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Wirtschaftswissenschaftler
13. Juli 2017

Wenn Unternehmer Glaube und Wirtschaftsleben trennen

Der Hamburger Wirtschaftswissenschaftler Ali Gümüsay. Foto: M. Hakal
Der Hamburger Wirtschaftswissenschaftler Ali Gümüsay. Foto: M. Hakal

Köln (idea) – Zahlreiche Unternehmer haben zwar einen religiösen Glauben, setzen dessen Werte aber nicht im Wirtschaftsleben um. Diese Erfahrung hat der Hamburger Wirtschaftswissenschaftler Ali Gümüsay gemacht. Er höre von ihnen häufig die Aussage: „Na ja, ich bin sehr religiös, aber mein unternehmerisches Handeln ist absolut profitorientiert – also das genaue Gegenteil.“ Viele Führungskräfte sprächen von einer Sonntag-Montag-Trennung. „Das heißt: Sonntags sind sie tiefreligiös, und montags müssen sie wieder in die Arbeitswelt.“ Gümüsay äußerte sich in einer Sendung des Deutschlandfunks (Köln). Zu den Gründen für die Trennung von Glaube und Geschäftsleben sagte Gümüsay, Unternehmer hätten oft die Überzeugung „Religion ist Privatsache“ sehr verinnerlicht. Deshalb könnten sie nicht verstehen, „dass ihr Wertekanon sie auch auf der Arbeit prägen sollte“. Religion sei in der Wirtschaft noch weithin ein Tabuthema. Der Wirtschaftswissenschaftler hat für die Studie „Religion und Führung – alte Weisheit für eine neue Welt?“ Führungskräfte aus Politik und Wirtschaft befragt. Daran teilgenommen hat unter anderen die evangelische Christin Petra Pientka (Iserlohn), die die Unternehmensgruppe „Gebrüder Nolte“ leitet. Dazu gehören neun Autohäuser mit 200 Beschäftigten, darunter Christen, Muslime und Atheisten.

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Firmenchefin: Rücksicht auf Religion im Betrieb hat Grenzen

Pientka, die sich auch gegenüber dem Deutschlandfunk äußerte, hält es nach eigenen Worten für schwierig, Religion im Arbeitsalltag zu viel Raum zu geben. Zum Beispiel sei in Ausnahmefällen Sonntagsarbeit unumgänglich. Im islamischen Fastenmonat Ramadan sollten sich muslimische Mitarbeiter – sie dürfen dann von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang nicht essen und trinken – Urlaub nehmen, so die Firmenchefin. Das gemeinsame Arbeiten gehe vor. Man könne nicht immer nur Rücksicht nehmen, indem man sage: „Das ist ja aus religiösen Gründen – das finde ich nicht fair.“ Mit dem Thema Werte in der Wirtschaft beschäftigt sich auch der alle zwei Jahre stattfindende Kongress christlicher Führungskräfte. Das nächste Treffen ist vom 28. Februar bis 2. März 2019 in Karlsruhe geplant. Der Kongress wird veranstaltet von der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) in Zusammenarbeit mit einer breiten Allianz aus Unternehmerverbänden, landes- und freikirchlichen sowie anderen christlichen Organisationen.

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