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Open Doors
10. Januar 2018

Islamisten und Nationalisten sind Treiber der Christenverfolgung

Pastor Sale vor seiner zerstörten Kirche. Im Norden Nigerias erleiden Christen seit vielen Jahren harte Verfolgung durch die Terrororganisation „Boko Haram”. Foto: Open Doors
Pastor Sale vor seiner zerstörten Kirche. Im Norden Nigerias erleiden Christen seit vielen Jahren harte Verfolgung durch die Terrororganisation „Boko Haram”. Foto: Open Doors

Kelkheim (idea) – Die Lage von Christen ist in vielen Ländern der Welt dramatisch. Hauptursache für ihre Verfolgung sind zunehmende islamistische und nationalistische Bewegungen. Sie stellen eine wachsende Bedrohung dar. Zu diesem Ergebnis kommt das christliche Hilfswerk Open Doors (Kelkheim bei Frankfurt am Main) in seinem Weltverfolgungsindex, der am 10. Januar veröffentlicht wurde. Weltweit werden laut Open Doors über 200 Millionen Christen in den 50 im Index aufgeführten Ländern verfolgt.

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Hauptursache für die weltweite Christenverfolgung ist der Islam

Die meisten Länder, in denen Christen am stärksten unterdrückt werden, befinden sich im Nahen Osten und in Nordafrika. An erster Stelle steht zum 15. Mal in Folge das kommunistisch regierte Nordkorea. Auf den folgenden Plätzen des Index hat sich gegenüber dem Vorjahr nur wenig verändert: 2. Afghanistan (2017: Platz 3), 3. Somalia (2), 4. Sudan (5), 5. Pakistan (4), 6. Eritrea (10), 7. Libyen (11), 8. Irak (7), 9. Jemen (9) und 10. Iran (8). Mit Ausnahme von Nordkorea und Eritrea ist in acht der zehn genannten Staaten der islamische Extremismus die maßgebliche Ursache für die Verfolgung von Christen. Syrien, im Vorjahr noch auf Rang 6, wird nun auf Platz 15 geführt.

Warum Asien einen guten Nährboden für den „Islamischen Staat“ bietet

Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) breitet sich dem Bericht zufolge nach ihren Gebietsverlusten im Nahen Osten nun in Asien aus. Dort sei das „Saatgut des islamischen Extremismus“ bereits seit Jahrzehnten ausgebracht. Indonesien und Malaysia seien zu lange nachlässig im Umgang mit Extremisten gewesen: „Es kann durchaus sein, dass sie nun von der Entwicklung überrollt werden.“ Auch in Bangladesch gebe es zunehmend Übergriffe auf religiöse Minderheiten – Christen und Hindus –, Ausländer und liberale Schriftsteller. Beunruhigend sei ferner der steigende Einfluss von Saudi-Arabien, etwa auf den Malediven und in Indonesien, durch den Bau von Moscheen oder Islamschulen. Dadurch werde die strenge wahhabitische Auslegung des Islams verbreitet: „So entstehen von Intoleranz geprägte Gesellschaften, die nur den Islam zulassen und somit Religionsfreiheit mit Füßen treten.“

Die Negativ-Aufsteiger des Jahres: Nepal und Indien

Negativ ist die Entwicklung vor allem im hinduistischen Indien und in Nepal. Im Westen gelte die Religion – ebenso wie der Buddhismus – als friedlich, aber „religiöser Nationalismus baut sich in Asien auf wie eine Tsunamiwelle, die an Geschwindigkeit und Höhe zunimmt, je näher sie der Küste kommt“. Stand Indien 2014 noch auf Platz 28 des Weltverfolgungsindex, ist das Land nun auf Platz elf vorgerückt. 2017 seien 600 Übergriffe auf Christen registriert worden. Die Hinduisierung gehe auf die Hindutva-Ideologie zurück, der zufolge der Erfolg des Landes vom Prinzip „Eine Religion, eine Kultur und ein Volk“ abhängt und sich alle dem Hinduismus als nationaler Leitkultur unterwerfen müssen. Nepal – 2017 nicht im Weltverfolgungsindex vertreten – befindet sich nun auf Rang 25. In den buddhistischen Ländern Sri Lanka, Bhutan und Myanmar sei die Verfolgung unterschwelliger. Christen würden gezwungen, buddhistische Schulen zu besuchen, und müssten dort an den religiösen Ritualen teilnehmen.

Leiter von Open Doors Deutschland: Größte Christenverfolgung aller Zeiten

Der Leiter von Open Doors Deutschland, Markus Rode, ist überzeugt, dass angesichts „der größten Christenverfolgung aller Zeiten“ eine Statistik nicht ausreiche: „Entscheidender ist, dass wir uns in die persönlichen Lebensumstände unserer verfolgten Glaubensgeschwister hineinversetzen.“ Deswegen habe man in einem Sonderheft persönliche Berichte von Christen gesammelt, „die stellvertretend für Millionen andere stehen und auch ihnen ein Gesicht geben“.

Debatte um den Begriff „Verfolgung“ – EKD und Bischofskonferenz sind zurückhaltender

Open Doors lehnt sich nach eigenen Angaben beim Thema „Verfolgung“ an die Definition der Vereinten Nationen (UN) an, laut der eine Bedrohung des Lebens oder der Freiheit aufgrund von Ethnie, Religion, Nationalität [...] in jedem Fall als Verfolgung zu werten ist“. In den Index flössen auch die regelmäßige Diskriminierung und der Druck ein, die Christen in den Untergrund trieben. Bei der Nutzung des Begriffs gibt es unterschiedliche Auffassungen. Im zweiten „Ökumenischen Bericht zur Religionsfreiheit von Christen weltweit“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz vom Dezember 2017 heißt es, dass eine Verfolgung nur in wenigen Staaten mit „derartiger Intensität betrieben werde, dass der Begriff im umgangssprachlichen Sinne“ angemessen wäre. Im Bericht der beiden großen Kirchen sei deshalb zumeist von „Bedrängung“ oder „Diskriminierung“ die Rede. Open Doors war auf der Grundlage einer vor zehn Jahren ermittelten Schätzung bis 2017 von 100 Millionen verfolgten Christen in den 50 im Index aufgeführten Ländern ausgegangen. Im vergangenen Jahr setzte das Werk die Zahl aufgrund einer Zunahme der weltweiten Christenverfolgung und verfeinerter Untersuchungsmethoden auf 200 Millionen hoch.

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