Montag • 19. Februar
Pro und Kontra
23. Januar 2018

Muss die Organspende in Deutschland neu geregelt werden?

Immer weniger Organe werden für lebenswichtige Transplantationen gespendet. Foto: pixabay.com
Immer weniger Organe werden für lebenswichtige Transplantationen gespendet. Foto: pixabay.com

Wetzlar (idea) – Die Zahl der Organspender in Deutschland hat 2017 den niedrigsten Stand seit 20 Jahren erreicht. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert daher, die Organspende müsse zum Regelfall werden. Wer nicht spenden wolle, müsse vorher Nein sagen. Die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) nahm die Debatte zum Anlass, zwei Mediziner in einem „Pro und Kontra“ zu fragen: Ist die von Lauterbach vorgeschlagene Widerspruchslösung sinnvoll?

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Prof. Nagel: Es gibt eine moralische Pflicht, sich zu entscheiden

Für diese Möglichkeit plädiert der Geschäftsführende Direktor des Instituts für Medizinmanagement der Universität Bayreuth, Prof. Eckhard Nagel. Eine Widerspruchsregelung berücksichtige die Entscheidung des Einzelnen. Niemand werde dadurch zur Organspende verpflichtet. Es gebe aber eine moralische Pflicht, sich zu entscheiden, denn die individuelle Haltung in dieser Frage wirke sich auf andere aus. Wünschenswert sei deswegen auch eine einheitliche Lösung auf europäischer Ebene. Die lebensrettende Organtransplantation gehöre zu den großartigen Fortschritten der vergangenen 60 Jahre. Auch Papst Johannes Paul II. (1920–2005) habe die Organspende als Ausdruck der Nächstenliebe über den Tod hinaus gewertet.

Prof. Bauer: Die Entscheidung sollte den Bürgern nicht aufgedrängt werden

Anderer Ansicht ist der Leiter des Fachgebiets Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg, Prof. Axel W. Bauer. Die Entscheidung über eine „derart persönliche Frage“ sollte den Bürgern nicht aufgedrängt werden. Die Krankenkassen schrieben alle Versicherten ab 16 Jahren an und erfragten ihre Bereitschaft zur Organspende: „Der Staat übt dadurch schon jetzt moralischen Druck aus.“ Eine Widerspruchslösung käme einer sozialen Pflicht zur Organspende gleich. Er warnt davor, die ethischen Debatten nur vor dem Hintergrund des Organmangels zu führen: „Das ist jedoch keine hinreichende Rechtfertigung dafür, angeblich Toten Organe zu entnehmen, weil zuvor kein Widerspruch eingelegt wurde.“

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