOTT selbst finden.

1Kor13-13vor 1 Jahr und 181 Tagen

Lieber Leo, wo sind denn die massenhaften jungen Buddhisten, Hinduisten und Neuheiden in Deutschland? Ich kann sie nicht erkennen. Wohl aber kann ich erkennen, dass unsere Gottesdienste an 4/5 unserer Mitglieder vorbei gehen, weil sie - wenn man es ganz böse ausdrückt - liturgische Museumsveranstaltungen für eine bestimmte gebildete Bevölkerungsschicht darstellen. Für diese Bevölkerungsschicht mag diese Art, Gottesdienst zu feiern, angemessen und ernsthaft und lebendig sein. Für die anderen ist es das nicht. Da gilt nach wie vor die Frage, wie "Kirche der Griechen für die Griechen" auszusehen hat. Das Gottesdienstbuch sagt seit über 13 Jahren, dass der Gottesdienst sehr wohl von agendarischer Schönheit sein soll, dass er aber mit den einzelnen Stücken der Agende gleichermaßen die Sprache (und somit auch Musik) der Gegenwart wie der Tradition nutzen sollte. Diese Forderung ist von Anfang an in den meisten Gemeinden nicht eingelöst worden. Wer nur auf die Sprache der Tradition setzt, bewahrt die sprichtwörtliche Asche auf, hält aber nicht das Feuer am brennen. Und wenn es zu kalt wird, dann bleibt man eben weg. Ich mag gut gefeierte traditionelle agendarische Gottesdienste. Manchmal. Auf keinen Fall immer. Als Regel wünsche ich mir moderne agendarische Gottesdienste. Schon allein, weil sie nicht so viele Menschen vom Gottesdienst fernhalten. Und weil mir immer wieder von Menschen, die eine solche Feier erleben und die den traditionellen Feiern seit Jahren und Jahrzehnten ferngeblieben sind, gesagt wird, wie wohl sie sich in lockeren modernen Gottesdiensten fühlen und sich sehr wohl vorstellen könnten, in solche Gottesdienste öfter zu kommen. Der Herr hat seine Jünger nicht mit agendarischen Gottesdiensten in die Dörfer geschickt. Agende ist nicht alles. Aber er hat sie mit seiner Liebe (zu den Menschen, nicht zur lutherischen Liturgie) geschickt. Diese Liebe zu den Menschen vermisse ich bei vielen Liturgen. Stattdessen nehme ich kirchliche Machtausübung wahr: "Wer zu uns in den Gottesdienst kommen will, muss sich unserer Tradition beugen!" Lautet der göttliche Auftrag nicht vielmehr: "Feiert den Gottesdienst so, dass Menschen angesprochen und nicht ausgeschlossen werden!"? Frei nach 1. Kor 13: Und wenn ihr den agendarischsten lutherischsten Gottesdienst feiert, dann ist er sinnlos und unchristlich, wenn er lieblos an den Menschen vorbei gefeiert wird, wenn er eine liturgische Unterwerfung fordert und nicht das musikalische und sprachliche Aufnahmevermögen der Menschen berücksichtigt, zu denen Gott uns gesendet hat.

milanvor 1 Jahr und 181 Tagen

Das christliche Abendland am Rande des Abgrunds? Das Produkt "Kirchliche Versorgung" wird zur Mangelware in ländlichen Gebieten. Bedeutet Gottesdienst denn nun Gott zu dienen oder sich bedienen zu lassen? Bei vielen Religionen muss man sich unterwürfig zeigen, große Opfer bringen, die Gottheit besänftigen mit Ritualen, sklavenhaftem Verhalten und ähnliches mehr, ohne Gewissheit zu haben, das man das Gewünschte erfährt. Im Gegenteil, das Joch ist schwer und insbesondere bekehrte Ex-Hindus können ein Lied davon singen, mit ihren zig-tausend Dämonen. --- Sie mögen zahlreich sein, die sich einmal auf den Weg gemacht haben, zu Gott zu gelangen, und noch mehr sehnen sich danach. Die Christenheit in der postchristlichen Zeit hat, ja es stimmt, sehr große Probleme wie: Echtheit, Bekehrung, Gehorsam, Leiterschaft, Nachfolge, Kenntnis, Erkenntnis, Veränderung, Bereitschaft, Anbetung, Ehre geben, Demut. Außer diesen 12 gibt es weitere. Da gibt es eineserseits den Missionsbefehl, der, bitte berichtigen Sie mich, bis heute nicht aufgehoben wurde. Der gilt allen Menschen gegenüber, die Jeshua noch nicht als ihren Herrn angenommen haben. Zum anderen gilt: wer sucht, der findet; wer bittet, der empfängt; wer anklopft, dem wird aufgetan. Gott hat es in jedes Herz gelegt, IHN zu suchen. Das zusammen beweist die Eigenverantwortlichkeit eines jeden Menschen in puncto Schöpfer und Erlösung. Niemand kann sich da herausreden. Dass die Kirchen abgedreht sind zu anderen Ufern entlässt mich nicht aus meiner Verantwortung. Aber mehr als Gottes vorbereitete Werke kann ich nicht tun. Nur wie komme ich zu entsprechender Kenntnis? Gott spricht auf dreierlei Art: durch sein Wort, durch Geschwister und durch seinen Geist, der mitunter akustisch für den einzelnen wahrnehmbar ist. Die obige Bankrotterklärung bringt es auf den Punkt. Die menschlichen Organisationen brechen weg. Die Inseln werden kleiner und seltener. Religiöses Gehabe bringt niemanden weiter. Gott liess Jerusalem zerstören und der Prophet Jirmejahu (Jeremia) bezeugte, dass dies geschah, damit Gott ein neues Jerushalaim aufbauen konnte. Das religiöse Christentum zerfällt, damit die Braut des Herrn sich zielgerichtet hervorbringen lassen kann. Es liegt an jedem einzelnen selbst zu wählen, mit wem er in welche Richtung gehen will. An ihren Werken wird man sie erkennen, die Kinder Gottes und auch die Kinder Satans. Andere Kinder gibt es nicht. Weniges wird mehr vom Teufel gehasst als schwarz-weiß-Denken. Auch "Christen" eiern oft lange genug herum, bevor sie eine echte Entscheidung treffen mit und für Jeshua zu gehen und zu stehen. Ein Christ ist niemals allein, sondern wenigstens zu zweit. Dieser Trost sollte schon Gewissheit sein. Vergessen wir eines nicht. Es ist Adonai, der sein Reich baut und wir sind seine helfenden Kinder, die anderen Geistes sind. Seien sie reichlich gesegnet im Namen Jeshua Adonai.

Lisettevor 1 Jahr und 181 Tagen

Ich bin nicht durch die traditionellen Sonntagsgottesdienste zum Glauben gekommen, sondern bin in einer Krise auf die Internetpredigten von Herrn Pfr. W. Scheffbuch und Herrn Pfr. U. Parzany gestoßen. Diese Wortverkündigungen haben mich aus der Krise geführt und zum Glauben gebracht. Ich kann ohne das Wort Gottes nicht mehr sein, jedoch ohne den flachen Landgottesdienst allemal.

Leovor 1 Jahr und 182 Tagen

Ich vermisse den Hinweis auf die Dimension der Geistlichen Übung eines agendarischen Gottesdiensts. Der evangelischer Gottesdienst der Tradition muss nämlich gelehrt und gelernt werden. Nur dem Übenden erschließt sich die Tiefe und letztendlich auch die Schönheit, die in ihm verborgen schlummert. Unseren Schatz gilt es zu heben und damit zu „wuchern“. Die „Weglassmentalität“, die seit Jahren in unseren bayerischen Gottesdiensten um sich greift, führt lediglich zur Banalisierung des Gottesdienstes. Es wird immer wieder in unserer Kirche behaupten, dass die größten Barriere für das Engagement von jungen Menschen in der Kirche der traditionelle Gottesdienst sei. Das stimmt aber so nicht. Finden nicht gerade sehr strenge traditionelle Formen des Buddhismus und Hinduismus oder so manche esoterische Absurdität großen Anklang bei suchenden Menschen? (Gar nicht zu sprechen von sogenannten Neuheiden, die sich allerhand obskuren Ritualen, streng nach Vorschrift von selbsternannten Zauber- und Hexenmeistern, unterwerfen). Bedenklich ist auch, dass das Abendmahl wegen angeblich fehlender „Erlebnisqualität und theologischen Unklarheiten“ immer noch ein Schattendasein in unseren Gottesdiensten fristet. Dabei wüsste man es doch besser. In den kürzlich erschienenen und wunderbaren Basistexten der VELKD zu den Themen Taufe, Beichte und Abendmahl heißt es zu der Frage wie oft man zum Abendmahl gehen soll: „Sooft wie möglich. Eingeladen sind wir immer“. Auch die behauptete „theologischen Unklarheiten“ sind längst nicht so unklar für Lutheraner wie so manche und mancher glauben machen will. (Siehe CA X).Dass diese Klarheit nicht jeder und jedem passt ist eine andere Geschichte. Martin Luther selbst nannte das Heilige Abendmahl die „tägliche Weide und Fütterung" und meinte, dass man gar nicht oft genug gehen kann. „Wer das Abendmahl meidet, ist kein Christ" sagte er. Und, dass man sich nicht aus lauter vermeintlicher Unwürdigkeit davon fernhalten soll, weil das Unsinn wäre. (Alles nachzulesen in seinen Schriften). Der an dieser Stelle reflexartige Verweis auf die „evangelische Freiheit“ ist hier nicht zielführend. Verdenkt er doch oft genug die eigene Unzulänglichkeit und spricht, einem sich am Mainstream orientiertem Subjektivismus nach dem Mund. Die „evangelische Freiheit“ besteht eher darin Gottes Wort „trotzdem“ zu gehorchen und es reichlich unter uns wohnen zu lassen. Selbst dann, wenn es vermeintlich keine „Erlebnisqualität“ aufweisen kann. Der Blick in die innerprotestantische Ökumene lehrt. Ein agendarischer Gottesdiensts der Tradition kann dennoch ansprechend und modern gestaltet werden. (siehe: Evangelical Lutheran Church in America, Protestant Episcopal Church in the United States of America, The Anglican Communion, Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche u. v. m.) Eine verbindlichere Orientierung an den gebotenen Agenden unserer Kirche (Psalm, Kyrie, Gloria, je eine Lesung aus den AT, den Briefen des NT und dem Evangelium, Credo, Vaterunser ...) verhindert das so manche Privatmeinung der Liturgin oder des Liturgen zu großen Stellenwert im Gottesdienst bekommt. Eine Predigt kann auch unter 10 Minuten „gut“ sein. Der agendarische Gottesdienst ist die Frömmigkeit des Gelassenseins, die dem Wort Gottes etwas zutraut – nicht zuletzt auch zutraut, dass das Wort – sich seine Hörer selber schafft, wie Karl Barth einmal formulierte. Ich empfehle dringend die Lektüre des Buches von Professor Martin Nicol: „Weg im Geheimnis“ (ISBN 978-3-525-60221-8). Nicol unterrichtet Praktische Theologie an der Universität Erlangen-Nürnberg)

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