Montag • 26. Juni
Köln
18. Juni 2017

Wo bleibt das starke Zeichen der Muslime gegen den Terror?

Unterstützt wurde die Demo vom Zentralrat der Muslime, nicht aber vom größten islamischen Verband, der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB). Foto: picture-alliance/Henning Kaiser/dpa
Unterstützt wurde die Demo vom Zentralrat der Muslime, nicht aber vom größten islamischen Verband, der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB). Foto: picture-alliance/Henning Kaiser/dpa

Köln/Berlin (idea) – Der Friedensmarsch von Muslimen am 17. Juni in Köln sollte ein starkes Zeichen gegen islamistischen Terror werden: Aber statt der erwarteten 10.000 Teilnehmer zogen nach Medienberichten nur etwa 1.000 durch die Innenstadt. Die Inititiatorin der Demonstration, die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor, sprach hingegen von 3.000 Teilnehmern, zeigte sich aber „enttäuscht“. Im Aufruf zu dem Marsch unter dem Motto „Nicht mit uns!“ hatte es geheißen: „Wir lassen es nicht zu, dass Terroristen im Namen des Islams Unschuldige töten.“ Unterstützt wurde die Demo vom Zentralrat der Muslime, nicht aber vom größten islamischen Verband, der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB). Er hatte im Vorfeld erklärt: „Forderungen nach ‚muslimischen‘ Anti-Terror-Demos greifen zu kurz, stigmatisieren die Muslime und verengen den internationalen Terrorismus auf sie, ihre Gemeinden und Moscheen.“

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Kurden: Die Hälfte der Teilnehmer waren Nichtmuslime

Nach Angaben der Kurdischen Gemeinde Deutschland beteiligten sich an der Auftaktkundgebung auf dem Heumarkt maximal 500 Personen. Die Hälfte davon seien Nichtmuslime gewesen. Nach Ansicht der Kurdischen Gemeinde haben die Muslime eine weitere Chance vertan, sich von dem Terror zu distanzieren, der im Namen des Islams geschehe. Die Islamverbände, „die angeben, zusammen für Millionen Menschen zu sprechen und damit bisher Landes- und Bundespolitiker erfolgreich beendrucken konnten“, seien entzaubert. Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Kurdischen Gemeinde, Mehmet Tanriverdi, erklärte im Blick auf den DITIB-Boykott der Demonstration: „Die Bundesländer und der Bund müssten sich fragen lassen, ob sie weiterhin diese aus dem Ausland gesteuerten Totalverweigerer, die ihre Gemeindemitglieder bespitzeln und spitzelnde Imame vor dem Zugriff deutscher Sicherheitsbehörden ins Ausland schleusen, mit Millionensummen unterstützen wollen.“

Kauder: Das Verhalten von DITIB ist kein gutes Signal

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, nannte die Weigerung der DITIB, an der Anti-Terror-Demonstration teilzunehmen, „kein gutes Signal“. Der Moscheeverband habe in im Zusammenhang mit der Demonstration wieder eine Erklärung abgegeben, die darauf hinauslaufe, „dass die Muslime böswillig ausgegrenzt werden“. Mit einer solchen Argumentation fördere man nicht die Verständigung, so Kauder in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“. Er plädierte zugleich dafür, Moscheen zu schließen, wenn sich Vermutungen bestätigten, dass dort extremistisches Gedankengut propagiert werde.

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