Dienstag • 25. April
Nach Anschlag
13. April 2017

Christliche Fußballfans beten für Borussia Dortmund

Ein Fan des AS Monaco steht mit seinem Spieltagsschal vor dem Deutschen Fussballmuseum in Dortmund. Im Hintergrund leuchtet der Schriftzug mit dem Fan-Motto „You`ll never walk alone“ #BVBASM. Foto: picture alliance/Guido Kirchner/dpa
Ein Fan des AS Monaco steht mit seinem Spieltagsschal vor dem Deutschen Fussballmuseum in Dortmund. Im Hintergrund leuchtet der Schriftzug mit dem Fan-Motto „You`ll never walk alone“ #BVBASM. Foto: picture alliance/Guido Kirchner/dpa

Dortmund (idea) – Nach dem Anschlag auf die Mannschaft von Borussia Dortmund beten christliche Fußballfans aus ganz Deutschland für den Verein und die Spieler. Das berichtete der Vorsitzende des christlichen Fanclubs „Totale Offensive BVB 09“, Dirk Haslinde (Hagen), im Gespräch mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Am Abend des 11. April waren drei Sprengsätze auf der Route des Mannschaftsbusses zum Champions-League-Spiel gegen den AS Monaco explodiert. Dabei wurden der Spieler Marc Bartra und ein Polizist verletzt. Das Spiel wurde deswegen auf den 12. April verlegt. Schon wenige Minuten nach Bekanntwerden des Anschlags hätten andere christliche Fanclubs über die soziale Plattform WhatsApp ihre Gebetsunterstützung zugesagt, so Haslinde: Unter den Ersten seien Mitglieder der Fanclubs „Holy Bulls Leipzig“ und „Mit Gott auf Schalke“ gewesen. Das sei umso berührender, weil am 4. Februar BVB-Anhänger am Rande eines Bundesligaspiels gegen Red Bull Leipzig Fans des Vereins massiv angegriffen hatten und der FC Schalke 04 als „Erzrivale“ von Borussia Dortmund gilt. Die christlichen Fußballfans des BVB beteten regelmäßig für das Wohlergehen der Spieler des Vereins, berichtete Haslinde. Das gelte „in der gegenwärtigen Situation natürlich besonders“. Einige der BVB-Profis seien selbst Christen, etwa Mittelfeldspieler Julian Weigel. „Wir wünschen ihnen, dass sie Hilfe im Wort Gottes suchen. Vielleicht nutzen sie ja die Gelegenheit und weisen ihre Mitspieler darauf hin, dass es auch für eine solche Situation Antworten aus der Bibel gibt.“

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Superintendent: Es gibt wichtigere Dinge als zählbaren Erfolg

„Dass alle, die sich der evangelischen Kirche in Dortmund nahe fühlen, den Angriff auf die Mannschaft des BVB furchtbar finden und verurteilen, versteht sich von selbst“, erklärte der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Dortmund, Ulf Schlüter, gegenüber idea. Bei allem Entsetzen sei aber beeindruckend, wie der Verein und die Menschen in der Stadt mit der Situation umgingen. „Ich habe da viel Zusammenhalt und Zuversicht gesehen, die Mut machen.“ Mannschaft und Fans hätten beim Nachholen des Spiels am 12. April ein Zeichen in die Gesellschaft gesendet, „dass wir vor dem Terror nicht einknicken“. Ihn habe besonders gefreut, dass die Fans „ihre“ Mannschaft am Tag nach dem Anschlag im Stadion gefeiert hätten, obwohl sie das Spiel gegen Monaco mit 2:3 verloren hatte. „Da verstehen die Menschen, dass es wichtigere Dinge gibt als zählbaren Erfolg“, so Schlüter.

Sportbeauftragter: Das Spiel wurde zu früh nachgeholt

„Dieser Anschlag verstört und hinterlässt körperliche und seelische Wunden“, erklärte der Sportbeauftragte der Evangelischen Kirche von Westfalen, Pfarrer Thomas Weber (Gevelsberg), gegenüber idea. Ein „schönes Zeichen“ sei aber, „dass das schreckliche Ereignis Vereine und Menschen zusammenschweißt“. So habe man „am Tag darauf Fans gesehen, die einen Schal des Gegners um den Hals trugen und die gegnerische Mannschaft mit Applaus empfingen“. Kritik übte Weber an der kurzfristigen Ansetzung des Nachholspiels. Die betroffenen Spieler hätten sich mehr Zeit gewünscht, um das Erlebte zu verarbeiten. „Wenn im sportlichen Geschehen nicht die eigentlichen Hauptakteure – die Aktiven – im Mittelpunkt stehen, sondern ganz andere Interessen, ist das Ausdruck einer Fehlentwicklung“, so Weber. Der Verein hatte allen Spielern freigestellt, ob sie an dem nachgeholten Spiel teilnehmen wollten oder nicht. Allerdings hatte keiner der BVB-Profis von dieser Möglichkeit zum Rückzug Gebrauch gemacht.

EKD-Sportbeauftragter: Die Spieler hätten einbezogen werden müssen

Der Sportbeauftragte der EKD, der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung (Darmstadt) ist der Meinung, dass die Spieler in die Entscheidung über den neuen Spieltermin hätten einbezogen werden müssen. Erlebnisse wie der Bombenanschlag brauchten Zeit zur Verarbeitung. „Die hatten die Spieler ganz klar nicht“, sagte er idea. Es sei zwar auch wichtig, nach traumatischen Erlebnissen möglichst schnell wieder in den Alltag zurückzufinden, aber „ob das gleich ein Champions-League Spiel sein muss, bei dem es auch auf eine starke psychische Konstitution ankommt, ist allerdings die Frage“. Im konkreten Fall hätte sicher auch ein Training auf dem Platz die Rückkehr in den Alltag erleichtern können, so Jung.

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