Sonntag • 26. März
Berlin
17. März 2017

Trotz jüdischen Protestes Friedenskundgebung mit Islamisten

Die Generalsuperintendentin des Sprengels Berlin der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Ulrike Trautwein (rechts), mit Vertretern anderer Religionen. Foto: picture-alliance/Paul Zinken/dpa
Die Generalsuperintendentin des Sprengels Berlin der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Ulrike Trautwein (rechts), mit Vertretern anderer Religionen. Foto: picture-alliance/Paul Zinken/dpa

Berlin (idea) – Für Diskussionen in Berlin sorgt eine Friedenskundgebung, zu der sich am 16. März rund 400 Personen am Breitscheidplatz vor der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche versammelten, darunter Politiker sowie Verbands- und Kirchenvertreter. Offiziell dazu eingeladen hatte ein Bündnis christlicher, jüdischer und muslimischer Gemeinden unter dem Motto „Religionen für ein weltoffenes Berlin“. Unter ihnen waren auch Organisationen, die wegen islamistischer Aktivitäten vom Verfassungsschutz beobachtet werden: die Neuköllner Begegnungsstätte, das Interkulturelle Zentrum für Dialog und Bildung, das Islamische Erziehungs- und Kulturzentrum (IKEZ), das als Treffpunkt der radikalislamischen Hamas gilt, sowie das Teiba Kulturzentrum zur Förderung der Bildung und Verständigung. Laut Verfassungsschutzbericht haben sie Verbindungen zur Muslimbruderschaft, die eine umfassende Anwendung des islamischen Religionsgesetzes Scharia und Schaffung eines islamischen Staates fordert sowie den Koran zur Richtschnur des politischen Handelns erhebt.

ANZEIGE

Kirche: Suchen das Gespräch mit allen, die für ein friedliches Miteinander der Religionen sind

Zu den Rednern der Kundgebung gehörten neben dem Imam der Neuköllner Begegnungsstätte, Mohamed Taha Sabri, auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) und die Generalsuperintendentin des Sprengels Berlin der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Ulrike Trautwein. Die Pressesprecherin der Kirche, Heike Krohn-Bräuer, verteidigte den Auftritt auf Nachfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Zwar stimme es, dass vier muslimische Vereine vom Verfassungsschutz beobachtet würden. Allerdings habe sich der Imam Sabri klar gegen Islamisten gewandt. Krohn-Bräuer: „Es ist uns wichtig, mit all denjenigen das Gespräch zu suchen und mit denjenigen in den Moscheen zusammenzuarbeiten, die sich für ein friedliches Miteinander der Religionen und sich innerhalb ihrer Gruppierungen für eine klare Abgrenzung gegen den Islamismus einsetzen.“

Zentralrat der Juden „irritiert“ über Auftritt des Regierenden Bürgermeisters

Gegen den Auftritt des Regierenden Bürgermeisters hatte sich im Vorfeld der Zentralrat der Juden in Deutschland gewandt. In einem Schreiben an Müller zeigte er sich „irritiert“ über dessen geplante Teilnahme an der Veranstaltung und forderte ihn auf, nicht an der Kundgebung teilzunehmen. Müller ging in seiner Rede jedoch nicht auf die Vorwürfe ein, sondern sprach über den interreligiösen Dialog: „Ich wehre mich gegen das Trennende in der Religion.“ Am Breitscheidplatz war kurz vor Weihnachten ein 23-jähriger Tunesier mit einem Lkw in eine Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt gerast und hatte dabei zwölf Menschen getötet und mehr als 50 verletzt. Der Attentäter wurde am 23. Dezember in Mailand bei einem Schusswechsel getötet. Der Muslim hatte zuvor in einem Video die Ermordung von Christen angekündigt.

Diskutieren

Die Kommentarfunktion für diesen Beitrag ist geschlossen. Nach dem Erscheinen eines Artikels kann dieser sieben Tage kommentiert werden.

10 Kommentare
Kommentare sind ausgeblendet.
Zum Einblenden der Kommentare hier klicken.
Diese Woche lesen Sie
  • Gemeindebau Wie gelingt missionarischer Aufbruch?
  • Erdogan Wie wir der Türkei jetzt begegnen müssen
  • Pro & Kontra Kinder auf eine christliche Schule schicken?
  • Erziehung Ein Schritt zurück – Die Entscheidung einer Mutter
  • Wachstum Wie wächst Ihre Gemeinde?
  • mehr ...
ANZEIGE