Donnerstag • 14. Dezember
Synodenbeschluss
21. November 2017

Streichung der EKD-Mittel für idea sorgt für eine lebhafte Diskussion

Die frühere thüringische Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) bei einem Besuch bei idea in Wetzlar. Foto: Zeichensetzen/Baake
Die frühere thüringische Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) bei einem Besuch bei idea in Wetzlar. Foto: Zeichensetzen/Baake

Wetzlar (idea) – Eine lebhafte Diskussion hat die Entscheidung der EKD-Synode ausgelöst, den Zuschuss für die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) in den nächsten zwei Jahren zu kürzen und ab 2020 vollständig zu streichen. Bislang gewährte die EKD einen Betrag von jährlich 132.000 Euro. Er soll im Jahr 2018 auf 90.000 Euro und 2019 auf 60.000 Euro sinken. Ab 2020 wird die seit den 80er Jahren gewährte Bezuschussung ganz entfallen. Die EKD begründet die Streichung damit, dass sie ihren Förderschwerpunkt in der evangelikalen Publizistik neu ausrichte. Hierfür würden die Zuwendungsmittel für idea abgeschmolzen und in einen Projektförderfonds investiert. Dem Vernehmen nach sollen sich evangelikale geprägte Medienwerke um Mittel aus dem Fonds bewerben können. Die zum Bundesvorstand der CDU gehörende Bremer Bundestagsabgeordnete Elisabeth Motschmann übte scharfe Kritik an der Synodenentscheidung. Sie wirft der EKD vor, die Nachrichtenagentur auszugrenzen, weil sie Kritik an der Kirche äußere und konservative Positionen vertrete. idea repräsentiere einen „sehr großen Teil der aktiven evangelischen Christen“. Sie hätten es verdient, dass man über sie, ihre Aktivitäten und ihre Meinungen „zu vielen einseitigen Positionen“ der evangelischen Kirche berichte. Motschmann – sie steht auch dem Bremer Landesverband des Evangelischen Arbeitskreises der CDU vor: „Man kann nur hoffen, dass die EKD ihren Beschluss noch einmal überdenkt und korrigiert.“ Nach Ansicht der Politikerin ist die Meinungsfreiheit nirgendwo so eingeschränkt wie in der evangelischen Publizistik, die von der EKD subventioniert werde: „Man bekennt sich zum Pluralismus, aber das gilt für alle anderen – nicht für die Evangelische Kirche in Deutschland.“

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Ex-Ministerpräsidentin: Die EKD-Synode vertieft die Gräben

Die frühere thüringische Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) bedauerte ebenfalls den Beschluss: „Keine vorherige Information an die Betroffenen, keine Debatte dazu während der Haushaltsberatungen, nur eine Enthaltung bei der Abstimmung durch die Synode – wenn das die Antwort der EKD auf die gegenwärtigen Debatten in Kirche und Gesellschaft ist, dann kann ich nur sagen: Hier werden keine Probleme gelöst; hier werden entstandene Gräben in Kirche und Gesellschaft weiter vertieft. Schade.“

Dekanin lobt den Beschluss: idea „hetzt gegen die gottlose EKD“

Aber es gibt auch Stimmen, die die Entscheidung der EKD begrüßen. Die Pforzheimer Dekanin Christiane Quincke schrieb auf Facebook im Blick auf das Wochenmagazin ideaSpektrum: „Aber warum ein Blatt ausschließlich finanzieren, das sowieso ständig gegen Kirchensteuer und gegen die gottlose EKD hetzt, wenn man das Ganze etwas breiter aufstellen kann und damit auch andere evangelikale Blätter was davon haben?“ Der über Kirchenthemen schreibende Journalist Benjamin Lassiwe (Berlin) nannte den Beschluss „überfällig“. Er hatte sich schon seit langem für die Streichung der idea-Zuschüsse eingesetzt.

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