Samstag • 22. Juli
Christen im Irak
16. Juli 2017

Die Ideologie des Islamischen Staates wird überleben

Trotz der Niederlage des IS im Irak haben viele Christen Angst vor der Zukunft. Foto: picture-alliance/NurPhoto
Trotz der Niederlage des IS im Irak haben viele Christen Angst vor der Zukunft. Foto: picture-alliance/NurPhoto

Berlin (idea) – Die Christen im Irak haben trotz des Niedergangs der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) Angst vor der Zukunft. Davon ist der Leiter der Dokumentationsstelle „Shlomo“ (Erbil), Khalis Ayshoa Estaifo, überzeugt. Seine Organisation hat nach eigenen Angaben über 32.000 Zeugenaussagen zu den Untaten des IS an der christlichen Bevölkerung gesammelt. Ihm zufolge handelt es sich um einen Genozid, sagte er der „Welt am Sonntag“ (Berlin): „Die Christen wurden vertrieben, ermordet, entführt und ihre Städte gezielt in Schutt und Asche gelegt, damit sie nicht mehr zurückkehren.“ Man sei zwar glücklich, dass der IS militärisch vor dem Untergang stehe, „aber sicher können wir uns als Christen trotzdem nicht fühlen“. Die Terrormiliz habe eine Ideologie geschaffen, die überleben werde: „Wir als Christen brauchen echten Schutz, bevor wir in unsere Städte zurückgehen können.“ Viele Eltern überlegten, ihre Kinder nach Europa, Amerika oder Australien zu schicken. Estaifo: „Hier ist es nur eine Frage der Zeit, bis ein neuer IS kommt.“

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Indizien zufolge waren deutsche IS-Kämpfer am Terror gegen Christen beteiligt

Neue Indizien – so die Sonntagszeitung – sprächen dafür, dass auch IS-Kämpfer aus Deutschland am Terror und den Raubzügen gegen Christen beteiligt waren. Lange habe es so ausgesehen, als würden die militärisch meist ungeschulten Europäer bei wichtigen Operationen außen vor bleiben und stattdessen vor allem für Werbezwecke oder als Selbstmordattentäter genutzt. Nun habe die Shlomo-Dokumentationsstelle unter anderem ein Foto des früheren Berliner Rappers und IS-Terroristen Dennis Cuspert erhalten, das ihn in der von allem von Christen bewohnten Stadt Karakosch (Ninive-Ebene) zeigen soll. In dem kleinen Ort Batnaya habe zudem jemand in schlechtem Deutsch an eine Wand geschrieben: „Oh, ihr Kreuzsklaven, ihr habt keinen Platz in Islamischenstaat. Entweder gehst du raus oder wir töten dich.“ Der Großteil der Christen ist aus dem Irak geflohen. 2003 hatten 1,2 Millionen im Land gelebt, heute sind es nur noch rund 250.000.

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