Mittwoch • 13. Dezember
Theologieprofessor
01. Dezember 2017

Syrische Christen wollen nicht zurückkehren

Ein Flüchtlingslager im Libanon. Foto: idea/Karsten Huhn
Ein Flüchtlingslager im Libanon. Foto: idea/Karsten Huhn

Bielefeld (idea) – Viele orthodoxe Christen, die aus Syrien geflohen sind, wollen auch nach einem Sieg über die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) nicht zurückkehren. Davon ist der Theologieprofessor Martin Tamcke (Göttingen) überzeugt. Bei einem Besuch in einem Flüchtlingszentrum im Libanon habe er erfahren, dass gerade junge Christen oft keine Perspektive in ihrem Heimatland sähen. „Sie haben den Eindruck, dass sie in der Region nicht willkommen sind“, sagte Tamcke vor der Synode der Evangelischen Kirche von Westfalen in Bielefeld. Nach wie vor verließen viele Christen aus Angst um ihr Leben das Bürgerkriegsland. Mittlerweile lebten in Deutschland und Schweden mehr syrisch-orthodoxe Christen als in Syrien selbst. Auch in anderen islamischen Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas würden Christen verfolgt und benachteiligt, etwa in Ägypten, Eritrea, dem Iran und der Türkei. Im Nahen Osten sei die Erinnerung an den Völkermord an Armeniern und anderen christlichen Minderheiten im Osmanischen Reich zwischen 1915 und 1917 noch lebendig. Dabei kamen 1,5 Millionen Menschen ums Leben. Aus dem Osmanischen Reich ging 1923 die Türkei hervor. Die türkische Regierung bestreitet bis heute, dass es den Völkermord gegeben hat.

ANZEIGE

Westfälische Kirche kritisiert „Glaubensprüfungen“

Die westfälische Kirche kritisiert zudem „Glaubensprüfungen“ für Asylbewerber, die vom Islam zum Christentum übertreten. Diese Prüfungen durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), bei denen vor allem Wissen über das Christentum abgefragt werde, seien nicht aussagekräftig. „Der Umfang des Wissens um christliche Inhalte kann nicht als Gradmesser für den Glauben gelten“, so der Beschluss. Außerdem gebiete das grundgesetzlich garantierte Selbstbestimmungsrecht der Kirchen (Artikel 4 und 140 Grundgesetz), dass staatliche Stellen die Taufe als Ausdruck der persönlichen Glaubensüberzeugung anerkennen.

Diskutieren

Die Kommentarfunktion für diesen Beitrag ist geschlossen. Nach dem Erscheinen eines Artikels kann dieser fünf Tage kommentiert werden.

6 Kommentare
Kommentare sind ausgeblendet.
Zum Einblenden der Kommentare hier klicken.
Diese Woche lesen Sie
  • Künstliche Intelligenz Wenn Roboter uns ersetzen
  • Jerusalem Der Streit um die „Heilige Stadt“
  • Pro & Kontra Müssen die Flüchtlinge wieder zurück?
  • Abtreibungen Für Verbotenes wirbt man nicht!
  • Faktencheck Jerusalem – auch für Christen eine besondere Stadt
  • mehr ...
ANZEIGE