Dienstag • 25. April
Angst vor Anschlägen
15. April 2017

Koptische Gemeinden sagen Ostergottesdienste ab

Koptisch-orthodoxe Christen trauern wie hier in Tanta um die Opfer der Anschläge. Foto: picture-alliance/Photoshot
Koptisch-orthodoxe Christen trauern wie hier in Tanta um die Opfer der Anschläge. Foto: picture-alliance/Photoshot

Kairo (idea) – In Ägypten haben zahlreiche koptisch-orthodoxe Gemeinden ihre Ostergottesdienste aus Furcht vor weiteren Anschlägen abgesagt. So teilte etwa die Diözese al-Minya südlich von Kairo mit, dass ihre Gemeinden am Ostersonntag auf große Festgottesdienste verzichteten. Zur Begründung nannte Bischof Makarius von al-Minya und Abu Korkas „die gegenwärtige Situation, mit der sich die Kirche im Land konfrontiert sieht“. Bei Anschlägen auf zwei Kirchen waren am Palmsonntag 44 Menschen getötet und 126 verletzt worden. Die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) übernahm die Verantwortung dafür. In Alexandria hatte sich ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt und 17 Menschen in den Tod gerissen; 48 wurden verletzt. Zuvor war in Tanta im Nildelta ein Sprengsatz in der St.-Georg-Kirche explodiert. Dabei waren 27 Christen getötet und 78 verletzt worden. Staatspräsident Abdel Fattah al-Sisi hatte daraufhin für drei Monate den Ausnahmezustand verhängt.

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Generalbischof: Sicherheitskräfte müssen Kirchen schützen

Der Generalbischof der koptisch-orthodoxen Kirche für Deutschland, Anba Damian (Höxter), hatte gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea nach den Anschlägen einen besseren Schutz der christlichen Minderheit in Ägypten gefordert: „Wenn es den Terroristen sogar gelingt, Papst Tawadros II. vor der gut gesicherten St. Markus-Kirche in Alexandria anzugreifen, was ist dann mit den Christen in den Provinzen?“ Es müssten endlich genügend Sicherheitskräfte zum Schutz von Kirchen abgestellt werden. Papst Franziskus hält unterdessen an seinen Plänen fest, am 28. und 29. April nach Kairo zu reisen und dort auch das Oberhaupt der koptischen Kirche, Papst Tawadros II., zu treffen.

Die Kopten gehen auf den Evangelisten Markus zurück

In Ägypten bilden die schätzungsweise bis zu zehn Millionen orthodoxen Kopten die größte Kirche. Hinzu kommen etwa 300.000 Mitglieder der koptisch-evangelischen Kirche, 200.000 Katholiken, mehr als 100.000 Mitglieder von Pfingstgemeinden, Brüdergemeinden und anglikanischen Gemeinden sowie 40.000 Griechisch-Orthodoxe. Die meisten der 92 Millionen Einwohner Ägyptens sind Muslime. Die koptisch-orthodoxe Kirche führt ihren Ursprung auf den Evangelisten Markus zurück. Der Autor des ältesten der vier Evangelien soll im 1. Jahrhundert nach Christus in Ägypten gewirkt haben und in Alexandria den Märtyrertod gestorben sein.

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