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13. Juni 2017

TV-Dokumentation zeigt Hass auf Juden in Europa

Arte und WDR wollen den Film nicht ausstrahlen – bild.de stellt ihn am 13. Juni 24 Stunden lang online. Screenshot: bild.de
Arte und WDR wollen den Film nicht ausstrahlen – bild.de stellt ihn am 13. Juni 24 Stunden lang online. Screenshot: bild.de

Berlin (idea) – Ablehnung gegenüber Juden und dem Staat Israel ist in Europa weiter verbreitet als angenommen. Das geht aus der Dokumentation „Auserwählt und Ausgegrenzt – der Hass auf Juden in Europa“ der Filmemacher Joachim Schröder und Sophie Hafner hervor. Das Internetportal bild.de zeigt den 90-minütigen Film am 13. Juni online. Ursprünglich hatten Schröder und Hafner den Streifen für die Fernsehsender Arte und WDR produziert. Aber beide wollten ihn anschließend nicht ausstrahlen – wegen „handwerklicher Bedenken“, wie es hieß. Der Programmdirektor von Arte, Alain Le Diberder, nannte den fehlenden „Proporz“ der Drehorte als einen Grund, und dass der dritte vorgesehene Autor des Films – der deutsch-palästinensische Publizist und Psychologe Ahmad Mansour – schließlich nur als Berater fungierte. Wie „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt schrieb, sollen sich die Leser und Zuschauer selbst ein Urteil bilden: „Unsere historische Verantwortung verpflichtet uns, den Unsäglichkeiten entschlossen entgegenzutreten, die diese Dokumentation belegt. Dazu müssen alle wissen, womit wir es zu tun haben.“

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EU-Parlament: Stehende Ovationen für Falschbehauptung von Palästinenser-Präsident

Die Dokumentation beginnt mit einer Szene im EU-Parlament. In einer Ansprache behauptete Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas dort am 23. Juni 2016: „Vor nur einer Woche haben Rabbiner in Israel ihre Regierung aufgefordert, unser Wasser zu vergiften, um Palästinenser zu töten.“ Das sei „Anstiftung zum Massenmord“. Statt Protesten gibt es am Ende der Ansprache stehende Ovationen der Abgeordneten. Der damalige EU-Parlaments-Präsident und jetzige SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz soll anschließend über den Kurznachrichtendienst Twitter mitgeteilt haben: „Eine inspirierende Rede.“ Nach Protesten zog Abbas die Behauptung zurück: Er sei „falsch informiert“ worden.

Kirchliche Organisationen widmen sich „notorisch“ dem Wohl der Palästinenser

Kritik üben die Filmemacher auch an zahlreichen im kirchlichen Umfeld agierenden Nichtregierungsorganisationen, die sich „notorisch“ dem Wohl der Palästinenser widmeten. Als Beispiele nennen sie unter anderen die evangelische Hilfsaktion „Brot für die Welt“, das christlich-humanitäre Hilfswerk „World Vision“ und die katholische Organisation „Pax Christi“. So habe „Brot für die Welt“ zwischen 2013 und 2015 rund 800.000 Euro an die israelische Nichtregierungsorganisation „B’tselem“ überwiesen. Sie ist umstritten, weil sie Israels Regierung „Apartheid und Nazi-Methoden“ vorwirft. Schröder und Hafner zufolge bekommt weltweit niemand mehr Geld pro Kopf als die 4,6 Millionen Palästinenser in der Westbank und im Gazastreifen. Das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen für die Palästinenser habe ein Jahresbudget von 1,36 Milliarden Euro. Ein Großteil davon versickere aber über korrupte Kanäle. Seriösen Schätzungen zufolge zahlten zudem die Europäische Union, europäische Regierungen, Kirchen und UN-Organisationen jährlich rund 100 Millionen Euro an Nichtregierungsorganisationen, die gegen Israel agitierten.

Frankreich: Immer mehr Juden wandern nach Israel aus

Die Doku zeigt ferner Demonstrationen gegen Juden in europäischen Städten. So gingen während des Gaza-Kriegs 2014 Tausende in Berlin, Frankfurt und Essen auf die Straße und skandierten Hassparolen gegen Israel: „Tod den Juden“, „Tod Israel“ und „Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein“. In der Pariser Vorstadt Sarcelles, wo 13.000 Juden bislang friedlich mit Christen und Muslimen zusammenlebten, verbreiteten ebenfalls 2014 Algerier einen Aufruf: „Palästina, kommt ausgerüstet mit Mörsern, Feuerlöschern, Knüppeln. Wir nehmen uns das Judenviertel vor.“ 3.000 Demonstranten zogen daraufhin zur Synagoge und griffen sie an. Seitdem lebten jugendliche Juden in Sarcelles in Angst. „Wenn wir in die anderen Viertel gehen, riskieren wir unser Leben“, sagt einer. Nach Worten des Bürgermeisters wanderten inzwischen immer mehr Juden nach Israel aus.

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