Mittwoch • 18. Oktober
Unterlassene Hilfeleistung
19. September 2017

Präses: Menschen machen auch schlimme Fehler

Die drei Bankkunden hatten dem am Boden liegenden Mann nicht geholfen. Foto: picture-alliance/Polizei Essen/dpa
Die drei Bankkunden hatten dem am Boden liegenden Mann nicht geholfen. Foto: picture-alliance/Polizei Essen/dpa

Essen/Düsseldorf (idea) – Nimmt die Verrohung in Deutschland zu? Diese Frage wird zunehmend gestellt, da sich Fälle häufen, in denen Bürger Mitmenschen in Not keine Hilfe leisten, auf Autobahnen keine Rettungsgasse bilden oder Einsatzkräfte behindern. Bundesweites Aufsehen hat jetzt ein Prozess in Nordrhein-Westfalen wegen unterlassener Hilfeleistung erregt. Das Amtsgericht in Essen-Borbeck verurteilte drei Bankkunden zu Geldstrafen, weil sie am 3. Oktober 2016 in einer Filiale einem zusammengebrochenen 83-Jährigen nicht geholfen hatten. Eine Überwachungskamera zeigte, wie die drei Personen achtlos an dem am Boden liegenden Mann vorbeigingen oder über ihn hinwegstiegen. Auch ein vierter Kunde half nicht, muss sich aber wegen gesundheitlicher Probleme später vor Gericht verantworten. Erst ein fünfter Kunde hatte mit seinem Mobiltelefon einen Rettungswagen gerufen. Der kollabierte Rentner starb eine Woche später – allerdings nicht an den Folgen der unterlassenen Hilfeleistung. Das Essener Gericht verurteilte die drei Angeklagten, zwei 55 und 61 Jahre alte Männer sowie eine 39-Jährige, zu Geldstrafen zwischen 2.400 und 3.600 Euro. Sie hatten zu ihrer Verteidigung erklärt, dass sie den am Boden liegenden Mann für einen schlafenden Obdachlosen gehalten hätten.

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Christen sollen „Überzeugungstäter der Nächstenliebe“ sein

Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski (Düsseldorf), äußerte sich auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea zu dem Fall. Er wolle sich nicht an Spekulationen beteiligen, ob Verrohung und Unmenschlichkeit zunehmen. Der Fall zeige aber, dass Menschen „nicht selten schlimme Fehler“ machten: Sie „vergessen, übersehen oder ignorieren, wer ihr Nächster ist.“ Jesus Christus rufe dazu auf, den Nächsten zu lieben wie sich selbst. Rekowski: „Als Christenmenschen sind wir also als Überzeugungstäter der Nächstenliebe gefragt.“ Denn hier gelte wie in der Kindererziehung: „Nicht reden, sondern vorleben!“ Der katholische Essener Bischof Franz-Josef Overbeck hatte bereits im Oktober erklärt, dass ihm „dieser tragische Fall von unterlassener Hilfeleistung“ sehr nahe gehe: „Ich glaube ganz fest, dass ohne echte Barmherzigkeit keine Gesellschaft letztlich existieren kann.“

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