Montag • 26. Juni
Pfingstkonferenz
06. Juni 2017

Man kann nicht „auf einer moralischen Stufenleiter zu Gott kommen“

Pfarrer Wolfgang Becker. Foto: Evi Schlötterer
Pfarrer Wolfgang Becker. Foto: Evi Schlötterer

Gunzenhausen (idea) – Christen werden scheitern, wenn sie sich selbst zu Heiligen machen wollen. Diese Ansicht vertrat Pfarrer Wolfgang Becker (Nümbrecht) bei der Pfingstkonferenz des Hensoltshöher Gemeinschaftsverbandes und des Gemeinschafts-Diakonissen-Mutterhauses Hensoltshöhe in Gunzenhausen (Mittelfranken). Wie Becker vor rund 650 Besuchern ferner sagte, ist Heiligwerden kein Projekt der Selbstverbesserung. Es gelte auch nicht, „auf einer moralischen Stufenleiter nach oben zu Gott zu kommen“, damit er sage: „Gut, jetzt passt du zu mir, jetzt bist du ein Heiliger.“ Das könnten Menschen auch gar nicht schaffen. Letztlich könne nur ein Leben mit Jesus Christus heilig machen. Er nehme alles Unheilige aus dem Leben, unsaubere Gedanken, verletzende Worte und Selbstgefälligkeit. Becker: „Bringen Sie Ihre Unheiligkeit an sein Kreuz und nehmen sie seine Heiligkeit in Ihr Leben.“ Er warnte vor einer Selbstheiligung, die zu einer Scheinheiligkeit führe und zu Recht viele abstoße. Gleichzeitig wandte er sich dagegen, die Aussage „Ich bin doch kein Heiliger“ als Ausrede für Versagen zu missbrauchen.

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Die Bibelstunde ist kein Rückzugsort

In einem Seminar ging Becker auch auf das Wirken des Frankfurter Pfarrers Philipp Jakob Spener (1635–1705) ein, der als ein „Vater“ des Pietismus gilt. Er führte unter anderem Bibelstunden ein, die dem gründlichen Verstehen der Heiligen Schrift und der seelsorglichen Begleitung der Christen dienten. Sie sollten laut Becker keine Rückzugsorte aus der Welt sein, sondern Bildungsorte für den missionarischen Dienst jedes Christen. Die evangelische Kirche und die aus dem Pietismus entstandene Gemeinschaftsbewegung brauchten auch heute die gründliche Einkehr bei der Heiligen Schrift ohne Abstriche, damit sie Salz und Licht in der Welt sein könnten.

Das Internet hält davon ab, fromme Treffen zu besuchen

Wie der Vorsitzende des Hensoltshöher Gemeinschaftsverbandes, Pfarrer i. R. Hermann Findeisen, der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte, beobachtet er, dass Lehrangebote weniger gefragt sind. Die ständige Verfügbarkeit von Vorträgen und Ideen im Internet führe dazu, dass immer weniger Menschen an Gemeinschaftsveranstaltungen regelmäßig teilnähmen, sagte Findeisen. Angesichts der großen missionarischen Herausforderungen sei es notwendig, noch enger mit anderen Christen zu kooperieren. „Vertrauensvolle Zusammenarbeit bei klar formulierten Positionen auf der Ebene der Kirchenleitung“ kennzeichne dabei das Verhältnis zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Der Verband erreicht rund 5.000 regelmäßige Besucher in 65 Gemeinschaften. Er beschäftigt über 60 Hauptamtliche.

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