Montag • 26. Juni
Maischberger
15. Juni 2017

TV-Debatte zur Rolle der Religion in Konflikten

Der frühere Vorsitzende des Bundesverbandes Lebensrecht, der Katholik Martin Lohmann. Screenshot: ARD
Der frühere Vorsitzende des Bundesverbandes Lebensrecht, der Katholik Martin Lohmann. Screenshot: ARD

Hamburg (idea) – Einen teils heftigen Schlagabtausch zur Rolle der Religion in den Konflikten der Welt haben sich der frühere Vorsitzende des Bundesverbandes Lebensrecht, der Katholik Martin Lohmann (Bonn), und der Bestsellerautor und Atheist Philipp Möller (Berlin) geliefert. Sie traten am 14. Juni in der ARD-Sendung „Maischberger“ zum Thema „Spaltet Religion die Welt?“ auf. Nach Ansicht Lohmanns ist nicht die Religion das Problem, sondern deren Missbrauch: „Wenn man den Gottessohn Jesus Christus ernst nimmt, wissen wir, dass wir kein Recht haben auf Gewalt, Missbrauch und Terror.“ Die Botschaft Jesu führe vielmehr zu Freiheit, Toleranz und Respekt. Lohmann zeigte sich überzeugt, dass gläubige Menschen glücklicher sind. Das Leben im Angesicht Gottes mache froh und frei: „Ich erlebe das so.“ Angesprochen auf den Streit um das Kuppelkreuz auf dem Berliner Stadtschloss erklärte Lohmann: „Wenn man sich als christlich geprägtes Land vom Kreuz emanzipieren will, hat man ein Problem mit sich selbst.“ Das Kreuz gehöre zu diesem Gebäude. Er finde die Debatte „unsouverän“ und „postpubertär“. Befürworter des Kuppelkreuzes verweisen darauf, dass es historisch auf das Stadtschloss gehört. Gegner wenden ein, das Kreuz sei nicht zeitgemäß und grenze andere Religionen aus.

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Atheist: Sind heute so frei, weil wir uns vom Christentum emanzipiert haben

Möller vertrat die Ansicht, dass die Demokratie in Deutschland gegen das Christentum erkämpft werden musste: „Wir sind heute so frei, weil wir uns davon emanzipiert haben.“ Religion habe das Potenzial die Welt zu spalten, solange religiöse Gruppierungen glaubten, im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein. Dass Religion in einem Dauerkonflikt mit der offenen Gesellschaft stecke, zeige sich unter anderem an der Unterdrückung von Frauen etwa beim Thema Abtreibung, der Kriminalisierung der Sterbehilfe sowie einer verbreiteten Ablehnung Homosexueller. Möller: „Das Christentum verhindert Selbstbestimmung und damit persönliches Glück.“ Die Psychotherapeutin und bekennende Atheistin Angelika Kallwass (Köln) zeigte sich überzeugt davon, dass Menschen glauben, weil sie mit dem Tod nicht zurechtkämen. Auch sie finde den Gedanken schmerzhaft, dass mit dem Tod alles ende: „Deshalb fände ich es auch schön, wenn es Gott gäbe – aber es gibt ihn nicht.“

Käßmann: „Eine aufgeklärte Religion würde nie sagen: Es gibt nur meine Wahrheit“

Nach Ansicht der EKD-Reformationsbotschafterin Margot Käßmann (Berlin) kann man die Religionen nicht für die Konflikte in der Welt verantwortlich machen. Mitunter werde Religion dazu missbraucht: „Eine aufgeklärte Religion würde nie sagen: Es gibt nur meine Wahrheit.“ Sie persönlich habe ihre Wahrheit im christlichen Glauben gefunden. Aber sie respektiere es, dass andere Menschen andere Wege fänden oder ohne Religion lebten. Der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler sagte, er habe den Glauben an den Gott, den die Theologie den Menschen präsentiere, total verloren. „Ich weiß, dass Jesus gelebt hat und was er gesagt hat. Daran orientiere ich mich“, so der Katholik. Die muslimische Journalistin Khola Maryam Hübsch (Frankfurt am Main) widersprach der Ansicht, Religion sei eine Hauptursache für Kriege und Terror. In Kriegen geht es um andere Motive, wie Ressourcen, Privilegien und Macht. Religion arbeite dagegen an: „Sie richtet sich auf das Innere des Menschen wie Werte und Spiritualität.“

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