Freitag • 20. Januar
Open Doors
11. Januar 2017

200 Millionen Christen werden weltweit verfolgt

Die meisten Länder, in denen Christen am stärksten unterdrückt werden, liegen im Nahen Osten und in Nordafrika – im Bild: Syrien. Foto: picture-alliance/dpa
Die meisten Länder, in denen Christen am stärksten unterdrückt werden, liegen im Nahen Osten und in Nordafrika – im Bild: Syrien. Foto: picture-alliance/dpa

Santa Ana (idea) – Weltweit werden mehr Christen verfolgt als bislang angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt das christliche Hilfswerk Open Doors (Santa Ana/US-Bundesstaat Kalifornien) in seinem Weltverfolgungsindex, der am 11. Januar veröffentlicht wurde. Die Organisation war auf der Grundlage ihrer vor neun Jahren ermittelten Schätzungen bislang von 100 Millionen verfolgten Christen in den 50 im Index aufgeführten Ländern ausgegangen. Nun ist das Werk überzeugt, dass dort 200 Millionen Christen einem „hohen Maß an Verfolgung“ ausgesetzt sind. Der Leiter von Open Doors Deutschland, Markus Rode (Kelkheim bei Frankfurt am Main), erläuterte gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea, dass aufgrund „großer Umwälzungen“ eine Neubewertung erforderlich geworden sei. Die Ausweitung islamistischer Netzwerke beispielsweise in Afrika und im Nahen Osten habe zu einer deutlichen Zunahme der weltweiten Christenverfolgung geführt. Zudem habe ein aggressiver religiöser Nationalismus in den hinduistischen, buddhistischen und einigen islamischen Ländern Asiens den Druck auf Christen kontinuierlich verstärkt. Ferner hat Open Doors laut Rode die Untersuchungsmethoden verfeinert. Die neue Zahl sei somit „das Ergebnis einer differenzierten Einschätzung, bei der alle 50 Länder des Weltverfolgungsindex einzeln betrachtet wurden“.

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Der Islam ist die Hauptursache für die weltweite Christenverfolgung

Die meisten Länder, in denen Christen am stärksten unterdrückt werden, liegen im Nahen Osten und in Nordafrika. An erster Stelle steht zum 14. Mal in Folge das kommunistisch regierte Nordkorea. Dort können die etwa 300.000 Christen laut Open Doors nur im Untergrund überleben. Werden sie entdeckt, drohe ihnen die Hinrichtung oder Straflager. Rund 70.000 würden gefoltert oder müssten Zwangsarbeit leisten. Auf den folgenden Plätzen des Index liegen: 2. Somalia (2016: Platz 7), 3. Afghanistan (4), 4. Pakistan (6), 5. Sudan (8), 6. Syrien (5), 7. Irak (2), 8. Iran (9), 9. Jemen (11) und 10. Eritrea (3). Mit Ausnahme von Nordkorea und Eritrea ist in acht der zehn genannten Staaten der islamische Extremismus die maßgebliche Ursache für die Verfolgung von Christen. Besonders betroffen sind zum Christentum konvertierte Muslime. Sie würden, so Open Doors, vor allem verfolgt, weil laut dem Koran der Abfall vom Islam als todeswürdiges Verbrechen gelte: „Selbst traditionelle Kirchen lehnen die Aufnahme von Konvertiten in der Regel ab, da dies zu Verhaftungen der Kirchenleiter und zur Schließung der Kirche führen kann.“

Religiöser Nationalismus nimmt zu

Dem Bericht zufolge erstarkt neben dem islamischen Extremismus auch der religiöse Nationalismus. Im hinduistisch dominierten Indien würden immer häufiger Pastoren verprügelt, Kirchen niedergebrannt und Druck auf Konvertiten ausgeübt. Insbesondere unter den kastenlosen Dalits wendeten sich viele dem Christentum zu. Auch im buddhistisch geprägten Bhutan seien Christen benachteiligt. Das Hilfswerk appelliert ferner an die Bundesregierung, den Wiederaufbau der von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) befreiten Orte in der nordirakischen Ninive-Ebene zu unterstützen und eine Geberkonferenz zu initiieren. Die Rückkehr der vertriebenen Bevölkerung wäre ein weltweites Zeichen der Hoffnung, ist Open-Doors-Leiter Rode überzeugt. Mehr als 80 Prozent der Christen seien aus dem Irak geflohen.

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