Samstag • 21. Juli
Ost-Ghouta
22. Juni 2018

Menschenrechtler kritisieren UN-Bericht zu Syrien

Der Nahostreferent der „Gesellschaft für bedrohte Völker“, Kamal Sido. Foto: GfbV
Der Nahostreferent der „Gesellschaft für bedrohte Völker“, Kamal Sido. Foto: GfbV

Göttingen (idea) – Die „Gesellschaft für bedrohte Völker“ hat einen Bericht der Vereinten Nationen über Syrien kritisiert. Das am 20. Juni veröffentlichte Papier „Die Belagerung und Rückeroberung von Ost-Ghouta“ beschuldigt syrische und russische Pro-Regierungskräfte der Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Der Bericht geht auf den Zeitraum zwischen Februar und April ein und spricht unter anderem von Bombardierungen, Chemiewaffeneinsatz und dem Entzug von Lebensmitteln und Medikamenten. Wie der Nahostreferent der Menschenrechtsorganisation, Kamal Sido (Göttingen), der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte, ist das jedoch nur die halbe Wahrheit. So seien die Verbrechen des Regimes zwar weitestgehend richtig dargestellt, man dürfe jedoch nicht die Rolle der Rebellengruppen ignorieren. „Die bewaffneten Gruppen in Ost-Ghouta waren keine Freiheitskämpfer, sondern radikale Islamisten. Sie benutzten Zivilisten als ihre Schutzschilder.“ Das wiederum verschweige der UN-Bericht. „Dabei verübten die Islamisten ebenfalls fast täglich Raketenangriffe auf die Zivilbevölkerung.“ Die Gesellschaft für bedrohte Völker fordere deshalb dazu auf, Opposition und Regime zu betrachten. „Beide Seiten haben schwere Kriegsverbrechen begangen“, so der Nahostexperte.

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Nahostreferent: al-Assad vor Gericht stellen

Vor allem die Minderheiten, darunter auch die Christen, hätten unter den radikalen Islamisten gelitten, die antichristlich, antijesidisch und frauenfeindlich eingestellt seien. „Die Menschen in Damaskus und Ost-Ghouta haben eine schwere Zeit der Belagerung und Rebellenherrschaft hinter sich. Sie sind froh, dass die Rebellen jetzt verschwunden sind – wenn auch zu einem hohen Preis“, so Sido. In Afrin jedoch gehe das Morden weiter. Die USA, Russland und die Europäische Union müssten darum gemeinsam aktiv an einer politischen Lösung arbeiten. Sido: „Der syrische Präsident Baschar al-Assad muss vor Gericht gestellt werden – ebenso aber auch seine Hintermänner und die Vertreter der Opposition – nur so kann Gerechtigkeit entstehen. Syrien darf nicht zurück zu dem, was es früher war.“ Sido ist muslimischer Kurde und stammt aus Afrin.

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