Mittwoch • 21. Februar
Vietnamkrieg
28. Januar 2018

„In Albträumen steigt mir der Pesthauch des Todes in die Nase“

Die Guerillaorganisation Vietcong brachte tausende Menschen um. Foto: pixabay.com
Die Guerillaorganisation Vietcong brachte tausende Menschen um. Foto: pixabay.com

Berlin (idea) – Vor 50 Jahren – am 30. Januar 1968 – leitete die Guerillaorganisation Vietcong den militärischen Zusammenbruch der US-Truppen im Vietnamkrieg ein. Sie startete mit Beginn des buddhistischen Neujahrsfestes (Tet) – unterstützt von nordvietnamesischen Truppen – eine Großoffensive in Südvietnam. Den damaligen Kriegsreporter Uwe Siemon-Netto verfolgen die blutigen Bilder bis heute. Der Journalist – er studierte später Theologie in den USA – berichtet in „Bild am Sonntag“ über das Grauen des Krieges. „Ich habe genug vom Tod“ lautete die Überschrift seiner Reportage vor 50 Jahren in der Wochenzeitung. In der aktuellen Ausgabe schreibt er: „Es war das grauenvollste Erlebnis in meiner Laufbahn als Journalist. Noch heute träume ich von Massengräbern mit den Leichen ermordeter Frauen und Kinder in der alten Kaiserstadt Hué, wo bis zu 6.000 Zivilisten starben.“ Ein solches Grab sei entdeckt worden, weil „manikürte Fingernägel herausragten, will heißen: Diese Frauen waren lebendig begraben worden und hatten vergeblich versucht, sich zu befreien“. Sein Beitrag endet mit den Worten: „Das ist 50 Jahre her. Jetzt bin ich 81. Und nun steigt mir nachts in meinen Albträumen der Pesthauch des Todes in die Nase.“

ANZEIGE

Der Vietnamkrieg kostete mehr als drei Millionen Menschen das Leben

Der gebürtige Leipziger berichtete von 1965 bis 1969 aus Vietnam. Heute lebt er in Kalifornien. Er gründete dort das Zentrum für lutherische Theologie und Öffentliches Leben (Capistrano Beach). Seine Vietnam-Memoiren erschienen unter dem Titel „Duc, der Deutsche“ im Fontis-Verlag (Basel). Der Vietnamkrieg, der 1975 endete, forderte mehr als drei Millionen Tote, darunter etwa zwei Millionen Zivilisten und über 58.000 US-Soldaten. Mehr als 300.000 wurden verwundet. Etwa 60.000 amerikanische Vietnam-Veteranen haben sich laut „Bild am Sonntag“ das Leben genommen – mehr US-Soldaten, als im Krieg gefallen sind. Heute ist Vietnam sozialistische Republik. Menschenrechtsorganisationen werfen dem Regime vor, politische Gefangene zu foltern. Christen leiden unter Einschränkungen ihrer Religionsfreiheit. Auf einem Index des Hilfswerks Open Doors mit den Ländern, die Christen am stärksten verfolgen, steht Vietnam auf Platz 18.

Diskutieren

Die Kommentarfunktion für diesen Beitrag ist geschlossen. Nach dem Erscheinen eines Artikels kann dieser fünf Tage kommentiert werden.

4 Kommentare
Kommentare sind ausgeblendet.
Zum Einblenden der Kommentare hier klicken.
Diese Woche lesen Sie
  • 25 Jahre „Tafel” Hier Millionäre, da massig Mangel
  • Peter Hahne Schluss mit euren Mogelpackungen!
  • AfD Keine Alternative für Christen
  • Pro & Kontra Gehört das Kreuz in den Gerichtssaal?
  • Politiker Ein evangelischer Edelmann
  • mehr ...
ANZEIGE