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Neue Lutherbibel
08. Januar 2017

Ist der Missionsbefehl falsch wiedergegeben?

v. l.: Der Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Vöhringen/Iller in Bayern, Jochen Teuffel und der frühere thüringische Landesbischof Christoph Kähler. Fotos: Privat; idea/kairospress
v. l.: Der Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Vöhringen/Iller in Bayern, Jochen Teuffel und der frühere thüringische Landesbischof Christoph Kähler. Fotos: Privat; idea/kairospress

Wetzlar (idea) – Die überarbeitete Lutherbibel, die im Oktober eingeführt wurde, stößt auf viel Lob. Inzwischen gibt es aber auch Kritik, weil Jesu Missionsbefehl (Matthäus 28,19) nicht mehr wiedergegeben wird mit „Darum gehet hin und macht zu Jüngern alle Völker“, sondern mit den Worten „Darum gehet hin und lehret alle Völker“. Wird der Missionsbefehl dadurch falsch wiedergegeben? In einem Pro und Kontra für die Evangelische Nachrichtenagentur idea äußern sich zwei Theologen.

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Pro: Christen sollen andere nicht nur lehren, sondern zu Jüngern machen

Eine Verfälschung sieht Pfarrer Jochen Teuffel (Vöhringen/Iller). Zwar könne man sich bei dem veränderten Text auf Luthers eigene Übersetzung berufen, aber er sei mit seinen Worten nicht dem griechischen Urtext, sondern der lateinischen Vulgata gefolgt. Laut Teuffel bedeutet das griechische Wort „mateteuo“ mehr, als nur Wissenswertes zu „lehren“. Es beziehe sich auf ein verbindliches Lehr- und Lebensverhältnis, nämlich das zwischen einem Jünger (matetes) und seinem Meister. Wenn nun in der neuen Lutherbibel die Jünger-Werdung aus dem Missionsbefehl verbannt sei, werde „damit – gewollt oder ungewollt – einem individualistischen religiösen Bewusstsein das Wort geredet“.

Kontra: Christen können nicht allein andere zu Jüngern machen

Die Gegenposition vertritt der frühere thüringische Landesbischof Christoph Kähler (Leipzig), der die Revision der Lutherbibel leitete. Er erinnert daran, dass in ihr erst seit 1956 stand „... und macht zu Jüngern alle Völker“. Das könne man angemessen in dem Sinn auslegen, dass die Botschaft an alle Völker auszurichten sei: „Aber es könnte auch so missverstanden werden, als ob wir Menschen die Macht hätten, alle Völker zu Christen zu machen.“ Luther selbst habe nach alter christlicher Tradition bescheidener übersetzt: „und lehret alle Völker“. Die Rückkehr zu Luthers Übersetzung gegen die meisten heutigen Übersetzungen leite an, „sorgfältig zu erfassen, was unser Auftrag ist“.

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