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Philosoph
23. Oktober 2017

Das für Flüchtlingsaufnahme nötige Geld könnte den Hunger ausrotten

Syrische Flüchtlinge bei einem Integrationskurs des BAMF. Foto: picture-alliance/dpa
Syrische Flüchtlinge bei einem Integrationskurs des BAMF. Foto: picture-alliance/dpa

Berlin (idea) – Der Philosoph Julian Nida-Rümelin (SPD) hat sich kritisch zur europäischen Flüchtlingspolitik geäußert. Das Geld, das für die Flüchtlingsaufnahme nötig sei, könne man nutzen, um globale Armut zu bekämpfen, sagte er in einem Interview mit der Tageszeitung „WELT“ (Berlin). Weltweit seien 720 Millionen Menschen chronisch unterernährt. Die UN habe 2008 geschätzt, dass etwa 25 Milliarden Euro jährlich ausreichten, um den „Hunger auf der Welt auszurotten“. Schätzungen ökonomischer Experten zufolge liegen die Kosten in Europa, um einen Flüchtling langfristig zu integrieren, bei etwa 250.000 Euro: „Bei einer Million Zugewanderten sind das 250 Milliarden. Mit 350 Milliarden könnte nach wissenschaftlichen Schätzungen sogar die extreme Armut weltweit abgeschafft werden.“

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Planlose Migrationspolitik führt zur Verödung von Regionen

Die „planlose Migrationspolitik“ der Europäer führe dazu, dass Regionen sowohl in Ostafrika als auch in Europa – etwa in Montenegro – durch die Abwanderung vieler junger Menschen verödeten: „Es kann nicht sein, dass wir hier (in Europa – d. Red.) durch schlechte Bezahlung oder vernachlässigte Ausbildung in vielen sozialen Berufen ein Nachwuchsproblem schaffen und dann in Osteuropa, Südamerika oder Afrika Krankenschwestern abschöpfen, die allerdings in ihrer Heimat dringend benötigt werden.“ Wer aus armen in reiche Weltregionen auswandere, gehöre meist nicht zu den Ärmsten seines Heimatlandes, sondern stamme aus der unteren Mittelschicht: „Die sympathische Idee, dass wir mit der Einwanderung die globale Armut bekämpfen, entspricht nicht der Realität.“ Das Prinzip der Gleichbehandlung verlange einen Einsatz für diejenigen, die Hilfe am nötigsten hätten: „Das sind im Weltmaßstab die ein oder zwei Milliarden ärmsten Menschen. Angesichts begrenzter Ressourcen müssen wir vor allem diesen absolut Armen helfen und nicht jenen, die im Vergleich zu Mitteleuropäern arm sind.“ Nida-Rümelin war von 2001 bis 2002 Kulturstaatsminister im Kabinett des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder (SPD).

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