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IGFM
08. November 2017

Religiöser Extremismus ist häufig Fluchtursache

Auch die meisten Flüchtlinge, die im Libanon in Lagern wohnen, sind vor Extremismus geflohen. Foto: Karsten Huhn
Auch die meisten Flüchtlinge, die im Libanon in Lagern wohnen, sind vor Extremismus geflohen. Foto: Karsten Huhn

Berlin (idea) – Religiöser Extremismus und Spannungen zwischen Religionsgruppen sind häufig Fluchtursachen. Dieser Ansicht ist der Vorstandssprecher der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), Martin Lessenthin (Frankfurt am Main). Er äußerte sich bei der Vorstellung der Jahrbücher „Religionsfreiheit 2017“ und „Verfolgung und Diskriminierung von Christen 2017“ am 8. November in Berlin. Lessenthin zufolge ist die Situation vor allem für Minderheiten in vielen Ländern „dramatisch schlecht“. Die Täter seien häufig politisch Mächtige in kommunistischen Diktaturen wie in Nordkorea, China und Vietnam. Zudem verfolgten Fanatiker wie Islamisten, Hindu-Extremisten oder auch militante Buddhisten religiöse Minderheiten. Zu den bekanntesten Opfergruppen zählten orientalische und afrikanische Christen, Jesiden, Baha’i, muslimische Rohingya, Sufis und Ahmadiyya-Muslime. Religiös motivierte Menschenrechtsverletzungen gebe es auch bei den blutigen Konflikten zwischen den islamistischen Richtungen Sunniten und Schiiten im Irak sowie in Syrien. Als „Weltmeister“ im Foltern und Hinrichten bezeichnete Lessenthin China. Ein wichtiger Beitrag Deutschlands zur Überwindung von Fluchtursachen wäre nach seinen Worten die Berufung eines Beauftragten für Religionsfreiheit durch die Bundesregierung sowie ein jährlicher Bericht zur Lage der Religionsfreiheit. Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Prof. Matthias Zimmer (Marburg) sprach sich für die Etablierung eines Beauftragten für Religionsfreiheit aus. Es gelte, das Thema stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. So sei noch zu wenig bekannt, dass Christen die am häufigsten verfolgte Religionsgruppe sind.

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Volker Beck: Nicht nur über Christenverfolgung reden

Der Lehrbeauftragte am Centrum für Religionswissenschaftliche Studien an der Ruhr-Universität in Bochum und frühere Grünen-Bundestagsabgeordnete, Volker Beck, warnte davor, nur von Christenverfolgung zu reden. Man dürfe nicht „in eine falsche Opferkonkurrenz“ eintreten. Christen seien weltweit die größte religiöse Gruppe auf der Welt und würden daher auch häufiger verfolgt. Eine kleine Religionsgruppe wie die Baha’i habe jedoch wahrscheinlich den höchsten prozentualen Anteil von Verfolgten. Jede Religion sei irgendwo in der Minderheitssituation. Daher müssten alle Religionsführer daran interessiert sein, dass Religionsfreiheit zum Schutz ihrer Glaubensgeschwister garantiert sei.

FDP: Beauftragter für Religionsfreiheit darf nicht zum „Feigenblatt“ werden

Laut dem FDP-Bundestagsabgeordneten, Pascal Kober (Reutlingen), werden Christen in über 100 Ländern verfolgt. Um darüber zu informieren, könne auch ein Jahresbericht beitragen. Allerdings könne die Berufung eines Beauftragten für Religionsfreiheit schnell zum „Feigenblatt“ werden, wenn er nicht mit entsprechender Handlungsvollmacht ausgestattet werde. Eine Berufung würde jedoch nicht an der FDP scheitern. Der Beauftragte der Deutschen Evangelischen Allianz am Sitz des Deutschen Bundestages, Uwe Heimowski (Berlin), sagte, es sei kein Widerspruch, wenn sich Christen für das Prinzip der Religionsfreiheit und sich zugleich besonders für die eigenen Religionsangehörigen einsetzten. Die Deutsche Evangelische Allianz ist zusammen mit der IGFM und dem Internationalen Institut für Religionsfreiheit Herausgeber des „Jahrbuchs Religionsfreiheit“.

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