Samstag • 22. Juli
„Pro und Kontra“
04. Juli 2017

Hilft viel beten wirklich viel?

Ist die Menge der Gebete entscheidend für Gottes Wirken? Foto: pixabay.com
Ist die Menge der Gebete entscheidend für Gottes Wirken? Foto: pixabay.com

Wetzlar (idea) – Von dem Reformator Martin Luther (1483–1546) stammt der Ausspruch: „Ich habe heute viel zu tun, darum muss ich heute viel beten.“ Besonders in der evangelikalen Bewegung wird bis jetzt zu häufigem Gebet aufgerufen. Da stellt sich die Frage: Hilft viel beten denn wirklich viel? Zwei Theologen beziehen in einem „Pro und Kontra“ für die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) Stellung.

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Pro: Wer Zeit für das Gebet investiert, wird Früchte sehen

Nach Überzeugung des katholischen Theologen Johannes Hartl, dem Gründer und Leiter des „Gebetshauses Augsburg“, ist die „westliche Kirche faul und gebetsmüde“. Deshalb sei es kein Wunder, „dass die Früchte des Gebets so oft ausbleiben“. Wer im Vertrauen auf Gott Zeit für das Gebet investiere, werde sie sehen. Zugleich betont Hartl, dass sich Christen „den Himmel nicht durch fromme Leistung verdienen“ könnten. Das gelte auch für das Gebet. Jesus Christus selbst habe vor „reinem Geplapper“ gewarnt. Zugleich rufe die Bibel aber an vielen Stellen zu beständigem und anhaltendem Gebet auf. Dabei sei es wie in einer Ehe. So wie er aus Liebe gerne viel Zeit mit seiner Ehefrau verbringen wolle, sollten Christen Gott häufig im Gebet suchen.

Kontra: Gott weiß längst, was seine Kinder benötigen

Anderer Auffassung ist der Vorsitzende des Bibelbundes, der Theologe Michael Kotsch (Horn-Bad Meinberg): „Christen brauchen Gott durch Gebet nicht zu beeindrucken.“ Nirgendwo in der Bibel finde sich der Hinweis: „Je mehr Gebet, desto geistlicher.“ Vielmehr gehöre Gebet zum Leben eines Christen wie die Luft zum Atmen. In jeder Lebenslage sei sich ein Christ der Gegenwart Gottes bewusst und schicke immer wieder während des Tages ein kurzes Gebet an ihn, so Kotsch, der auch als Dozent an der Bibelschule Brake und der Evangelikalen Akademie in Wien tätig ist. Nach seinen Worten steht die Bibel wortreichen Gebeten eher skeptisch gegenüber. Luther habe dazu aufgerufen, „so kurz, wie du kannst,“ zu beten. Auch das Vaterunser zeichne sich durch seine Kürze aus. Kotsch: „Gott weiß längst, was seine Kinder benötigen, und will es ihnen gerne geben.“

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