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Gebetshausleiter
04. Januar 2017

Was Protestanten von der katholischen Art des Betens lernen können

Der Gründer und Leiter des Gebetshauses Freiburg, Rainer Harter. Screenshot: Youtube/Gebetshaus Freiburg
Der Gründer und Leiter des Gebetshauses Freiburg, Rainer Harter. Screenshot: Youtube/Gebetshaus Freiburg

Freiburg (idea) – Protestanten können von der katholischen Art zu beten lernen. Diese Meinung äußert der Gründer und Leiter des Gebetshauses Freiburg, Rainer Harter, in einem Interview mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Ihm zufolge haben Katholiken ein größeres Verständnis für die geheimnisvollen Seiten des Gebets. Protestanten hätten oft ein rein ergebnisorientiertes Verständnis von Gebet: „Man betet jeden Tag eine Liste von Gebetsanliegen herunter, aber Gott Worte der Liebe zu schenken, ohne etwas von ihm zu wollen, ist deutlich seltener.“ Bei den Katholiken könne man auch das stille Gebet, die Kontemplation, entdecken, bei dem man in Gottes Gegenwart nachdenke. Auch von orthodoxen Christen könnten sich Protestanten etwas abschauen. Sie praktizierten das Herzensgebet, bei dem man im Rhythmus des Atmens und des Herzschlags betet. Zwar klinge dies für manche evangelikale Christen nach Esoterik, diese Sorge sei jedoch unbegründet. Wer seine Gebete an seinen Atem kopple, gewöhne sich daran, auch im Alltag zu beten – und das mache glücklich. Harter: „Wenn ich zum Beispiel im Supermarkt in einer langen Schlange vor der Kasse stehe, denke ich nicht: Die Frau sieht aber hübsch aus, und der sieht aber blöd aus, sondern konzentriere mich auf meinen Atem und bete.“ Von der evangelikalen Bewegung könnten wiederum andere Konfessionen lernen, frei zu beten und nicht nur festgelegte Texte zu sprechen.

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Gebetshäuser sind „Fachabteilungen im Reich Gottes“

Für Harter sind auch Gebetshäuser hilfreich, in denen Christen – wann immer es ihnen möglich ist – einzeln oder gemeinsam beten könnten. Sie seien „Fachabteilungen im Reich Gottes, ähnlich den Klöstern, in denen sich Mönche und Nonnen besonders dem Gebet widmen“. Harter: „Gemeinden sehen hier, dass Gebet Freude macht, und sie können für ihr eigenes Gebetsleben lernen.“ Von allen Veranstaltungen in Kirchengemeinden seien Gebetstreffen meistens leider am schlechtesten besucht. Viele Christen erlebten ihr Gebetsleben eher als anstrengend und langweilig denn als erfüllend und schön. Gott sehne sich jedoch nach Kommunikation mit den Menschen. Ziel des 2003 gegründeten Gebetshauses Freiburg ist es, an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr zu beten. Mittlerweile gibt es in Deutschland fast 20 – meist charismatisch orientierte – Gebetshäuser.

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